Papst Benedikt XVI. verabschiedet sich von Jordanien

„Baut auf dem festen Fundament der religiösen Toleranz"

| 1190 klicks

AMMAN, 11. Mai 2009 (ZENIT.org).- „Baut auf dem festen Fundament der religiösen Toleranz.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Papst Benedikt XVI. heute Morgen von den Einwohnern Jordaniens.

Die zweite Etappe seiner einwöchigen Pilgerreise durchs Heilige Land führte den Papst heute nach Israel. Seine zwölfte Auslandsreise steht ganz im Zeichen des Friedens. Ihr Motto ist dem Evangelium entnommen und lautet: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (Mt 5,9).

Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. auf dem Queen-Alia-Flughafen von Amman zum Abschluss seines dreitägigen Aufenthalts in Jordanien gehalten hat.

* * *


Hoheiten!
Exzellenzen!
Liebe Freunde!

Bevor ich mich nun zur nächsten Station meiner Pilgerreise in die Länder der Bibel aufmache, möchte ich Ihnen allen für die herzliche Aufnahme danken, die ich in den vergangenen Tagen in Jordanien erfahren durfte. Ich danke Seiner Majestät König Abdullah II. für die Einladung zu einem Besuch im Haschemitischen Königreich, für seine Gastfreundschaft und für seine freundlichen Worte. Ebenso möchte ich meine Anerkennung für die sehr große Anstrengung zum Ausdruck bringen, die unternommen wurden, um meinen Besuch möglich zu machen und für einen reibungslosen Ablauf der verschiedenen Begegnungen und Feiern zu sorgen. Die staatlichen Autoritäten, denen eine große Zahl von Freiwilligen zur Seite stand, haben lange und hart gearbeitet, um die Menschenströme zu lenken und die verschiedenen Veranstaltungen zu organisieren. Die Medienberichterstattung hat es unzähligen Menschen ermöglicht, die Feierlichkeiten mitzuverfolgen, auch wenn sie nicht persönlich teilnehmen konnten. Ich danke allen, die dies möglich gemacht haben, und grüße besonders auch all jene, die über Radio zuhören oder die Fernsehübertragung sehen, vor allem die Kranken und jene, die ihr Haus nicht verlassen können.

Es war für mich eine besondere Freude, daß ich miterleben konnte, wie eine Reihe von großen Initiativen ihren Anfang nahm, die von der katholischen Glaubensgemeinschaft hier in Jordanien getragen werden. Der neue Gebäudeflügel des „Regina-Pacis“-Zentrums wird weitere Möglichkeiten eröffnen, den Menschen, die mit Schwierigkeiten verschiedenster Art zu kämpfen haben, und ihren Familien Hoffnung zu schenken. Die beiden Kirchen, die in Betanien entstehen, werden ihren jeweiligen Gemeinden ermöglichen, Pilger zu empfangen und das geistliche Wachstum jener zu fördern, die an diesem heiligen Ort beten. Die Universität in Madaba hat einen besonders wichtigen Beitrag für ihr größeres Umfeld zu leisten, indem sie jungen Menschen verschiedener Herkunft Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, dank derer sie die Zukunft der Gesellschaft prägen können. Allen, die an diesen Projekten beteiligt sind, wünsche ich alles Gute und verspreche ihnen mein Gebet.

Ein Höhepunkt dieser Tage war mein Besuch in der Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee, wo ich die Freude hatte, den muslimischen religiösen Führern sowie den Mitgliedern des diplomatischen Korps und den Rektoren der Universitäten zu begegnen. Ich möchte alle Jordanier, seien sie Christen oder Muslime, ermutigen, auf dem festen Fundament der religiösen Toleranz aufzubauen, das es den Mitgliedern verschiedener Gemeinschaften erlaubt, miteinander in Frieden und in gegenseitiger Achtung zu leben. Seine Königliche Majestät ist in bemerkenswerter Weise darum bemüht, den interreligiösen Dialog zu fördern, und ich möchte hier festhalten, wie sehr sein diesbezügliches Engagement geschätzt wird. Dankbar anerkenne ich auch die besondere Aufmerksamkeit, die er den christlichen Gemeinden in Jordanien entgegenbringt. Dieser Geist der Offenheit hilft nicht nur den Mitgliedern verschiedener ethnischer Gemeinschaften in diesem Land, miteinander in Frieden und Eintracht zu leben, sondern hat auch zu den weitblickenden politischen Initiativen Jordaniens zur Förderung des Friedens im ganzen Nahen Osten beigetragen.

Liebe Freunde, wie Sie wissen, bin ich in erster Linie als Pilger und Hirte nach Jordanien gekommen. Daher sind die Besuche an den heiligen Stätten und die Zeiten des Gebets, die wir dort gemeinsam verbracht haben, jene Erfahrungen, die am stärksten in meinem Gedächtnis eingeprägt bleiben werden. Einmal mehr möchte ich die Anerkennung der ganzen Kirche für jene zum Ausdruck bringen, die sich um die Pilgerstätten in diesem Land kümmern. Ich danke auch den vielen Menschen, die zur Vorbereitung der Vesper am Samstag in der Sankt-Georgs-Kathedrale und zur gestrigen Eucharistiefeier im „International Stadium“ beigetragen haben. Es war für mich wirklich eine Freude, diese Feiern in der Osterzeit mit den katholischen Gläubigen verschiedener Traditionen erleben zu dürfen, vereint in der Gemeinschaft der Kirche und im Bekenntnis zu Christus. Ich ermutige sie alle, ihrem Taufversprechen treu zu bleiben und zu bedenken, daß Christus selbst von Johannes in den Wassern des Jordan getauft wurde.

Wenn ich mich nun verabschiede, dann möchte ich Sie wissen lassen, daß ich das Volk des Haschemitischen Königreiches und alle, die in dieser Region leben, in meinem Herzen trage. Ich bete, daß Sie sich jetzt und für kommende Generationen des Friedens und des Wohlstands erfreuen können. Noch einmal vielen Dank. Gott segne Sie alle!

© Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana