Papst Benedikt XVI. über die päpstlichen Insignien Fischerring und Pallium

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ROM, 24. April 2005 (ZENIT.org).- Joseph Kardinal Ratzinger wurde am 19. April zum 264. Nachfolger des Apostels Petrus gewählt. Als Benedikt XVI. trat er am Sonntag, dem 24. April, dieses Hirtenamt offiziell an. Die Insignien – das aus Schafwolle gewobene Pallium und der Fischerring – besitzen eine tiefe Bedeutung und verweisen auf das Wesen des Papstamtes.



Jahrhundertelang kam die Zeremonie zum Antritt des Hirtenamts einer Krönung gleich: Der Gewählte bestieg den Papstthron im Petersdom und bekam dort die Papstkrone, Tiara genannt, aufgesetzt. Die Vorgänger Benedikts XVI. hatten nach und nach auf Papstkrone und -thron verzichtet. Die Tiara erscheint jetzt nur noch im Wappen des Papstes.

Benedikt XVI. trug bei seiner Einführungsfeier am Petersdom in Rom die edelsteinbesetzte Mitra seines Vorgängers Karol Wojtyla. Sie war 1996 für das 50-jährige Priesterjubiläum von Johannes Paul II. gefertigt worden, der sie aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung nie tragen konnte.

Vor Beginn der öffentlichen Feierlichkeit wurde fernab von allen Kameras vor den Augen von Papst Benedikt VI. ein Stück Werg (Fasern von Flachs oder Hanf) verbrannt als Mahnung an die Vergänglichkeit alles Irdischen. "Sancte Pater, sic transit gloria mundi" ("Heiliger Vater, so vergeht der Ruhm der Welt"), wurde währenddessen erklärt.

Im Rahmen der Eucharistiefeier auf dem Petersplatz wurde dem Nachfolger von Johannes Paul II. nach der Lesung des Evangeliums von Kardinal-Protodiakon Jorge Arturo Medina Estévez das Pallium angelegt. Es ist ein schmale Stola aus Schafswolle, der um die Schultern gelegt wird und so an das verirrte Lamm erinnert, das Jesus auf seine Schultern nimmt und rettet. Ein solches Pallium wird jedem Kardinal der katholischen Kirche überreicht. Getragen wird es bei liturgischen Feiern.

In seiner Predigt nahm der am 19. April zum Papst gewählte Joseph Ratzinger auf dieses Symbol Bezug: Das Pallium, "ein Gewebe aus reiner Wolle, das mir um die Schultern gelegt wird", sei ein "uralte Zeichen, das die Bischöfe von Rom seit dem 4. Jahrhundert tragen, mag zunächst einfach ein Bild sein für das Joch Christi, das der Bischof dieser Stadt, der Knecht der Knechte Gottes auf seine Schultern nimmt.

Das Joch Gottes – das ist der Wille Gottes, den wir annehmen. Und dieser Wille ist für uns nicht eine fremde Last, die uns drückt und die uns unfrei macht. Zu wissen, was Gott will, zu wissen, was der Weg des Lebens ist – das war die Freude Israels, die es als eine große Auszeichnung erkannte. Das ist auch unsere Freude: Der Wille Gottes entfremdet uns nicht, er reinigt uns – und das kann weh tun – aber so bringt er uns zu uns selber, und so dienen wir nicht nur ihm, sondern dem Heil der ganzen Welt, der ganzen Geschichte."

Papst Benedikt XVI. sprach dann auch vom verirrten Lamm, um das er sich als oberster Hirte besonders kümmert: "Aber die Symbolik des Palliums ist konkreter: Aus der Wolle von Lämmern gewoben will es das verirrte Lamm oder auch das kranke und schwache Lamm darstellen, das der Hirt auf seine Schultern nimmt und zu den Wassern des Lebens trägt. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf, dem der Hirte in die Wüste nachgeht, war für die Kirchenväter ein Bild für das Geheimnis Christi und der Kirche.

Die Menschheit, wir alle, sind das verlorene Schaf, das in der Wüste keinen Weg mehr findet. Den Sohn Gottes leidet es nicht im Himmel; er kann den Menschen nicht in solcher Not stehen lassen. Er steht selber auf, verlässt des Himmels Herrlichkeit, um das Schaf zu finden und geht ihm nach bis zum Kreuz. Er lädt es auf die Schulter, er trägt unser Menschsein, er trägt uns – er ist der wahre Hirt, der für das Schaf sein eigenes Leben gibt.

Das Pallium sagt uns zuallererst, dass wir alle von Christus getragen werden. Aber er fordert uns zugleich auf, einander zu tragen. So wird das Pallium zum Sinnbild für die Sendung des Hirten, von der die zweite Lesung und das Evangelium sprechen. Den Hirten muss die heilige Unruhe Christi beseelen, dem es nicht gleichgültig ist, dass so viele Menschen in der Wüste leben."

Neben dem Pallium empfängt jeder Stellvertreter Christi auf Erden einen eigenen "anulus piscatoris" (lat., "Fischerring"). Das auf dem Ring dargestellte Bild des heiligen Petrus, der sein Fischernetz auswirft, erinnert an den wunderbaren Fischfang aus dem Evangelium, in dessen Anschluss Jesus Christus den ersten Papst Petrus dazu auffordert, künftig "Menschenfischer" zu sein.

Papst Benedikt XVI. erhielt den Ring aus den Händen des obersten Vertreters der Kardinalbischöfe, Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano. In seiner Predigt ging er auch auf dieses "zweite Zeichen" ein, "mit dem in der Liturgie dieses Tages die Einsetzung in das Petrusamt dargestellt wird". Er sagte: "Die Berufung Petri zum Hirten, die wir im Evangelium gehört haben, folgt auf die Geschichte von einem reichen Fischfang: Nach einer Nacht, in der die Jünger erfolglos die Netze ausgeworfen hatten, sahen sie den auferstanden Herrn am Ufer. Er befiehlt ihnen, noch einmal auf Fang zu gehen, und nun wird das Netz so voll, dass sie es nicht wieder einholen können: 153 große Fische.

Auch heute ist es der Kirche und den Nachfolgern der Apostel aufgetragen, ins hohe Meer der Geschichte hinauszufahren und die Netze auszuwerfen, um Menschen für das Evangelium – für Gott, für Christus, für das wahre Leben – zu gewinnen.

Es gibt nichts Schöneres, als vom Evangelium, von Christus gefunden zu werden. Es gibt nichts Schöneres, als ihn zu kennen und anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken. Die Arbeit des Hirten, des Menschenfischers mag oft mühsam erscheinen. Aber sie ist schön und groß, weil sie letzten Endes Dienst an der Freude Gottes ist, die in der Welt Einzug halten möchte."