Papst Benedikt XVI. über Basilius den Großen (* um 330; † 1. Januar 379)

„Voller Hoffnung und voller Freude über den Glauben zeigt uns Basilius, wie man wahrhaft Christ ist“

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ROM, 4. Juli 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. heute, Mittwoch, während der Generalaudienz gehalten hat.



Der Heilige Vater betrachtete Leben und Werk des heiligen Mönchs, Priesters, Bischofs und Kirchenlehrers Basilius von Cäsarea, der es im vierten Jahrhundert verstanden hatte, das kontemplative Leben auf vollendete Weise mit tätiger Nächstenliebe – „Erkennungsmerkmal des Glaubens“ –, unermüdlicher Lehrtätigkeit und dem Dienst an der Versöhnung unter den Menschen zu verbinden.

Benedikt XVI. charakterisierte Basilius den Großen als einen Mann, “der wirklich mit dem Blick fest auf Christus geheftet lebte, ein Mann der Liebe zum Nächsten“.

Es handelte sich um die letzte Generalaudienz vor den Sommerferien des Papstes in den norditalienischen Dolomiten. Die nächste wird am 1. August stattfinden.

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[Vor der Katechese begrüßte der Heilige Vater Tausende von Pilgern im Petersdom. Auf Deutsch sagte er:]

Gerne heiße ich euch, liebe Freude aus den Ländern deutscher Sprache, hier im Petersdom willkommen. Ich freue mich über eure Teilnahme an dieser Generalaudienz. Diese Romwallfahrt stärke euch auf eurem persönlichen Glaubensweg. Ihr dürft sicher sein, dass ich für euch bete, und ich darf auch euch um euer Gebet für meinen Petrusdienst bitten. Von Herzen segne ich euch alle.

[In der Audienzhalle Pauls VI. hielt Benedikt XVI. anschließend diese Ansprache auf Italienisch:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute wollen wir an einen der großen Kirchenväter erinnern, den heiligen Basilius, der von den liturgischen byzantinischen Texten als „Licht der Kirche“ bezeichnet wird. Er war ein großer Bischof des vierten Jahrhunderts, auf den sowohl die Kirche des Ostens als auch die Kirche des Westens voller Bewunderung blickt: aufgrund der Heiligkeit seines Lebens, der Vortrefflichkeit seiner Lehre und der harmonischen Synthese von spekulativen und praktischen Begabungen. Er wurde um das Jahr 330 in einer Familie von Heiligen geboren, einer „wahren Hauskirche“, die in einer Atmosphäre tiefen Glaubens lebte. Er vollendete seine Studien bei den besten Lehrmeistern Athens und Konstantinopels. Unzufrieden mit seinen weltlichen Erfolgen und im Bewusstsein, viel Zeit in Eitelkeit vergeudet zu haben, bekennt er selbst: „Eines Tages erwachte ich gleichsam aus einem tiefen Schlaf; da wandte ich mich dem wunderbaren Licht der Wahrheit des Evangeliums zu…, und ich weinte ob meines erbärmlichen Lebens“ (vgl. Ep. 223: PG 32,824a). Angezogen von Christus begann er, auf ihn zu sehen und nur auf ihn zu hören (vgl. Moralia 80,1: PG 31,860bc). Mit Entschlossenheit widmete er sich dem monastischen Leben im Gebet, in der Betrachtung der Heiligen Schrift und der Schriften der Kirchenväter sowie in der Übung der Nächstenliebe (vgl. Epp. 2 e 22) und folgte dabei auch dem Vorbild seiner Schwester, der heiligen Makrina, die schon im monastischen Aszetentum lebte. Er wurde dann zum Priester und schließlich im Jahr 370 zum Bischof von Cäserea in Kappadozien, der heutigen Türkei, geweiht.

Durch die Predigt und die Schriften verwirklichte er eine ausgeprägte pastorale, theologische und literarische Tätigkeit. Mit weiser Ausgeglichenheit verstand er es, den Dienst an den Seelen und die Hingabe an das Gebet und die Betrachtung in der Einsamkeit miteinander zu vereinen. Er machte sich seine persönliche Erfahrung zunutze und begünstigte so die Gründung vieler „Bruderschaften“ oder Gemeinschaften von gottgeweihten Christen, die er oft besuchte (vgl. Gregor von Nazianz, Oratio 43,29 in laudem Basilii: PG 36,536b). Mit dem Wort und den Schriften, von denen viele auf uns überkommen sind (vgl. Regulae brevius tractatae, Proemio: PG 31,1080ab), ermahnte er sie, in Vollkommenheit zu leben und in ihr voranzuschreiten. Aus seinen Werken haben verschiedene Gesetzgeber des alten Mönchtums geschöpft, unter ihnen Benedikt, der Basilius als seinen Lehrmeister betrachtete (vgl. Regula 73,5). In Wirklichkeit hat der heilige Basilius ein sehr besonderes Mönchstum geschaffen, das gegenüber der Gemeinschaft der Ortskirche nicht verschlossen, sondern für sie offen war. Seine Mönche waren Teil der Ortskirche; sie waren ihr belebender Kern, der den anderen Gläubigen in der Nachfolge Christi und nicht nur im Glauben voranging und so vor allem in Werken der Nächstenliebe die standhafte Anhängerschaft zu ihm – die Liebe zu ihm – zeigte. Diese Mönche, die Schulen und Spitäler hatten, standen im Dienst der Armen und haben so das christliche Leben in seiner ganzen Fülle geoffenbart. Als der Diener Gottes Johannes Paul II. über das Mönchtum sprach, schrieb er: „Viele sind der Ansicht, dass jene grundlegende Struktur des Lebens der Kirche, die das Mönchstum ist, für alle Zeit vor allem vom heiligen Basilius festgesetzt worden ist; oder wenigstens, dass sie ohne seinen entscheidenden Beitrag nicht in ihrem ureigensten Wesen bestimmt worden wäre“ („His de causis existimant plerique institutum principale istud, quod monastica est vita in totius Ecclesiae compage, stabilitum multa esse in saecula potissimum a sancto Basilio aut saltem non secundum propriam suam naturam definitum esse sine praecipuis illius partibus“; Apostolisches Schreiben Patres Ecclesiae, 2. Januar 1980).

Als Bischof und Hirte seiner großen Diözese sorgte sich Basilius ständig um die schwierige materielle Lage, in der die Gläubigen lebten. Er klagte beharrlich die Übel an. Er setzte sich für die Ärmsten und die an den Rand Gedrängten ein. Er intervenierte auch bei den Regierenden, um die Leiden der Bevölkerung zu lindern, vor allem in Augenblicken des Unglücks. Er wachte über die Freiheit der Kirche und widersetzte sich dabei auch den Mächtigen, um das Recht zu verteidigen und den wahren Glauben zu bekennen (vgl. Gregor von Nazianz, Oratio 43,48-51 in laudem Basilii: PG 36,557c-561c). Für Gott, der Liebe und Nächstenliebe ist, legte Basilius ein wichtiges Zeugnis mit der Errichtung verschiedener Hospizen für die Bedürftigen (vgl. Basilius, Ep. 94: PG 32,488bc) ab, gleichsam eine Stadt der Barmherzigkeit, die von ihm ihren Namen Basileias entlehnt (vgl. Sozomenus, Historia Eccl. 6,34: PG 67,1397a). Sie steht an den Ursprüngen der modernen Krankenhauseinrichtungen zur Behandlung und Pflege von Kranken.

Im Bewusstsein, dass „die Liturgie der Höhepunkt (ist), dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“ (Konstitution Sacrosanctum Concilium, 10), war Basilius trotz seiner Sorge um die Verwirklichung der Nächstenliebe, die das Erkennungsmerkmal des Glaubens ist, auch ein weiser „Reformer der Liturgie“ (vgl. Gregor von Nazianz, Oratio 43,34 in laudem Basilii: PG 36,541c). Er hat uns nämlich ein großes eucharistisches Hochgebet (oder Anapher) hinterlassen, das nach ihm benannt ist, und er hat dem Gebet und dem Psalmengesang eine grundlegende neue Ordnung gegeben: Unter seinem Antrieb lernte das Volk die Psalmen kennen und lieben, und es ging hin, um sie auch in der Nacht zu beten (vgl. Basilius, In Psalmum 1,1-2: PG 29,212a-213c). Und so sehen wir, dass Liturgie, Anbetung und Gebet mit der Nächstenliebe Hand in Hand gehen und sich gegenseitig bedingen.

Eifrig und mutig verstand es Basilius, sich den Irrlehrern zu widersetzen, die leugneten, dass Jesus Christus Gott ist wie der Vater (vgl. Basilius, Ep. 9,3: PG 32,272a; Ep. 52,1-3: PG 32,392b-396a; Adv. Eunomium 1,20: PG 29,556c). Auf ähnliche Weise vertrat er gegenüber denen, die die Göttlichkeit des Heiligen Geistes nicht akzeptierten, den Standpunkt, dass auch der Geist Gott ist und dass er „zusammen mit dem Vater und dem Sohn genannt und verherrlicht werden muss“ (vgl. De Spiritu Sancto: SC 17bis, 348). Deshalb ist Basilius einer der großen Kirchenväter, die die Lehre von der Dreifaltigkeit formuliert haben. Der eine Gott, gerade weil er Liebe ist, ist ein Gott in drei Personen, die die tiefste Einheit bilden, die es gibt: die göttliche Einheit.

In seiner Liebe zu Christus und zu seinem Evangelium setzte sich der große Kappadozier auch dafür ein, die Spaltungen innerhalb der Kirche versöhnend zu überwinden (vgl. Epp. 70 e 243), indem er dafür eintrat, dass sich alle zu Christus und zu seinem Wort bekehrten (vgl. De iudicio 4: PG 31,660b-661a), der einigenden Kraft, der alle Gläubigen gehorchen müssten (vgl. ebd. 1-3: PG 31,653a-656c).

Basilius gab sich schließlich ganz dem treuen Dienst an der Kirche und der vielfältigen Ausübung des Bischofsamtes hin. Entsprechend dem von ihm selbst entworfenen Programm wurde er „Apostel und Diener Christi, Spender der Geheimnisse Gottes, Herold des Reiches, Beispiel und Regel der Frömmigkeit, Auge und Leib der Kirche, Hirte der Schafe Christi, mitleidiger Arzt, Vater und Amme, Mitarbeiter Gottes, Landwirt Gottes, Erbauer des Tempels Gottes“ (vgl. Moralia 80,11-20: PG 31,864b-868b).

Das ist das Programm, das der heilige Bischof den Verkündern des Wortes gestern wie heute überreicht; ein Programm, zu dessen Umsetzung in die Praxis er sich selbst hochherzig in die Pflicht nahm. Im Jahr 379 kehrte Basilius, noch nicht 50 Jahre alt und von den Mühen und der Askese aufgebraucht, „in der Hoffnung auf das ewige Leben, durch Jesus Christus unseren Herrn“ (De Baptismo 1,2,9) heim zu Gott. Er war ein Mann, der wirklich mit dem Blick fest auf Christus geheftet lebte, ein Mann der Liebe zum Nächsten. Voller Hoffnung und voller Freude über den Glauben zeigt uns Basilius, wie man wahrhaft Christ ist.

[Als der Papst diese Katechese für die deutschsprachigen Pilger zusammenfasste, bediente er sich des folgenden Manuskripts:]


Liebe Brüder und Schwestern!

Der heilige Basilius der Große, dessen Leben ich heute kurz vorstellen möchte, zählt zu den herausragenden Bischofsgestalten des vierten Jahrhunderts. In der Kirche des Ostens wie des Westens genießt er wegen der Erhabenheit seiner Lehre und dem glücklichen Zusammenspiel seiner spekulativen und praktischen Fähigkeiten hohes Ansehen. Basilius ist in einer Familie von Heiligen, in einer „wahren Hauskirche“, aufgewachsen. Von den insgesamt zehn Geschwistern sind uns vor allem der heilige Gregor von Nyssa und die heilige Makrina näher bekannt. Nach dem Beispiel seiner Schwester Makrina wählte auch Basilius das asketisch-kontemplative Leben. Er wurde Mönch, später Priester und schließlich Bischof seiner Heimatstadt Cäsarea in Kappadozien.

Basilius entfaltete eine reiche pastorale, theologische und literarische Tätigkeit in Wort und Schrift. Seine Mönchsregeln und asketischen Werke übten großen Einfluss auf andere Vertreter des antiken Mönchstums aus, so auch auf Benedikt von Nursia. Ein Hauptaugenmerk seines Wirkens galt dem Kampf gegen die verschiedenen arianischen Irrlehren, die die wahre Gottheit Jesu Christi oder des Heiligen Geistes leugneten. Dabei bemühte er sich um Vermittlung und Versöhnung zwischen den Parteien innerhalb der Kirche. Ebenso mühte er sich um eine Neuordnung der Liturgie und des Psalmengebetes und um eine liturgische Erneuerung. Ein zentrales Anliegen war ihm auch die soziale Fürsorge gegenüber Bedürftigen, zu deren Anwalt er sich zeitlebens machte. Davon zeugt die Gründung von vorbildhaften Hospizen und Einrichtungen für die Armen.

Herzlich grüße ich alle Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum. Der heilige Basilius zeigt uns, dass die Begegnung mit Gott im Gebet und in der Liturgie wichtig ist für einen tatkräftigen Glauben und für die gelebte Nächstenliebe. Der Heilige Geist helfe uns, allzeit Zeugen der Liebe Gottes zu sein. – Euch allen wünsche ich eine gute Ferienzeit!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]