Papst Benedikt XVI. pilgert am Wochenende zum Grab seines Lehrmeisters Augustinus

Ihn fasziniert „vor allem die große Menschlichkeit“ des heiligen Kirchenlehrers

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ROM, 17. April 2007 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. wird am kommenden Wochenende in die beiden italienischen Diözesen Vigevano und Pavia reisen, um unter anderem am Grab des heiligen Augustinus zu beten, den er als einen seiner großen Lehrmeister verehrt.



Als der Heilige Vater seine Studien im Freisinger Priesterseminar aufnahm, hatte ihn, wie er am 17. Februar dieses Jahres bei einer Begegnung mit Priesteramtskandidaten im römischen Priesterseminar gestand, „von Anfang an vor allem die Gestalt des heiligen Augustinus fasziniert und dann auch die augustinische Strömung im Mittelalter: der heilige Bonaventura, die großen Franziskaner, die Gestalt des heiligen Franz von Assisi.“

Faszinierend war für Benedikt XVI. schon damals „vor allem die große Menschlichkeit des heiligen Augustinus, der ja nicht die Möglichkeit hatte, sich einfach mit der Kirche zu identifizieren, weil er von Anfang an Katechumene gewesen wäre, sondern geistig kämpfen musste, um allmählich den Zugang zum Wort Gottes, zum Leben mit Gott zu finden, bis hin zum großen Ja, das er zu seiner Kirche gesprochen hat“.

Die Gestalt des Bischofs von Hippo (354-430) habe den jungen Joseph Ratzinger so sehr bewegt, dass er den Entschluss fasste, sich in seiner Doktorarbeit mit der Ekklesiologie des Heiligen auseinanderzusetzen, erklärte P. Vittorino Grossi OSA, Professor am Patristischen Institut „Augustinianum“, in Rom im Rahmen einer Pressekonferenz, die heute im Pressesaal des Heiligen Stuhls stattfand.

Der Augustinerpater erinnerte die Journalisten auch an den Titel der Doktorarbeit, mit der Ratzinger 1953 promovierte: „Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche“. Und er fügte hinzu: „Später hat er diese Vorliebe für den heiligen Augustinus mit dem Hinweis zum Ausdruck gebracht, dass ihn die Theologie des Augsutinus deshalb so fasziniere, da sie in erster Linie nicht darauf abzielt, ein theologisches System zu sein – auch wenn sie das sehr wohl ist, noch dazu ein gutes –, sondern ein Mensch, ein Mensch in seinem konkreten Sein.“

P. Grossi wies darauf hin, dass Joseph Ratzinger auch nach seiner Wahl zum Nachfolger das Apostels Petrus „häufig die Philosophie des heiligen Augustinus vor Augen führt, wobei er vor allem auf die Kommentare des Bischofs von Hippo zu den Psalmen Bezug nimmt“.

Der Papst wird das Grab des heiligen Kirchenlehrers in der Basilika des heiligen Petrus in Ciel d'Oro Pavias aufsuchen und damit auf eine entsprechende Einladung seitens des Generalpriors des Augustinerordens, P. Robert Prevost OSA, antworten.

P. Prevost kündigte beim heutigen Pressegespräch in Rom an, dass der Papstbesuch auch als Anlass dienen werde, um die Segnung des Grundsteins des Kulturzentrums „Augustinianum“ vorzunehmen, das der Orden errichte.

Das Zentrum soll „aufgrund der tiefen spirituellen und theologischen Bande, die Benedikt XVI. mit dem Kirchenvater verbinden“, den Namen „Benedikt XVI.“ tragen.

Die Wallfahrt des Papstes findet aus Anlass der Veröffentlichung der Bulle „Licet Ecclesiae Catholicae“ vor 750 Jahren statt, mit der Papst Alexander IV. mehrere agustinische Zweige zu einem einzigen großen Orden zusammenfasste.

P. Giustino Casciano OSA, Prior der Abtei des heiligen Petrus in Ciel d’Oro, gab seinerseits bekannt, dass die Reisedaten für den Papstbesuch dem 24. April, dem Tag der Bekehrung des heiligen Augustinus und seiner Taufe, am nächsten gekommen seien.

P. Federico Lombardi SJ, Leiter des Pressesaals des Heiligen Stuhls, erklärte den Journalisten, dass die Urne mit der sterblichen Hülle des Heiligen vier Schlösser besitzt. Die Schlüssel würden vom Bischof, vom Prior der Basilika, vom Bürgermeister der Stadt und vom Kapitel der Kathedrale aufbewahrt – zum Zeichen dafür, „dass Augustinus unterschiedslos allen Bewohnern der Stadt gehört“.