Papst Benedikt XVI. spricht über Grundlagenvertrag mit Burundi

Ortskirche nutzt gesellschaftlichen Einfluss zur Versöhnungsarbeit

| 1686 klicks

Michaela Koller

ROM, 18. November 2009 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat am Dienstagabend den Präsidenten des zentralafrikanischen Staates Burundi, Pierre Nkurunziza, empfangen. Bei der Begegnung ging es um einen Grundlagenvertrag, der den Status der Kirche in dem vormaligen Krisengebiet festlegt. Dem Presseamt des Heiligen Stuhls zufolge sprachen Papst und Präsident auch über die Bereiche, in denen die Ortskirche sehr präsent ist, wie das Bildungs- und Gesundheitswesen. Mit Unterstützung durch die universale Kirche trägt sie rund 300 Schulen und Kindergärten sowie 200 Wohlfahrtseinrichtungen. Mit ihrer Aidspastoral etwa ist die Kirche eine wichtige Stütze in der Gesellschaft.

Der Staatschef Burundis, das stark von Hunger betroffen ist, hält sich derzeit wegen des Welternährungsggipfels in Rom auf. Vor der Audienz hatte Nkurunziza bereits die Gemeinschaft Sant'Egidio besucht, die sich im Friedensprozess Burundis engagiert hatte. Zwischen 1993 und 2005 wütete ein Bürgerkrieg in dem Land, nach jahrzehntelangen Spannungen zwischen einer herrschenden Minderheit von 14 Prozent Tutsi und einer beherrschten Mehrheit von 85 Prozent Hutu. Rebellen ermordeten 300.000 Menschen, etwa 1,2 Millionen wurden aus ihren Häusern und von ihren Grundstücken vertrieben.

Im Jahr 2005 kam der ehemalige Rebellenführer Nkurunziza nach Wahlen unter UN-Aufsicht ins Präsidentenamt. Anfang 2006 kam es auch mit der letzten Rebellengruppe, der FNL (Nationale Befreiungsfront), zu einem Friedensabkommen. Da deren Anhänger aber noch nicht entwaffnet sind, kommt es gelegentlich noch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Im April vorigen Jahres starteten sie Bombenangriffe in der Hauptstadt Bujumbura und heftige Gefechte in den ländlichen Gebieten außerhalb der Stadt.

Die katholische Kirche zeigte sich während der Zeit des Bürgerkriegs überwiegend als Partei des Friedens, weswegen sie auch Blutzeugen zu beklagen hatte. Die prominentesten Opfer darunter sind der damalige Erzbischof von Gitega, Joachim Ruhuna, der am 9. September 1996 von Hutu-Guerillas erschossen wurde. Er hatte zuvor 4.000 Flüchtlinge auf dem Gelände seines Bischofssitzes aufgenommen. Am 29. Dezember 2003 töteten Rebellen auch den Apostolischen Nuntius Michael Courtney.

Die Ortskirche ist mit 65 bis 70 Prozent Anteil an der mehr als sieben Millionen starken Bevölkerung ein bedeutender gesellschaftlicher Faktor. Angaben des Erzbischofs von Gitega, Simon Ntamwana, zufolge, erreicht die Kirche jeden Sonntag bis zu fünfeinhalb Millionen Menschen. Sie tritt sehr für die Versöhnung in Burundi ein. Kirchenvertreter wie Erzbischof Simon Ntamwana betonen dabei aber das Schuldeingeständnis als Voraussetzung für Vergebung.