Papst Benedikt XVI.: In der Demokratie geht es um Werte

Schriftliche Botschaft für den Vatikan-Botschafter aus Singapur

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ROM, 18. Dezember 2007 (ZENIT.org).- In der Demokratie gehe es nicht so sehr darum, Regeln zu befolgen, sondern vor allem darum, die Würde jeder Person und ihre Rechte zu achten, erklärt Papst Benedikt XVI. in seiner schriftlichen Ansprache an den neuen offiziellen Vertreter der Republik Singapur beim Heiligen Stuhl, Barry Desker. Er empfing den Diplomaten gemeinsam mit den Botschaftern aus Thailand, den Seychellen, Namibia, Gambia, Surinam und Kuwaitaus am Donnerstag im Vatikan (vgl. Weg zum Frieden).



Der Heilige Vater weist in der Botschaft, die er Desker persönlich überreichte, darauf hin, dass es Aufgabe des südostasiatischen Lands sei, einen „bedeutenden Beitrag zum wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt der Region“ zu leisten, „da es sich um eins der am meisten entwickelten Länder dieser Gegen handle“.

„In einer Zeit, da viele Teile Südostasiens weiterhin unter den Auswirkungen von Armut, Kriminalität und politischen Unruhen leiden, ist Singapur als blühendes, wohlgeordnetes und demokratisches Land ein gewichtiges Vorbild, das anderen Hoffnung und Inspiration bieten kann“, hebt der Papst hervor.

Wirtschaftlicher Erfolg benötige jedoch einer „festen ethischen Grundlage, wenn er der Gesellschaft dauerhaften Gewinn schenken soll. In der Tat müssen die Bedürfnisse der Person stets im Mittelpunkt wirtschaftlicher Unternehmungen stehen, da... die menschliche Person die Quelle, die Mitte und der Zweck alles ökonomischen und sozialen Lebens ist.“

Ebenso sei authentische Demokratie „nicht lediglich das Ergebnis einer formalen Befolgung von Regeln, sondern Folge einer überzeugten Annahme jener Werte, die die demokratischen Prozeduren beleben: die Würde jeder menschlichen Person, die Achtung der Menschenrechte und das Engagement für das Gemeinwohl.“

Papst Benedikt XVI. ermutigt Singapur dazu, die Rechte der Familie zu schützen, worin er „einen einmaligen und unentbehrlichen Betrag zum Wohl der Gesellschaft“ sieht. Die kleine Schar der katholischen Gläubigen in Singapur bezeuge ihrerseits die Bedeutung der Ehe und der Familie.

Im Einsatz für die Menschenrechte sei die „Verfechtung des universalen Rechts auf Leben und auf Religionsfreiheit“ für die Kirche von vorrangiger Bedeutung: „Das Recht auf Leben – von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod – ist das erste der Rechte und die Voraussetzung für alle anderen. Überdies ist die wirksame Anerkennung des Rechts auf Gewissensfreiheit und auf Religionsfreiheit eine der schwerwiegendsten Verpflichtungen einer jeden Gemeinschaft, die das Wohl des Individuums und der Gesellschaft wahrhaft garantieren möchte.“

Schließlich bekräftigt der Heilige Vater in seinem Schreiben erneut, dass die Kirche es ablehne, die Religion für politische Ziele zu missbrauchen und womöglich – wie im Fall des internationalen Terrorismus – zu „versuchen, Gewalt auf diese Art zu rechtfertigen“. Diesbezüglich unterstreicht er: „Angesichts dieser neuen Bedrohung des Weltfriedens sind die Staaten zu einem neuen Einsatz für die Implementierung des internationalen humanitären Gesetzes aufgerufen. Die katholische Kirche teilt die Sorge aller, die das durch bewaffnete Konflikte verursachte Leiden einschränken und ein friedliches Zusammenleben von Völkern und Nationen fördern wollen.“