Papst Benedikt XVI.: Jesus in der Eucharistie, Quelle der Liebe

Um einander zu lieben, wie er uns geliebt hat

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ROM, 15. Juni 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, Sonntag, zum Angelus gehalten hat.

Am italienischen Frohnleichnamsfest verwies der Heilige Vater auf die Eucharistie als Quelle der Liebe. „Auf einzigartige und besondere Weise spricht dieses Fest von der göttlichen Liebe - von dem, was sie ist, und von dem, was sie bewirkt. Es sagt uns zum Beispiel, dass sie sich erneuert, indem sie sich verschenkt; dass sie empfängt, indem sie gibt; dass sie nicht nachlässt und nicht vergeht." Die Gemeinschaft mit dem eucharistischen Jesus befähige den Menschen zu wahrer Liebe.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute wird in verschiedenen Ländern, darunter Italien, das Fronleichnamsfest begangen: das Fest der Eucharistie, an dem das Sakrament des Leibes des Herrn in feierlicher Prozession durch die Straßen getragen wird. Was bedeutet dieses Fest für uns? Es lässt nicht allein an den liturgischen Aspekt denken; in Wirklichkeit ist Fronleichnam ein Tag, der die kosmische Dimension, den Himmel und die Erde einbezieht. Es erinnerst vor allem - wenigstens in unserer Hemisphäre - an diese so schöne und duftende Jahreszeit, in der der Frühling bereits in den Sommer übergeht, die Sonne stark scheint und auf den Feldern das Korn reift. Die Feste der Kirche haben - wie die jüdischen - mit dem Rhythmus des Sonnenjahres, der Aussaat und der Ernte zu tun. Das wird besonders an unserem heutigen Fest deutlich, in dessen Mittelpunkt das Zeichen des Brotes steht, Frucht des Himmels und der Erde. Deshalb ist das eucharistische Brot das sichtbare Zeichen für den, in dem Himmel und Erde, Gott und Mensch eins geworden sind. Und dies zeigt, dass für das Kirchenjahr die Beziehung zu den Jahreszeiten nicht nur etwas rein Äußerliches ist.

Das Fronleichnamsfest ist mit Ostern und Pfingsten zutiefst verbunden; der Tod und die Auferstehung Jesu sowie die Ausgießung des Heiligen Geistes sind seine Voraussetzungen. Darüber hinaus steht es in einer unmittelbaren Verbindung mit dem Fest der Dreifaltigkeit, das wir am vergangenen Sonntag gefeiert haben. Nur weil Gott selbst Beziehung ist, kann es ein Verhältnis zu ihm geben; und nur weil er Liebe ist, kann er lieben und geliebt werden. So ist das Fronleichnamsfest eine Offenbarung Gottes, eine Bestätigung, dass Gott die Liebe ist. Auf einzigartige und besondere Weise spricht dieses Fest von der göttlichen Liebe - von dem, was sie ist, und von dem, was sie bewirkt. Es sagt uns zum Beispiel, dass sie sich erneuert, indem sie sich verschenkt; dass sie empfängt, indem sie gibt; dass sie nicht nachlässt und nicht vergeht, wie es in einem Hymnus des heiligen Thomas von Aquin heißt: „nec sumptus consumitur". Die Liebe verwandelt alles, und so versteht man, dass im Mittelpunkt des heutigen Fronleichnamsfestes das Geheimnis der Transsubstantiation steht, Zeichen Jesu, der die Liebe ist und die Welt verwandelt. Wenn wir auf ihn schauen und ihn anbeten, dann sagen wir: Ja, die Liebe gibt es, und da es sie gibt, können sich die Dinge zum Besseren ändern und wir können hoffen. Die Hoffung ist es, die der Liebe Christi entspringt und uns die Kraft gibt, zu leben und den Schwierigkeiten zu begegnen. Daher singen wir, während wir das Allerheiligste Sakrament in Prozession durch die Straßen tragen; wir singen und loben Gott, der sich geoffenbart hat, indem er sich im Zeichen des gebrochenen Brotes verbirgt. Dieses Brotes bedürfen wird alle, da der Weg zu Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden lange und mühsam ist.

Wir können uns vorstellen, mit wie viel Glauben und Liebe die Gottesmutter die heilige Eucharistie in ihrem Herzen empfangen und angebetet haben mag! Jedes Mal war es für sie, als erlebte sie von Neuem das ganze Geheimnis ihres Sohnes Jesus, von der Empfängnis bis zur Auferstehung. „Eucharistische Frau" nannte sie mein verehrter und geliebter Vorgänger Johannes Paul II. Lernen wir von ihr, unsere Gemeinschaft mit dem Leib Christi ständig zu erneuern, um einander zu lieben, wie er uns geliebt hat.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]