Papst Benedikt XVI.: Religiöse Unterschiede respektieren, Verbindendes fördern

Begegnung mit Vertretern von Organisationen des interreligiösen Dialogs in Jerusalem

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JERUSALEM, 12. Mai 2009 (ZENIT.org).- Religiöse Unterschiede dürften nicht die Ursache für Trennungen sein; sie sollten vielmehr als willkommene Gelegenheit betrachtet werden, um andere zu ermutigen, die Wege Gottes zu gehen. Das betonte Papst Benedikt XVI. gestern Abend bei seiner Begegnung mit führenden Vertretern von Einrichtungen, die sich im Heiligen Land um die Förderung des interreligiösen Dialogs bemühen.



Das Treffen im Auditorium des Päpstlichen Notre-Dame-Zentrums in Jerusalem war der letzte große öffentliche Auftritt des Heiligen Vaters an diesem ersten Tag seines Israel-Aufenthalts. Zuvor hatte Benedikt XVI. drei Tage lang Jordanien besucht, wo er unter anderem zur jener Stelle am Jordan gepilgert war, an der Jesus von Johannes dem Täufer getauft worden sein soll.

Das Notre-Dame-Zentrum ist ein Ort der Begegnung und des Dialogs für Menschen unterschiedlichster Religionen, Kulturen und Völker. Seit 1970 ist das 1904 errichtete Zentrum im Besitz des Heiligen Stuhls. Im Dezember 1978 unterzeichnete Papst Johannes Paul II. ein Dekret, wodurch es zum Päpstlichen Institut und zu einem ökumenischen Zentrum wurde. Rund 280 Menschen können in den Räumlichkeiten beherbergt werden. Es gibt auch Konferenzräume und Versammlungsräume sowie einen der größten und modernsten Vortragsräume ganz Jerusalems. Die Leitung des Päpstlichen Instituts ist seit November 2004 der Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi anvertraut.

Papst Benedikt XVI. appellierte an die Vertreter der verschiedenen Religionen, religiöse Unterschiede zu respektieren und alles Verbindende zu fördern. Entgegen der manchmal vorgebrachten Meinung, religiöse Unterschiede verursachten zwangsläufig Spannungen und könnten daher bestenfalls toleriert werden, bekräftigte Benedikt XVI., dass gerade diese Unterschiede Gelegenheit gäben, „in tiefem gegenseitigen Respekt, in großer Wertschätzung und Anerkennung zusammenzuleben und einander zu ermutigen, die Wege Gottes zu gehen“. Der Papst ermutigte alle Anwesenden, „mutig voranzuschreiten“ und dabei „all das zu respektieren, was uns unterscheidet, und alles zu fördern, was uns vereint – als Geschöpfe, die mit der Sehnsucht gesegnet sind, unseren Gemeinschaften und der ganzen Welt Hoffnung zu bringen“.

Nach der Ansprache von Papst Benedikt XVI. ereignete sich ein unvorhergesehener Zwischenfall: Scheich Taisir Tamini, Höchstrichter des islamischen Gerichts in Jerusalem, betrat entgegen dem Protokoll das Podium, um Israel auf Arabisch heftig zu kritisieren. Inmitten der allgemeinen Betroffenheit verließen zwei Juden ihre Plätze, und der lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, trat vor, um den Scheich zu stoppen.

„Die Rede des Scheichs war von den Organisatoren nicht vorgesehen“, betonte P. Federico Lombardi SJ, Leiter des Pressebüros des Heiligen Stuhls, nach dem Treffen. Er verurteilte den Auftritt von Scheich Tamini als „Beispiel der Dialogverweigerung“ und bekräftigte im Namen des Heiligen Stuhls: „Wir wünschen uns, dass dieser Zwischenfall die Sendung des Papstes nicht belastet und auch dem interreligiösen Dialog im Heiligen Land nicht schadet.“ Zugleich wies Lombardi darauf hin, dass der Papst während seines bisherigen Aufenthalts im Heiligen Land immer wieder betont habe, warum er gekommen sei: um den Frieden und den Dialog zwischen den Religionen zu fördern.

Papst Benedikt XVI. wird bis Freitag im Heiligen Land bleiben. Das Motto seiner zwölften Auslandsreise, die vor allem eine Pilgerreise zu den Heiligen Stätten ist, lautet: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (Mt 5,9).