Papst Benedikt XVI. über die Eucharistie

Der Empfang der Leibes und Blutes Christi macht uns fähig, „das Leben für die Brüder zu geben“

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ROM, 19. März 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag zum Angelus gehalten hat.



Der Heilige Vater sprach über das Nachsynodale Apostolische Schreiben Sacramentum caritatis („Sakrament der Liebe“) und erinnerte die Gläubigen daran, dass die Eucharistie die Quelle der christlichen Freude, der „Freude der Liebe“, ist.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Ich bin soeben aus der Jugendvollzugsanstalt „Casal del Marmo“ in Rom zurückgekehrt, die ich an diesem vierten Fastensonntag besucht habe. Der heutige Sonntag wird aufgrund des ersten Wortes der Einzugs-Antiphon zur Messliturgie auf Latein „Lætare,-Sonntag genannt, das heißt: „Freue dich.“ Heute lädt uns die Liturgie dazu ein, uns zu freuen, denn Ostern, der Tag des Sieges Christi über die Sünde und den Tod, nähert sich. Wo aber ist die Quelle der christlichen Freude, wenn nicht in der Eucharistie, die Christus uns als geistliche Speise hinterlassen hat, während wir Pilger sind auf dieser Erde? Die Eucharistie nährt in den Gläubigen aller Zeiten jene tiefe Freude, die ganz eins ist mit der Liebe und dem Frieden und die in der Gemeinschaft mit Gott und den Brüdern ihren Ursprung hat.

Am letzten Dienstag wurde das Nachsynodale Apostolische Schreiben Sacramentum caritatis vorgestellt, dessen Thema gerade die Eucharistie ist, Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche. Ich habe es erarbeitet, indem ich die Früchte der 11. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode zusammengefasst habe, die im Oktober 2005 im Vatikan stattfand. Ich habe vor, auf diesen wichtigen Text zurückzukommen. Aber schon jetzt möchte ich hervorheben, dass er den Glauben der universalen Kirche an das eucharistische Geheimnis zum Ausdruck bringt und in Kontinuität zum Zweiten Vatikanischen Konzil und dem Lehramt meiner verehrten Vorgänger Paul VI. und Johannes Paul II. steht.

Ich habe in diesem Dokument unter anderem seine Verbindung mit der Enzyklika Deus caritas est hervorheben wollen: Das ist der Grund, weshalb ich als Titel „Sacramentum caritatis“ gewählt und somit eine schöne Definition der Eucharistie von Thomas von Aquin wieder aufgenommen habe (vgl. „Summa Theologica“ III, q. 73, a. 3, ad 3): „Das Sakrament der Liebe“.

Ja, in der Eucharistie wollte uns Christus seine Liebe schenken; eine Liebe, die ihn dazu gedrängt hat, sein Leben am Kreuz für uns hinzugeben. Während des Letzten Abendmahls, als er den Jüngern die Füße wusch, hat uns Jesus das Gebot der Liebe hinterlassen: „Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben“ (Joh 13,34). Da dies aber nur möglich ist, wenn man mit ihm so vereint bleibt wie die Reben mit dem Weinstock (vgl. Joh 15,1-8), hat er sich dafür entschieden, in der Eucharistie selbst unter uns zu bleiben, damit wir in ihm bleiben können. Wenn wir uns somit gläubig mit seinem Leib und Blut stärken, geht seine Liebe in uns über und macht uns unsererseits fähig, das Leben für die Brüder zu geben (vgl. Joh 3,16). Daraus entspringt die christliche Freude, die Freude der Liebe.

Die „eucharistische Frau“ schlechthin ist Maria, Meisterwerk der göttlichen Gnade: Die Liebe Gottes hat sie vor seinem Angesicht in der Liebe untadelig gemacht (vgl. Eph 1,4). Gott stellte ihr zum Schutz des Erlösers den heiligen Josef zur Seite, dessen liturgischen Festtag wir morgen begehen werden. Ich rufe besonders diesen großen Heiligen an, damit das Volk Gottes, indem es an das eucharistische Geheimnis glaubt, es feiert und voller Glauben lebt, von der Liebe Christi durchdrungen wird und deren Früchte der Freude und des Friedens unter der ganzen Menschheit verbreitet.

[Auf Deutsch sagte der Heilige Vater:]

Mit Freude heiße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache willkommen, besonders die Wallfahrer aus dem Bistum Fulda. Am Sonntag Lætare, dem vierten Fastensonntag, lädt uns die Liturgie ein, mit froher Hingabe dem Osterfest entgegenzueilen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass uns Gott, der barmherzige Vater, freudig erwartet, so wie den „verlorenen Sohn“ im heutigen Evangelium, um uns seine Liebe und die Fülle des Lebens in Ihm zu schenken. Der Herr führe uns auf den Weg der Umkehr und des Guten. Gottes Geist geleite euch heute und in der kommenden Woche.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]