Papst Benedikt XVI.: „Lasst uns die Schönheit der Taufe im Heiligen Geist neu entdecken!“

Pfingsten ist die „Krönung der ganzen Sendung Jesu“

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ROM, 12. Mai 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, am Pfingstsonntag, zum „Regina Caeli“ auf dem Petersplatz gehalten hat.

Der Heilige Vater erklärte die Bedeutung von Pfingsten und forderte die Pilger und Gläubigen auf, die Gegenwart des Heiligen Geistes in ihrem Leben und damit die Bedeutung von Taufe und Firmung neu zu entdecken.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiern wir das Hochfest von Pfingsten, ein altes jüdisches Fest, das des Bundes gedachte, den Gott mit seinem Volk auf dem Berg Sinai schloss (vgl. Ex 19). Gerade aufgrund des Ereignisses an diesem Gedenktag fünfzig Tage nach dem Ostern Jesu wurde es auch zum christlichen Fest.

Wir lesen in der Apostelgeschichte, dass die Jünger im Abendmahlsaal im Gebet vereint waren, als kraftvoll der Heilige Geist wie Wind und Feuer auf sie herabkam. Und so begannen sie, in vielen Sprachen die frohe Botschaft von der Auferstehung Christi zu predigen (vgl. Apg. 2,1-4).

Das war die „Taufe im Heiligen Geist“, die bereits Johannes der Täufer angekündigt hatte: „Ich taufe euch nur mit Wasser“, so sagte er der Menschenmenge. „Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich… Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (Mt 3,11).

In der Tat war die gesamte Sendung Jesu darauf hingeordnet, den Menschen den Geist Gottes zu schenken und sie in seinem „Bad“ der Erneuerung zu taufen. Das wurde mit seiner Verherrlichung Wirklichkeit (vgl. Joh 7,39), das heißt mit seinem Tod und seiner Auferstehung: So ist der Geist Gottes in überfließender Fülle ausgegossen worden, wie ein Wasserfall, der in der Lage ist, alle Herzen zu reinigen, den Brand des Bösen zu löschen und in der Welt das Feuer der göttlichen Liebe zu entzünden.

Die Apostelgeschichte legt uns Pfingsten als die Erfüllung dieser Verheißung und daher als Krönung der ganzen Sendung Jesu vor. Er selbst befahl nach seiner Auferstehung den Jüngern, in Jerusalem zu bleiben, da – so sagte er – „ihr schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werdet“ (Apg 1,5). Und er fügte hinzu: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,4).

Pfingsten ist deshalb in besonderer Weise die Taufe der Kirche, die ihre universale Sendung von den Straßen Jerusalems aus mit der wunderbaren Verkündigung in den verschiedenen Sprachen der Menschheit beginnt. In dieser Taufe des Heiligen Geistes sind die persönliche und die gemeinschaftliche Dimension, das Ich des Jüngers und das Wir der Kirche untrennbar miteinander verbunden. Der Geist salbt den Menschen und macht ihn gleichzeitig zum lebendigen Glied des mystischen Leibes Christi, das Anteil hat an der Sendung, seine Liebe zu bezeugen. Und dies wird durch die Sakramente der christlichen Initiation verwirklicht: die Taufe und die Firmung.

In meiner Botschaft zum bevorstehenden Weltjugendtag 2008 habe ich die Jugendlichen dazu angeregt, die Gegenwart des Heiligen Geistes in ihrem Leben und damit die Bedeutung dieser Sakramente neu zu entdecken. Heute möchte ich meine Einladung auf alle ausdehnen: Lasst uns die Schönheit der Taufe im Heiligen Geist neu entdecken! Bemühen wir uns, uns unserer Taufe und unserer Firmung neu bewusst zu werden, Quellen von immer aktueller Gnade!

Bitten wir die Jungfrau Maria darum, dass sie auch heute für die Kirche ein neues Pfingsten erlange, das in allen, besonders in den Jugendlichen, die Freude ausgießt, das Evangelium zu leben und zu bezeugen.

[Die deutschsprachigen Pilger begrüßte der Heilige Vater mit folgenden Worten:]


„Frohe Pfingsten!“ rufe ich allen deutschsprachigen Pilgern und Besuchern hier auf dem Petersplatz zu. Besonders grüße ich die vielen jungen Menschen, unter ihnen die Gruppen der Fokolarbewegung und der Gemeinschaft Sant’Egidio.

„Komm, Heiliger Geist!“ ist der Bittruf der heutigen Liturgie. Dazu ist es nötig, dass wir selbst ihm unsere Herzenstüren öffnen, damit er das Kalte und Erstarrte in uns wegnehme und uns die stille Kraft der göttlichen Liebe schenke. Gottes Geist führe euch auf Wegen des Friedens und des Heils!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]