Papst Benedikt XVI.: „Gott ist zum Menschensohn geworden, damit wir Kinder Gottes werden“

Aufruf zur Verkündigung der frohen Botschaft von Weihnachten

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24. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, am vierten Adventsonntag, zum Angelus gehalten hat.



Der Heilige Vater erklärte vor Tausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz, dass die Weihnachtsfreude die Christen dazu antreibe, „allen zu verkünden, dass Gott in unserer Mitte gegenwärtig ist“.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Nur ein Tag trennt diesen vierten Adventssonntag vom Hochfest der Geburt des Herrn. Morgen Nacht werden wir uns versammeln, um das große Geheimnis der Liebe zu feiern, das nie aufhört, uns staunen zu lassen: Gott ist zum Menschensohn geworden, damit wir Kinder Gottes werden. Während der Adventszeit stieg aus dem Herzen der Kirche häufig ein Flehen auf: „Komm, Herr, komm zu uns mit deinem Frieden. Deine Gegenwart wird uns mit Freude erfüllen.“ Der Evangelisierungsauftrag der Kirche ist die Antwort auf diesen Ruf: „Komm, Herr Jesus“, der die ganze Heilsgeschichte durchzieht und sich weiterhin von den Lippen der Gläubigen erhebt. Komm, Herr, um unsere Herzen zu verwandeln, damit sich in der Welt die Gerechtigkeit und der Friede verbreiten.

Darauf will die soeben von der Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichte „Lehrmäßige Note zu einigen Aspekten der Evangelisierung“ die Aufmerksamkeit lenken. Das Dokument möchte nämlich in einer Situation, in der nicht einmal mehr vielen Gläubigen die Existenzberechtigung der Evangelisierung klar ist, allen Christen ins Gedächtnis rufen, dass die Annahme der Frohen Botschaft an sich dazu anregt, das als Geschenk empfangene Heil weiterzugeben. Denn: Die Wahrheit, die das Leben rettet, die in Jesus Fleisch angenommen hat, entzündet das Herz dessen, der sie empfängt, mit einer Liebe zum Nächsten, welche die Freiheit dazu veranlasst, das weiterzugeben, was sie umsonst empfangen hat.

Von der Gegenwart Gottes erreicht zu werden, der sich uns an Weihnachten nähert, ist ein unschätzbares Geschenk; ein Geschenk, das uns befähigt, in der universalen Umarmung der Freunde Gottes zu leben, in jenem Netz der Freundschaft mit Christus, das Himmel und Erde verbindet, das die menschliche Freiheit zu ihrer Erfüllung führt und das – wird es in Wahrheit gelebt – in einer unentgeltlichen Liebe erblüht, die von der Sorge um das Wohl aller Menschen erfüllt ist. Nichts ist schöner, dringlicher und wichtiger, als unentgeltlich den Menschen das weiterzuschenken, was wir unentgeltlich von Gott empfangen haben! Nichts darf uns von dieser beschwerlichen und faszinierenden Aufgabe befreien oder entpflichten. Die Freude des Christfestes, die wir schon jetzt verkosten, während sie uns mit Hoffnung erfüllt, drängt uns gleichzeitig dazu, allen zu verkünden, dass Gott mitten unter uns gegenwärtig ist.

Ein unvergleichliches Vorbild der Evangelisierung ist die Jungfrau Maria, die der Welt keine Idee, sondern Jesus, das fleischgewordene Wort, vermittelt hat. Rufen wir sie vertrauensvoll an, damit die Kirche auch in unserer Zeit Christus, den Heiland, verkünde. Jeder Christ und jede Gemeinde mögen die Freude erfahren, mit den anderen die Frohe Botschaft zu teilen, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er uns seinen eingeborenen Sohn schenkte, damit die Welt durch ihn gerettet werde. Das ist der wahre Sinn des Christfestes, den wir immer wieder neu entdecken und intensiv leben müssen.

[Nach dem Angelus erklärte der Heilige Vater:]

Mein herzlicher Gruß geht an die Mitarbeiter der Vatikan-Zeitung „Osservatore Romano“, die heute Vormittag auf dem Petersplatz eine Initiative der Solidarität zugunsten der Kinder in Uganda vorbringen. Während ich meine Wertschätzung für die besondere Aufmerksamkeit zum Ausdruck bringe, die der „Osservatore Romano“ den humanitären Notsituationen in allen Teilen der Welt widmet, würdige ich die Tatsache, dass dies auch in konkreten Gesten wie dieser sichtbar wird, der ich ein gutes Gelingen wünsche.

[In seiner Muttersprache sagte Papst Benedikt:]

Die Liturgie des heutigen vierten Adventsonntags verdeutlicht uns nochmals eindringlich, wen wir in dieser heiligen Zeit erwarten: Es kommt der Emmanuel, der „Gott-mit-uns“. Wir schauen aus auf Gott, der nicht unzugänglich in der Ferne bleibt, sondern wirklich mit uns, unter uns und für uns da ist. In diesem Glauben und in dieser Hoffnung wollen wir die Geburt des Herrn feiern und ihn in unsere Herzen aufnehmen. Ich wünsche euch allein einen guten vierten Advent und ein gesegnetes Weihnachtsfest!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]