Papst Benedikt XVI.: Um Gott zu verkünden, muss man ihn verinnerlichen

„Überbringer eines Evangeliums, das nicht abstrakt ist, sondern in unserem Leben Fleisch angenommen hat“

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ROM, 3. September 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen eine eigene Übersetzung der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, Sonntag, zum Angelus gehalten hat.



Der Heilige Vater ermutigte die Jugendlichen im italienischen Wallfahrtsort Loreto, auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria zu vertrauen und nach ihrem Vorbild das Gespräch mit Gott zu intensivieren und die Gesellschaft zu missionieren.

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Am Ende dieser feierlichen Eucharistiefeier beten wir, liebe Jugendliche, in geistiger Gemeinschaft mit allen, die mit uns über Radio und Fernsehen verbunden sind, das Gebet des „Engel des Herrn“. Loreto ist nach Nazareth der ideale Ort, um das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes im Gebet zu betrachten. Deshalb lade ich jetzt dazu ein, dass wir uns alle zusammen mit Geist und Herz in das Heiligtum des Heiligen Hauses begeben, in jene Mauern, die der Tradition nach aus Nazareth kommen, dem Ort, an dem die Jungfrau ihr Ja zu Gott sagte und in ihrem Schoß das ewige Mensch gewordene Wort empfing.

Bevor wir diese unsere Versammlung beschließen, verlassen wir daher für einen Moment die „Agorá“, den Platz, und betreten im Geiste das Heilige Haus. Es gibt ein wechselseitiges Band, das Platz und Haus verbindet: Der Platz ist groß, er ist offen und er ist der Ort der Begegnung mit den anderen, der Ort des Dialogs und der Auseinandersetzung; das Haus hingegen ist der Ort der Sammlung und der inneren Stille, wo das Wort in Tiefe aufgenommen werden kann. Um Gott auf den Platz zu bringen, muss man ihn zuerst im Haus verinnerlicht haben, wie Maria bei der Verkündigung. Und umgekehrt öffnet sich das Haus hin zum Platz. Darauf verweist auch die Tatsache, dass das Heilige Haus von Loreto drei Wände hat und nicht vier: Es ist ein offenes Haus, ein Haus, das offen ist zur Welt, zum Leben und auch zu dieser „Agorá“ der italienischen Jugendlichen.

Liebe Freunde, es ist ein großes Privileg für Italien, in dieser lieblichen Ecke der [Region] Marken das Heiligtum des Heiligen Hauses zu beherbergen. Seid zu Recht stolz darauf, und zieht Nutzen daraus! Kommt in den wichtigsten Augenblicken eures Lebens hierher, wenigstens mit dem Herzen, um euch innerhalb der Mauern des Heiligen Hauses geistig zu sammeln. Betet zur Jungfrau Maria, damit sie für euch das Licht und die Kraft des Heiligen Geistes erlange, um vorbehaltlos und großherzig auf die Stimme Gottes zu antworten. So werdet ihr auf dem „Platz“, in der Gesellschaft, seine wahren Zeugen sein; Überbringer eines Evangeliums, das nicht abstrakt ist, sondern in unserem Leben Fleisch angenommen hat.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals;© Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]