Papst Benedikt XVI. würdigt Arbeit von „Misereor“

Grußbotschaft zum 50-Jahr-Jubiläum des bischöflichen Hilfswerks

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ROM, 8. Februar 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen den Brief, den Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone SDB im Auftrag des Heiligen Vater anlässlich der Eröffnung der 50. Fastenaktion des bischöflichen Hilfswerkes Misereor verfasst hat.

Die verschiedenen Hilfstätigkeiten von „Misereor“ haben, wie in der Papstbotschaft erklärt wird, vor allem die Würde der Armen im Auge, aber im Letzten auch „die Würde aller Menschen als Gottes geliebte Kinder“. Es gehe schließlich „um die gemeinsame Zukunft der einen Menschheitsfamilie und um die Zukunftschancen der künftigen Generationen, für die wir Christen vor Gott Verantwortung tragen“.

Das bischöfliche Hilfswerk „Misereor“ ist in den Augen des Heiligen Vaters „gewissermaßen zu einer gemeinsamen Erfolgsgeschichte der Kirche in den südlichen Kontinenten und in Deutschland geworden“.

 

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Seit nunmehr 50 Jahren bewegt das Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR besonders in der Fastenzeit viele Menschen in Deutschland, sich im Sinn der Botschaft Jesu Christi weltweit für ein menschenwürdigeres und gerechteres Miteinander einzusetzen. Zu diesem freudigen Anlass darf ich Ihnen, Hochwürdigster Herr Erzbischof Dr. Thissen, in Ihrer Eigenschaft als verantwortlicher Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz sowie dem Hauptgeschäftsführer von MISEREOR, Prälat Prof. Josef Sayer, und allen, die dem Hilfswerk als Mitarbeiter und Förderer verbunden sind, im Namen des Heiligen Vaters herzliche Segensgrüße übermitteln.

„Miserere mei sicut et ego misereor“, „erbarme dich meiner, wie auch ich mich erbarme“ – diesen Gebetsruf gab der Kölner Kardinal Josef Frings dem bischöflichen Hilfswerk MISEREOR in seiner Gründungsrede vor den deutschen Bischöfen 1958 mit auf den Weg. Den tieferen Sinn dieser Worte erfassen wir aus der Sendung Jesu sowie aus seinem Wort „Misereor super turbam“, „mich erbarmt des – hungerleidenden – Volkes“ (Mk 8, 2), nach dem der Name des Werkes bestimmt wurde. Jesus Christus ist das uns zugewandte Antlitz des sich der Menschheit erbarmenden Gottes. Wie Jesus den Frauen, Männern und Kindern seiner Zeit das Wort Gottes verkündet hat und sich der Kranken, Hungernden, Notleidenden und an den Rand der Gesellschaft Gedrängten, ja jedes schwachen und sündigen Menschen erbarmt, so sollen und wollen wir es ihm gleichtun.

Die Gründung des bischöflichen Hilfswerks MISEREOR vor 50 Jahren war ein Ausdruck dafür, dass unsere eigene Bedürftigkeit und die Erfahrung des göttlichen Erbarmens, das uns Christus schenkt und die Kirche uns zuwendet, uns zugleich die Augen für die Not unserer Mitmenschen öffnen und uns herausfordern, die Schätze unseres Glaubens, aber auch unsere materiellen Güter mit ihnen zu teilen. Aus den tastenden Anfängen des Hilfswerks MISEREOR, dem „Abenteuer im Heiligen Geist“ – wie es Kardinal Frings nannte - , ist in den letzten Jahrzehnten eine solide Brücke über die Kluft zwischen Wohlhabenderen und Bedürftigen entstanden, eine partnerschaftliche Bewegung, die ungezählte Menschen in Deutschland, Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika in solidarischem Handeln verbindet. MISEREOR ist so gewissermaßen zu einer gemeinsamen Erfolgsgeschichte der Kirche in den südlichen Kontinenten und in Deutschland geworden: Kranke, Hungernde, Familien, denen die Existenzgrundlage fehlt, Kinder und Jugendliche ohne Schul- und Berufsbildung erhalten in Selbsthilfeprojekten der Ortskirchen, die durch MISEREOR gefördert werden, Hoffnung und Zukunftsperspektiven.

MISEREOR unterstützt mit vielfältigen Projekten die Bemühungen von Bischöfen, Priestern und engagierten Laien um Versöhnungs- und Friedensprozesse, um faire Rahmenbedingungen für die Entwicklungsländer sowie um eine gerechtere Gestaltung der Globalisierungsprozesse, die sich am wahren Wohl der menschlichen Person, der Familie und der Völker orientieren müssen. Es geht dabei besonders um die Würde der Armen, aber letztlich um die Würde aller Menschen als Gottes geliebte Kinder. Es geht um die gemeinsame Zukunft der einen Menschheitsfamilie und um die Zukunftschancen der künftigen Generationen, für die wir Christen vor Gott Verantwortung tragen.

Der Weg, der MISEREOR aufgetragen ist, geht weit über das Einwerben und die Verteilung finanzieller Mittel hinaus. Die Solidaritätsaktion in der Fastenzeit will auch ein pastoraler Beitrag zu einer umfassenden Vorbereitung auf die Feier der Ostergeheimnisse sein, die uns durch die Vermittlung der Kirche des Erbarmen Gottes in der Person des gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus zuwenden. Dieses Erbarmen Gottes möchte MISEREOR durch das Zusammenwirken der Gläubigen in Deutschland mit bedürftigen Christen in anderen Teilen der Welt als überzeugende Botschaft des Evangeliums weitertragen.

Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. ermutigt Sie, lieber Mitbruder im Bischofsamt, die gesamte Deutsche Bischofskonferenz, die Verantwortlichen und die Mitarbeiter von MISEREOR, die Spender und Engagierten in den Gemeinden, die kirchlichen Organisationen und alle Menschen guten Willens, die das Hilfswerk unterstützen, diesen Weg der Hoffnung für die Armen kraftvoll weiterzugehen. Dazu erteilt der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. Ihnen allen von Herzen den Apostolischen Segen.

Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung und besten persönlichen Wünschen

Tarcisio Kardinal BERTONE SDB
Staatssekretär Seiner Heiligkeit

Aus dem Vatikan, am 21. Januar 2008

[Von Misereor veröffentlichtes Original]