Papst Benedikt XVI.: Was sagt uns Christi Himmelfahrt?

„Der Mensch findet nunmehr für immer Raum in Gott“

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CASSINO, 25. Mai 2009 (ZENIT.org).- In Italien wurde das Hochfest Christi Himmelfahrt am gestrigen Sonntag begangen. Papst Benedikt XVI. nützte diese Gelegenheit, um im Rahmen seines Pastoralbesuchs in Cassino auf den tiefen Sinn dieses Festes hinzuweisen. Er besteht nach seinen Worten darin, dass der Mensch nun durch die Himmelfahrt Christi für immer Raum in Gott finde. Die Kirche sei kein Stellvertreter des abwesenden Christus, sondern sie habe ihren Seinsgrund in der unsichtbaren Gegenwart Jesu, betonte der Heilige Vater.



Der Papst ging bei seinen Überlegungen von der Frage aus, was die Bibel und die Liturgie nun mitteilen wollen, wenn es heißt, dass Jesus „emporgehoben“ wurde. Der Sinn dieses Wortes werde klar, wenn man auf die ganze Heilige Schrift höre.

„Emporheben“ beziehe sich im Alten Testament auf die Annahme der Königswürde: „Die Himmelfahrt Christi bedeutet also an erster Stelle die Einführung des gekreuzigten und auferstandenen Menschensohns in die Hoheit Gottes über die Welt.“ Hinzu komme ein noch tieferer: Die Himmelfahrt Christi werde nicht als eine Reise hinauf in die Höhen beschrieben, sondern vielmehr als ein Wirken der Kraft Gottes, die Jesus in den Raum der göttlichen Nähe einführe. Der Hauptakzent liege somit nicht darauf, dass die Gegenwart Jesu weniger werde. Im zum Himmel aufgefahrenen Christus sei der Mensch in einer unerhörten und neuen Weise in die Intimität Gottes eingetreten: „Der Mensch findet nunmehr für immer Raum in Gott“. Und mit „Himmel“ sei kein Ort über den Sternen gemeint, „sondern etwas viel Kühneres und Erhabeneres“. Der Himmel verweise auf Christus selbst, „die göttliche Person, die voll und für immer das Menschsein in sich aufnimmt; auf ihn, in dem Gott und Mensch für immer untrennbar vereint sind“.

Der Mensch nähere sich dem Himmel in dem Maß, in dem er sich Jesus nähere und in die Gemeinschaft mit ihm eintrete. So erkläre sich auch die Freude der Jünger nach der Himmelfahrt, von der im Lukasevangelium berichtet werde. „Der Grund ihrer Freude besteht in der Tatsache, dass das, was sich ereignet hat, in Wahrheit keine Trennung war. Ja, im Gegenteil: Nunmehr hatten sie die Gewissheit, dass der Gekreuzigte und Auferstandene lebendig war und in ihm der Menschheit für immer die Türen zum ewigen Leben geöffnet worden sind.“

Die Himmelfahrt Christi meine nicht die vorübergehende Abwesenheit Jesu von der Welt, sondern leite „die neue, endgültige und ununterdrückbare Form seiner Gegenwart ein“, die auf seiner Teilhabe an der königlichen Macht Gottes gründe.

Der historische Charakter von Auferstehung und Himmelfahrt helfe den Christen, das transzendente und eschatologische Wesen der Kirche zu erkennen und zu begreifen. Die Kirche lebe nicht, „um ein Ersatz für die Abwesenheit ihres ‚entschwundenen’ Herrn zu sein, sondern sie findet vielmehr den Grund ihres Seins und ihrer Sendung in der unsichtbaren Gegenwart Jesu, der mit der Macht seines Geistes wirkt.“

Die Kirche erfülle somit nicht die Aufgabe, die Wiederkehr eines „abwesenden“ Jesus vorzubereiten. „Sie lebt und wirkt vielmehr, um seine ‚glorreiche Gegenwart’ auf eine geschichtliche und existentielle Weise zu verkünden.“