Papst Benedikt XVI.: Zeugen sein wie Petrus und Paulus!

Innere Erneuerung zulassen und der christlichen Berufung treu sein

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ROM, 30. Juni 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, am Hochfest Peter und Paul (29. Juni), zum Angelus-Gebet gehalten hat.

Der Heilige Vater verwies auf das Vorbild der beiden Apostelfürsten, erklärte die universale Bedeutung ihres Festtags und ermutigte Gläubige und Pilger aus aller Welt, ebenfalls zu Zeugen des Evangeliums zu werden, „die ihre Kräfte und Fähigkeiten, ja ihr Leben für die Wahrheit und Liebe Gottes hinzugeben bereit sind".

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiern wir die heiligen Apostel Petrus und Paulus, die besonderen Schutzpatrone der Kirche von Rom: Petrus, der Fischer aus Galiläa, der „als Erster den Glauben an Christus bekannt und aus Israels heiligem Rest die erste Kirche gesammelt hat“; Paulus, der ehemalige Verfolger der Christen, der „die Gnade tiefer Einsicht und die Berufung zum Lehrer der Heiden empfing“ (vgl. Präfation zur heutigen Messe). In einer seiner Predigten an die römische Gemeinde sagte der heilige Papst Leo der Große: „Diese sind deine Väter und Hirten, die dich gegründet habe, auf dass du in das himmlische Reich aufgenommen werdest“ (Sermo I in Nat. App Petri et Pauli, c I, PL 54,422). Aus Anlass dieses Fests möchte ich, verbunden mit den herzlichsten Glückwünschen, einen besonderen Gruß an die Diözesangemeinschaft von Rom richten, die die göttliche Vorsehung meiner Sorge als Nachfolger des Apostels Petrus anvertraut hat. Gerne schließe ich in meinen Gruß alle Einwohner unserer Stadt sowie die Pilger und Touristen ein, die Rom in diesen Tagen besuchen, die auch mit dem Abschluss des Paulusjahres zusammenfallen.

Liebe Brüder und Schwestern, der Herr segne und beschütze euch durch die Fürsprache der heiligen Petrus und Paulus! Als euer Hirt ermahne ich euch, der christlichen Berufung treu zu bleiben und euch nicht der Mentalität dieser Welt anzugleichen – wie der Völkerapostel ja gerade an die Christen von Rom schrieb –, sondern euch immer vom Evangelium verwandeln und erneuern zu lassen, um dem nachzufolgen, was wahrhaft gut und Gott wohlgefällig ist (vgl. Röm 12,2). Deshalb bete ich beständig darum, dass Rom seine christliche Berufung nicht nur dadurch lebendig erhalten möge, dass es seinen immensen geistlichen und kulturellen Reichtum unversehrt bewahrt, sondern auch dadurch, dass seine Einwohner die Schönheit des empfangenen Glaubens in konkrete Denk- und Handlungsweisen umsetzen können und so diejenigen, die aus verschiedenen Gründen in diese Stadt kommen, eine Atmosphäre erleben lassen, die reich an Menschlichkeit ist und an jenen Werten, die sich am Evangelium orientieren. Somit lade ich euch, liebe Brüder und Schwestern, Jünger in Christus, mit den Worten des heiligen Petrus ein, „lebendige Steine“ zu sein, die fest um den errichtet stehen, der „der lebendige Stein“ ist, „der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist“ (vgl. 1 Petr 2,4).

Das heutige Hochfest besitzt auch einen universalen Charakter: Es bringt die Einheit und die Katholizität der Kirche zum Ausdruck. Das ist der Grund, weswegen jedes Jahr an diesem Datum die neuen Metropolitanerzbischöfe nach Rom kommen, um das Pallium zu empfangen, Symbol der Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri. Ich erneuere daher meinen Gruß an die Brüder im bischöflichen Dienst, für die ich heute Vormittag in der Basilika diesen Gestus getan habe, und an die Gläubigen, die sie begleitet haben. Ebenso grüße ich mit großer Herzlichkeit die Delegation des Patriarchats von Konstantinopel, die – wie jedes Jahr zum Fest der heiligen Petrus und Paulus – nach Rom gekommen ist. Die gemeinsame Verehrung dieser Märtyrer möge ein Unterpfand der immer volleren und tiefer empfundenen Gemeinschaft unter den Christen überall auf der Welt sein. Dafür bitten wir um die mütterliche Fürsprache Mariens, Mutter der einen Kirche Christi, mit dem gewohnten Gebet des Angelus.

[Nach dem Angelus richtete der Papst die folgenden Worte an die Pilger deutscher Zunge:]


Zum Hochfest der Apostel Petrus und Paulus, der Stadtpatrone Roms, heiße ich mit Freude die deutschsprachigen Pilger und Besucher hier auf dem Petersplatz willkommen. Die „concordia Apostolorum“, die gemeinsame Darstellung und Verehrung von Petrus und Paulus, dieser so verschiedenen Jünger Jesu, ist seit frühester Zeit in Rom bekannt. Sie zeigt uns, dass es bei den Heiligen nicht auf Herkunft und Bildung ankommt, ob sie einfache Fischer oder weltgewandte Bürger sind, sondern dass sie Märtyrer, das heißt Zeugen werden, die ihre Kräfte und Fähigkeiten, ja ihr Leben für die Wahrheit und Liebe Gottes hinzugeben bereit sind. Der Heilige Geist gebe auch euch Kraft und Weisheit, um Gottes Liebe den Menschen zu bezeugen. Der Herr segne euch alle!

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]