Papst Benedikt XVI.: Wie Armut überwunden werden kann

Materielle und geistige Nüchternheit sind die Schlüssel zum gesellschaftlichen Fortschritt

| 2912 klicks

ROM, 27. Mai 2009 (ZENIT.org).- Ohne die Sorge für das Gemeinwohl könne eine Gesellschaft nicht funktionieren. Das erklärte Papst Benedikt XVI. heute während der Generalaudienz, die der Gestalt des heiligen Theodoros Studites (* 759 in Konstantinopel; † 11. November 826) gewidmet war. Theodoros war Abt des Klosters Studios in Konstantinopel.

Der Papst betonte, wie wichtig die „Nüchternheit im Leben“ sei, um das Problem der weltweiten Armut zu überwinden, und verwies außerdem auf die Bedeutung des Gehorsams zur Überwindung des Individualismus, der das Ich in den Mittelpunkt der Welt stelle. Darüber hinaus bekräftigte der Heilige Vater den Wert der Arbeit. Sie sei das „Kriterium, um der eigenen Frömmigkeit auf die Spur zu kommen“, und bringe auf diese Weise einen Reichtum hervor, der den Armen zugute kommen solle.
 
Nach Worten Benediks XVI. ist es entscheidend, die Legalität zu erlernen, die in der Unterwerfung unter das Gemeinwohl bestehe. Ohne sie könne keinen Gesellschaft funktionieren. Gleichzeitig diene diese Unterwerfung dazu, das eigene Ich vor dem Hochmut zu bewahren, sich als Mittelpunkt der Welt zu sehen, und somit vor einem „geistlichen Individualismus“.

Papst Benedikt rief dazu auf, sich nicht vom Besitz abhängig machen zu lassen, sondern eine soziale und solidarische Nüchternheit zu leben. Nur diese nüchterne Lebensführung gestatte es, das große Problem der Armut in den Griff zu bekommen und in der Arbeit eine „besonders wichtige geistliche Tugend“ zu sehen. Wer sich nämlich im Beruflichen einsetze, der tue dasselbe auch im Bereich seiner geistlichen Verpflichtungen.

Das Leben des heiligen Theodoros Studites, das Papst Benedikt in seiner Katechese schilderte, habe im byzantinischen Mittelalter stattgefunden, einer „stürmischen Zeit“. Mit 22 Jahren sei Theodor Mönch geworden. Später habe er sich Kaiser Konstantin V. aufgrund dessen Scheidung widersetzt, weshalb er im Jahr 796 verbannt worden sei. Aber schon ein Jahr später, nach der Versöhnung mit Kaiserin Irene, habe man ihn in die Stadt zurückgerufen.

Das Leben des Theodoros sei jedoch auch dann weiterhin sehr bewegt gewesen, denn aufgrund seines Kampfes gegen den Ikonoklasmus sei er verurteilt und eingekerkert worden. Am Ende seines Lebens habe er nach Konstantinopel zurückkommen dürfen, wo er am 11. November 826 starb. Theodoros Studites werde sowohl in der katholischen als auch in der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt, fügte der Papst hinzu.

Anschließend ging Benedikt XVI. besonders auf das Reformwerk ein, das Theodoros für das byzantinische Mönchstum ausgearbeitet hatte und in dem der Gehorsam eine besondere Rolle spiekte.

Das Charakteristikum von Ordensleuten seien die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams, und Theodoros spreche auf „konkrete, fast pittoreske Art“ von der Armut. Diese sei zunächst ein Verzicht auf Privateigentum, „um die Freiheit von den materielle Dingen, die Nüchternheit zu lernen“.

Die Armut sei wesentlich für das Mönchtum; ihr Geist weise aber auch den anderen Menschen den Weg: „Wir dürfen nicht vom Besitz abhängig sein, wir müssen den Verzicht, die Einfachheit, die Strenge, die Nüchternheit lernen. Nur so kann eine solidarische Gesellschaft wachsen und das große Problem der Armut in dieser Welt überwunden werden.“

Die Worte des Theodoros zur Keuschheit zeugten von der Bemühung des Heiligen, zur Selbstbeherrschung zu gelangen; der hauptsächliche Verzicht bestehe jedoch im Gehorsam, den Theodoros als das „Martyrium der Unterwerfung“ bezeichne.

Nach der Ursünde sei der Mensch versucht, aus seinem eigenen Willen das Grundprinzip schlechthin zu machen. Gerade heute gebe es viele Tendenzen, die zum Individualismus und zur geistlichen Hochmut drängten, was dem sozialen Gefüge aber schade.

Der Arbeit messe Theodoros einen großen Wert bei. Sie sei eine besonders wichtige Tugend, da sie ein Gradmesser für die persönliche Frömmigkeit sei. Die Arbeit der Hände sei nach Worten des Heiligen das „Opfer des Mönchs“, „seine Liturgie“. Gerade durch die Arbeit werde das Ordenslebens ein „engelhaftes Leben“ und ein Weg zu Christus.

Abschließend betonte Papst Benedikt XVI., dass das Beispiel des heiligen Theodoros und seiner Mönchsgemeinschaft den Christen auch heute zeige, wie sie gemeinsam als Glieder des einen Leibes Christi ihre Berufung zur Heiligkeit leben könnten.