Papst Benedikt XVI. schreibt an den neuen Direktor des „Osservatore Romano“

„Vertrauensvolle und zugleich zutiefst vernünftige Öffnung gegenüber der Transzendenz“

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ROM, 13. November 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung des Briefs, den Benedikt XVI. dem neuen Chefredakteur des „Osservatore Romano“, Professor Giovanni Maria Vian, geschrieben hat.



Der Heilige Vater blickt auf die Geschichte der „Zeitung des Papstes“ zurück und weist darauf hin, dass sie dem Heiligen Stuhl immer besser diene, wenn sie „die fruchtbare Begegnung von Glaube und Vernunft aufzeigt, dank derer auch eine freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden möglich wird“.

Der grundlegende Auftrag der „Vatikanzeitung“ bleibe gleich: „in den Kulturen unserer Zeit jene vertrauensvolle und zugleich zutiefst vernünftige Öffnung gegenüber der Transzendenz zu fördern, auf der letztlich die Respektierung der Würde und der echten Freiheit jedes Menschen gründet“.

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An den verehrten Herrn
Professor Giovanni Maria Vian


Mit großer Wertschätzung und aufrichtiger Zuneigung richte ich meinen Gruß an Sie in dem Augenblick, wo Sie, lieber Herr Professor, das Amt des Direktors des »Osservatore Romano« antreten, ein Amt mit großer Verantwortung aufgrund der besonderen Natur der Vatikanzeitung.

Ihre hohe kulturelle Bildung als Historiker des Christentums, insbesondere Ihre Kenntnis der Geschichte des zeitgenössischen Papsttums, Ihre journalistische Erfahrung als Verfasser von Leitartikeln in verschiedenen Tageszeitungen und Zeitschriften, die zehnjährige Zusammenarbeit mit dem »Osservatore Romano« und auch die Zugehörigkeit zu einer bedeutenden Familie mit einer großen christlichen Tradition im treuen Dienst am Heiligen Stuhl sind eine sichere Gewähr für die Ihnen anvertraute schwierige Aufgabe.

So reihen Sie sich ein in die lange und großartige Geschichte der »Zeitung des Papstes«, die 1861 begonnen hat und in der als Direktoren verschiedene Persönlichkeiten aufeinandergefolgt sind, von dem Anwalt aus Forlì, Nicola Zanchini, der zusammen mit dem Journalisten Giuseppe Bastia als erster dieses Amt innehatte, bis hin zu dem werten und geschätzten Prof. Mario Agnes.

Entstanden, um die Freiheit des Heiligen Stuhls in einem kritischen und günstigen Augenblick seiner Geschichte zu unterstützen, hat der »Osservatore Romano« immer die Lehre der Päpste und die Wortmeldungen seiner engsten Mitarbeiter zu den entscheidenden Fragen, denen die Menschheit auf ihrem Weg begegnet, verbreitet.

Es ist die Unparteilichkeit bekannt, die die Information der Vatikanzeitung während des Ersten Weltkriegs auszeichnete. In der Atmosphäre der damals aufeinanderfolgenden Ereignisse und während der anschließenden zweiten Kriegstragödie des 20. Jahrhunderts wuchsen erneut das Prestige und die Verbreitung des – seit Ende 1929 in den Vatikanstaat verlegten – »Osservatore Romano«, auch dank der Möglichkeit, die die Zeitung hatte, um aus Informationsquellen zu schöpfen, für die in jener Zeit nur die vatikanische Unabhängigkeit bürgen konnte.

Das einflußreiche und angesehene Informationsorgan erhielt gerade in jener Zeit wichtige regelmäßig erscheinende Beilagen (»L’illustrazione vaticana«, »L’Osservatore della Domenica«, »Ecclesia«), während später auch die periodische Veröffentlichung in verschiedenen Sprachen begann, um eine wirklich internationale Verbreitung zu gewährleisten.

Diese weltweite Dimension, die noch konkreter und effektiver sein wird durch die heute mögliche Präsenz im Internet, erweist sich als sehr bedeutsam, um wirklich die Realität der Weltkirche zum Ausdruck zu bringen, sowie die Gemeinschaft aller Ortskirchen und ihre Verwurzelung in unterschiedlichen Situationen, und dies in einem Kontext aufrichtiger Freundschaft gegenüber den Frauen und Männern unserer Zeit.

Durch die Suche und die Schaffung von Möglichkeiten des Austauschs wird der »Osservatore Romano« immer besser dem Heiligen Stuhl dienen können, wenn er die fruchtbare Begegnung von Glaube und Vernunft aufzeigt, dank derer auch eine freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden möglich wird. Sein grundlegender Auftrag bleibt selbstverständlich der, in den Kulturen unserer Zeit jene vertrauensvolle und zugleich zutiefst vernünftige Öffnung gegenüber der Transzendenz zu fördern, auf der letztlich die Respektierung der Würde und der echten Freiheit jedes Menschen gründet.

Während ich auf Sie, auf den Vizedirektor Dr. Carlo Di Cicco, wie auch auf Ihre Mitarbeiter und auf alle, die zur Verwirklichung der Zeitung beitragen, den mütterlichen Schutz der Jungfrau Maria und die Fürsprache des hl. Petrus herabrufe, erteile ich allen als Unterpfand reicher himmlischer Gnaden von Herzen meinen Segen.

Aus dem Vatikan, am 27. Oktober 2007

BENEDICTUS PP. XVI

[© Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]