Papst Benedikt XVI. ruft zum allgemeinen Einsatz für das Leben auf

Ansprache an die Teilnehmer der 22. Konferenz des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst

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ROM, 20. November 2007 (ZENIT.org).- Angesichts der Versuchung, das Leben von alten und kranken Menschen zu verkürzen, hat Papst Benedikt XVI. zum allgemeinen Einsatz für das Leben aufgerufen. Die „Versuchung der Euthanasie“ ist in seinen Augen eines „der alarmierendsten Symptome der ‚Kultur des Todes‘, die vor allem in den Wohlstandsgesellschaften um sich greift“ (Evangelium vitae, 64).



Diese Worte von Papst Johannes Paul II. richtete Papst Benedikt XVI. am Samstag während einer Privataudienz im Vatikan an die Teilnehmer der Internationalen Konferenz zum Thema „Die Seelsorge bei der Betreuung der alten kranken Menschen“, die der Päpstliche Rat für die Pastoral im Krankendienst vom 15. bis zum 17. November veranstaltet hat.

„Eine Last und ein Problem für die Gesellschaft“ – so laute das Urteil der „heutigen leistungsorientierten Gesellschaft“ gegenüber den kranken älteren Menschen, beklagte der Bischof von Rom. „Wer sich aber der Menschenwürde bewusst ist, weiß, dass diese Menschen indessen geachtet und unterstützt werden müssen, während sie vor ernsthaften Schwierigkeiten stehen, die mit ihren Lebensumständen zusammenhängen.“

Benedikt XVI. erinnerte an Papst Johannes Paul II., der in seinem „beispielhaften Zeugnis des Glaubens und des Muts“ inmitten seiner Krankheit die Wissenschaftler und die Mediziner gleichermaßen ermahnt habe, „niemals der Versuchung stattzugeben, auf Praktiken der Verkürzung des alten und kranken Lebens zurückzugreifen – Praktiken, die in Wahrheit Formen der Sterbehilfe sind.“

Das Leben des Menschen sei immer „ein Geschenk Gottes, das wir stets zu bewahren berufen sind“. Diese Pflicht richte sich auch an die Krankenpfleger, „deren besonderer Missionsauftrag darin besteht, Diener des Lebens in allen seinen Phasen zu sein, besonders in jenen, die von der Zerbrechlichkeit, die mit der Krankheit einhergeht, gezeichnet sind“. Um alle alten und kranken Menschen zu schützen, bedürfe es eines „allgemeinen Einsatzes, damit das menschliche Leben nicht lediglich in den katholischen Krankenhäusern geachtet wird, sondern in allen Heilanstalten“.

Ferner benötigten die alten Menschen, die unheilbar krank sind, der palliativen Pflege, die ihre Schmerzen lindern könne. Sie müsse den Kranken dabei helfen, „den letzten Abschnitt ihrer irdischen Existenz bewusst und auf humane Weise angehen zu können, um sich gelassen auf den Tod vorzubereiten“.

Benedikt XVI. bekräftigte außerdem, wie wichtig es sei, alles daran zu setzen, „dass die Familien selbst sie aufnehmen und sich mit anerkennender Zuneigung um sie kümmern, damit die kranken älteren Menschen ihren letzten Lebensabschnitt zu Hause verbringen und sich in einer Atmosphäre, die von familiärer Herzlichkeit geprägt ist, auf den Tod vorbereiten können“.

Neben der unentbehrlichen klinischen Pflege benötigten die Kranken immer auch „Verständnis und Trost sowie ständige Ermutigung und Begleitung. In den schwierigen Augenblicken soll der Kranke – von der Seelsorge gestützt – ermutigt werden, die Kraft zu finden, um seiner schweren Prüfung im Gebet und mit dem Trost der Sakramente zu begegnen. Er soll von Glaubensbrüdern umgeben sein, die bereit sind, ihm zuzuhören und seine Empfindungen zu teilen.“

In Anbetracht von Leid und Krankheit, so Papst Benedikt XVI., seien „die Gläubigen eingeladen, ihre Seelenruhe zu bewahren, denn nichts – noch nicht einmal der Tod – kann uns von der Liebe Christi trennen“. Sie ermögliche es, „jede körperliche und geistliche Prüfung auf sich zu nehmen und zu überwinden, und – gerade in Zeiten der größten Schwachheit – die Früchte der Erlösung zu kosten.“