Papst Benedikt XVI.: „Glauben bedeutet Entscheidung“

Ganz und gar Ja sagen zu Jesus Christus

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ROM, 24. August 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, Sonntag, zum Angelusgebet gehalten hat.

Der Papst erinnerte die Gläubigen, die sich bei der Päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo eingefunden hatten, anhand des Sonntagsevangeliums daran, dass die Nachfolge Christi das Herz mit Freude erfülle und dem Leben seinen vollen Sinn gebe, dass sie aber auch mit Opfer und Verzicht verbunden sei. Häufig sei es erforderlich, gegen den Strom zu schwimmen, hob Papst Benedikt hervor.

„Wir wollen jeden Tag unsere Entscheidung für Christus erneuern und mithelfen, dass die Menschen ihn erkennen, der allen Heil und Leben schenken will.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Ihr seht: die Hand ist vom Gips befreit worden, aber sie ist noch etwas schlapp; für eine Weile muss ich noch in der „Schule der Geduld“ bleiben, aber wir gehen voran!

Ihr wisst, dass die Liturgie uns seit einigen Sonntagen das sechste Kapitel des Evangeliums nach Johannes zum Nachdenken vorlegt, in dem sich Jesus als das „das lebendige Brot“ vorstellt, „das vom Himmel herabgekommen ist“. Und er fügt hinzu: „Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt“ (Joh 6,51).

Den Juden, die heftig miteinander diskutieren und sich fragen: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ (V. 52) – und die Welt diskutiert das noch immer –, erwidert Jesus für alle Zeiten: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch“ (V. 53). Dies ist auch ein Grund für uns, darüber nachzudenken, ob wir diese Botschaft wirklich verstanden haben.

Heute, am 21. Sonntag im Jahreskreis, betrachten wir den Schlussteil dieses Kapitels, in dem der vierte Evangelist von der Reaktion der Leute und der Jünger berichtet, die über die Worte des Herrn derart entsetzt waren, dass viele, die ihm bis zu diesem Zeitpunkt gefolgt waren, ausriefen: „Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?“ (V. 60). Und von jenem Augenblick an „zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher“ (V. 66). Und genau dasselbe spielt sich in unterschiedlichen Phasen der Geschichte immer wieder ab. Man könnte sich erwarten, dass Jesus den Kompromiss suchen würde, um leichter verstanden zu werden. Jesus aber schwächt seine Worte nicht ab, ja, im Gegenteil: Er wendet sich direkt an die Zwölf und sagt: „Wollt auch ihr weggehen?“ (V. 67).

Diese provozierende Frage ist nicht nur an die Zuhörer von damals gerichtet, sondern gilt den Gläubigen und Menschen aller Zeiten. Auch heute sind nicht wenige angesichts des Paradoxes des christlichen Glaubens „entsetzt“. Die Lehre Jesu scheint „unerträglich“ zu sein; zu schwierig, als dass sie angenommen und in die Praxis umgesetzt werden könnte. Da sind dann jene, die Christus ablehnen und ihn verlassen. Andere versuchen, das Wort den Moden der Zeit anzupassen und berauben es so dem Wesen seines Sinnes und Wertes. „Wollt auch ihr weggehen?“ Diese beunruhigende Provokation erklingt im Herzen und verlangt von jedem eine persönliche Antwort; es handelt sich um eine Frage, die an jeden von uns gerichtet wird. Jesus gibt sich nämlich nicht mit einer oberflächlichen und formellen Zugehörigkeit zufrieden; ein erstes und begeistertes Anhängen ist ihm nicht genug. Vielmehr ist es notwendig, für das ganze Leben an seinem Denken und Wollen Anteil zu nehmen. Ihm nachzufolgen erfüllt das Herz mit Freude und gibt unserem Dasein seinen vollen Sinn; es bringt aber auch Schwierigkeiten und Verzicht mit sich, da man oft gegen den Strom schwimmen muss.

„Wollt auch ihr weggehen?“ Auf diese Frage Jesu antwortet Petrus im Namen der Apostel und der Gläubigen aller Zeiten: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (V. 68-69).

Liebe Brüder und Schwestern, auch wir können und wollen jetzt die Antwort des Petrus wiederholen! Wir tun das zwar im Bewusstsein unserer menschlichen Gebrechlichkeit, unserer Probleme und Schwierigkeiten, aber auch im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes, die in der Gemeinschaft mit Jesus zum Ausdruck kommt und offenbar wird. Der Glaube ist Geschenk Gottes an den Menschen und gleichzeitig freies und volles Sich-Anvertrauen des Menschen an Gott. Der Glaube ist fügsames Hören auf das Wort des Herrn, das eine „Leuchte“ für unsere Schritte und ein „Licht“ für unsere Pfade ist (vgl. Ps 119,105). Wenn wir das Herz vertrauensvoll Christus öffnen, wenn wir uns von ihm einnehmen lassen, können auch wir wie zum Beispiel der heilige Pfarrer von Ars die Erfahrung machen, dass „unser alleiniges Glück auf dieser Erde darin besteht, Gott zu lieben und zu wissen, dass er uns liebt“.

Bitten wir die Jungfrau Maria, in uns diesen von Liebe durchdrungenen Glauben stets wach zu halten, der sie, das demütige Mädchen aus Nazareth, zur Mutter Gottes und zur Mutter und zum Vorbild aller Gläubigen gemacht hat.

[Die Pilger und Besucher aus dem deutschsprachigen Raum begrüßte der Heilige Vater mit folgenden Worten:]

Gerne grüße ich die Gäste aus den Ländern deutscher Sprache hier in Castel Gandolfo und alle, die über Rundfunk und Fernsehen am Angelusgebet teilnehmen. Glauben bedeutet Entscheidung, nämlich ganz und gar Ja zu sagen zu Jesus Christus und zu seiner Botschaft. Wer Christus glaubt, ihm sich anvertraut und von seinem Wort leiten lässt, der kann mit Petrus im heutigen Evangelium bekennen: „Herr, du hast Worte des ewigen Lebens“. Ja, Jesu Wort ist wirklich Geist und Leben, göttliches Leben für uns. Wir wollen jeden Tag unsere Entscheidung für Christus erneuern und mithelfen, dass die Menschen Ihn erkennen, der allen Heil und Leben schenken will. Gottes Gnade begleite euch an diesem Sonntag und die ganze Woche.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]