Papst Benedikt XVI. verteidigt das Recht der Immigranten

Nach gewaltsamen Ausschreitungen in der italienischen Stadt Rosarno

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ROM, 11. Januar 2010 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. stellte sich am Sonntag in Rom hinter die Immigranten und verteidigte die Opfer von Gewalt und ausbeuterischer Arbeitspolitik.

Die nachdrückliche Stellungnahme des Papstes erfolgte nach den jüngsten blutigen Auseinandersetzungen zwischen Einwohnern und überwiegend afrikanischen Saisonarbeitern im süditalienischen Rosarno. Die Vorfälle in Kalabrien hatten in der vergangenen Woche ganz Italien erschüttert.

Vor tausenden von Pilgern auf dem Petersplatz sprach sich Papst Benedikt XVI. mit großem Nachdruck gegen Gewalt aus. Die schrecklichen Ereignisse hätten „ihn ganz besonders beweg,“ erklärte der Papst, handle es sich doch um Migranten „die ein besseres Leben in Ländern suchen, die aus verschiedenen Gründen schließlich auch ihre Präsenz brauchen“.

„Es ist nötig, zum Kern des Problems vorzustoßen!“ Im Gesicht eines jeden Menschen sei „eine Seele, eine Geschichte, ein Leben, eine Person" zu entdecken, so versicherte der Papst Benedikt XVI., „die Gott liebt, wie er mich liebt", sagte der Papst.

Migranten müssten ungeachtet ihrer andersartigen Kultur und Tradition als Menschen geachtet werden, forderte Papst Benedikt XVI. nach dem Angelusgebet. Gewalt könne niemals ein Weg zur Lösung von Schwierigkeiten sein.

In dem 16 000 Einwohner zählenden Rosarno an Kalabriens Westküste leben durchschnittlich 5000 Immigranten - überwiegend aus Afrika. Ihre Zahl schwankt dabei je nach Erntezeit, denn als mittellose Wanderarbeiter ziehen sie je nach Saison von Arbeit zu Arbeit. Sie wohnen in Baracken oder einstigen Fabriken, ohne Matratzen, Licht und Heizung, oftmals mit nur einer chemischen Toilette für 200 Menschen. Als Illegale akzeptieren die meisten dies jedoch - auch die Hungerlöhne. Ihr Verdienst liegt bei etwa 20 Euro pro Tag, manchmal ist es auch weniger. Und in der Regel behalte die örtliche Mafia noch 5 Euro „Aufenthaltssteuer“ ein, hieß es.

Nach zweitägigen blutigen Zusammenstößen zwischen Immigranten und der Polizei im süditalienischen Kalabrien sind rund 1100 Afrikaner aus der Kleinstadt Rosarno verlegt worden.

Acht Busse brachten die illegal eingewanderten Landarbeiter in neue Notunterkünfte nach Crotona und Bari. Mehrere hundert bestanden allerdings darauf, in Rosarno zu bleiben. Zu den Unruhen war es am Donnerstag gekommen, nachdem zwei junge Afrikaner von Unbekannten beschossen und leicht verletzt worden waren. Die aufgebrachten Einwanderer beschimpften Einheimische und Polizisten als Rassisten und warfen mit Steinen. Nach Behördenangaben gab es bei den Auseinandersetzungen auf beiden Seiten insgesamt 53 Verletzte, darunter 21 Ausländer.

(AR)