Papst Benedikt XVI.: Wahrheit und Liebe gehören zusammen!

Papstbotschaft an das „Meeting für die Freundschaft unter den Völkern“

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ROM, 24. August 2009 (ZENIT.org).- Lieben bedeute, erkennen zu wollen, und diese Sehnsucht nach Erkenntnis und ihre Suche seien ein innerer Impuls der Liebe als solcher. Mit diesen Worten beschreibt Papst Benedikt XVI. in seiner von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone SDB gezeichneten Grußbotschaft an das „Meeting für die Freundschaft unter den Völkern“ die „unauslöschliche Beziehung zwischen Liebe und Wahrheit“.


 
Das diesjährige 30. internationale Treffen der Bewegung Gemeinschaft und Befreiung steht im Zeichen des Mottos „Die Erkenntnis ist stets ein Ereignis“.
 
Die Erkenntnis setze einer antiken Einsicht entsprechend in ihrem Wesen eine gewisse „Angleichung“ zwischen Subjekt und Objekt voraus, schreibt Benedikt XVI. Dabei sei die Einbeziehung des erkannten Objekts seitens des erkennenden Subjekts eine „conditio sine qua non“ für das Erkennen selbst. Aus diesem Grund seien nicht der Abstand und das Fehlen von Einbeziehung das zu verfolgende Ideal, sondern eine angemessene Einbeziehung mit dem Objekt; „eine Einbeziehung, die dazu geeignet ist, denjenigen, der an die Erkenntnis Fragen stellt, zu deren spezifischer Botschaft gelangen zu lassen“.
 
Der Papst bringt in dem Schreiben den Wunsch zum Ausdruck, dass das Meeting weiterhin die Herausforderungen und Fragen der Zeit an den Glauben aufnehme und dabei den Lehren des Gründers der Bewegung, Luigi Giussani, folge. Mit dem Wort „Ereignis“ habe Giussani das Wesen des Christentums erfassen wollen, so Benedikt XVI. Gerade durch die Tatsache, dass sich die Begriffe „Ereignis“ und „Begegnung“ so nahe seien, sei es möglich, die Botschaft des Meetings besser zu verstehen.
 
In seinen Überlegungen erklärt der Papst, dass auch für die Naturwissenschaften die Perspektive des Beobachters ein Faktor sei, „der das Ergebnis des wissenschaftlichen Experiments und damit der wissenschaftlichen Erkenntnis als solcher bedingt und bestimmt“. Eine „reine Objektivität“ sei insofern eine „reine Abstraktion, Ausdruck einer unangemessenen und irrealistischen Erkenntnislehre“. Besonders treffe das auf jene wissenschaftlichen Bereiche zu, die strukturell an die menschliche Freiheit gebunden seien.
 
Die Botschaft des Papstes wurde zu Beginn des Meetings am gestrigen Sonntag verlesen. Benedikt XVI. hält eine wahre Begegnung zwischen Subjekt und Objekt für notwendig, damit überhaupt von Erkenntnis gesprochen werden kann. Eine derartige Erkenntnis gestatte es, in „Subjekt“ und „Objekt“ nicht zwei Größen zu sehen, die isoliert zu betrachten seien, um deren „Reinheit“ zu bewahren. Es handle sich im Gegenteil „um zwei lebendige Wirklichkeiten, die sich gegenseitig beeinflussen, wenn sie miteinander in Kontakt treten“.
 
Die intellektuelle Redlichkeit des Erkennenden, so heißt es in dem Schreiben, bestehe in der höchsten Kunst, „das Objekt so ‚aufzunehmen’, dass es sich selbst als das offenbaren kann, was es wirklich ist, wenn auch nicht auf ganzheitliche und erschöpfende Art“.
 
Die Annahme des Objekts und die Bereitschaft zum Hören, die das Subjekt als wahren Liebhaber der Wahrheit auszeichne, könnten als eine Art „Sympathie“ für das Objekt beschrieben werden, wie dies das mittelalterliche Denken unserer Zeit überliefert habe.