Papst Benedikt XVI. zum Hochfest der Erscheinung des Herrn

„Es ist die Kraft des Heiligen Geistes, die Herz und Sinn bewegt“

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ROM, 7. Januar 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. gestern, am Hochfest der Erscheinung des Herrn, zum Angelus gehalten hat.



Der Heilige Vater ermutigte die Gläubigen, für ihre Mitmenschen wie jener Stern zu sein, der den Heiligen Drei Königen den Weg zum Jesuskind gewiesen hat.

Es sei sehr wichtig, „dass wir Christen unserer Berufung treu sind“, betonte Benedikt XVI. Jeder Gläubige müsse „mit dem kleinen Licht, das er in sich trägt, demjenigen Hilfe leisten, der an seiner Seite steht und dem es vielleicht schwer fällt, den Weg zu finden, der zu Christus führt“.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Voller Freude feiern wir heute das Hochfest der Erscheinung des Herrn, das heißt sein Offenbarwerden vor den Völkern der ganzen Welt, die von den Sterndeutern repräsentiert werden, die aus dem Osten kamen, um dem König der Juden zu huldigen. Während sie die Erscheinungen am Himmel beobachteten, hatten diese geheimnisvollen Persönlichkeiten das Aufgehen eines neuen Sterns gesehen; da sie in den alten Prophezeiungen bewandert waren, erkannten sie in ihm das Zeichen für die Geburt des Messias aus dem Geschlecht Davids (vgl. Mt 2,1-12). Das Licht Christi beginnt also vom ersten Moment seines Auftretens an „die Menschen seiner Gnade “ (Lk 2,14) von jeder Sprache, aus jedem Volk und jeder Kultur an sich zu ziehen. Es ist die Kraft des Heiligen Geistes, die Herz und Sinn zur Suche nach Wahrheit, Schönheit, Gerechtigkeit und Frieden bewegt. So sagt der Diener Gottes Johannes Paul II. in der Enzyklika Fides et Ratio, dass „sich der Mensch auf einer nach menschlichem Ermessen endlosen Suche befindet: der Suche nach Wahrheit und der Suche nach einer Person, der er sich anvertrauen kann“ (33): Die Sterndeuter haben beide Wirklichkeiten im Kind von Bethlehem gefunden.

Die Männer und Frauen aller Generationen benötigen in dieser ihrer Pilgerschaft Orientierung: Welchem Stern können sie also folgen? Als der Stern, der den Sterndeutern vorangegangen war, über jenem Ort stehen blieb, „wo das Kind war“ (Mt 2,9), hatte er seine Aufgabe erfüllt; sein geistliches Licht aber ist immer im Wort des Evangeliums gegenwärtig, das auch heute jeden Menschen zu Jesus führen kann. Dieses Wort, das nichts anderes ist als der Widerschein Christi, wahrer Mensch und wahrer Gott, wird von der Kirche auf zuverlässige und maßgebliche Weise an jede wohlgesinnte Seele weitergegeben. Somit erfüllt auch die Kirche für die Menschheit die Aufgabe des Sterns. Dasselbe kann aber auch von jedem Christen gesagt werden, der dazu aufgerufen ist, mit seinem Wort und durch das Zeugnis seines Lebens die Schritte seiner Brüder und Schwestern zu erhellen. Wie wichtig ist es daher, dass wir Christen unserer Berufung treu sind! Jeder wahrhaft Glaubende ist immer auf seinem persönlichen Glaubensweg unterwegs, und gleichzeitig kann und muss er mit dem kleinen Licht, das er in sich trägt, demjenigen Hilfe leisten, der an seiner Seite steht und dem es vielleicht schwer fällt, den Weg zu finden, der zu Christus führt.

Während wir uns anschicken, den Angelus zu beten, richte ich meine herzlichsten Wünsche an die Brüder und Schwestern der Ostkirchen, die dem Julianischen Kalender folgen und so morgen das Heilige Weihnachtsfest feiern werden: Es ist eine große Freude, gemeinsam die Feier der Geheimnisse des Glaubens im vielgestaltigen Reichtum der Riten zu teilen, die die zweitausendjährige Geschichte der Kirche bezeugen. Zusammen mit den Gemeinden des christlichen Ostens, die der Heiligen Gottesmutter in großer Verehrung zugetan sind, bitten wir um den Schutz Mariens für die universale Kirche, auf dass sie in der ganzen Welt das Evangelium Christi verbreite: Lumen gentium, Licht aller Völker.

[Nach dem Angelus gedachte der Heilige Vater des Welttages der Kindermission:]

Heute begehen wir den Welttag der Kindermission. Seit über 160 Jahren ist durch die Initiative des französischen Bischofs Charles de Forbin Janson die Kindheit Jesu zur Ikone für das Engagement der christlichen Kinder geworden, die der Kirche in ihrer Aufgabe der Evangelisierung mit Gebet, Opfer und Gesten der Solidarität helfen. Tausende von Kindern kümmern sich um die Bedürfnisse anderer Kinder; sie werden von jener Liebe dazu getrieben, die der zum kleinen Kind gewordene Sohn Gottes auf die Erde gebracht hat. Ich danke diesen Kleinen und bete darum, dass sie immer Missionare des Evangeliums sein mögen. Ich danke auch ihren Betreuern, die sie auf dem Weg der Hochherzigkeit, der Brüderlichkeit und des freudigen Glaubens begleiten, der Hoffnung hervorbringt.

[Die deutschsprachigen Pilger begrüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Mit Freude grüße ich alle Pilger aus dem deutschen Sprachraum am heutigen Hochfest der Erscheinung des Herrn. Jesus Christus ist das Licht der Völker, das alle Menschen zum Heil ruft. Die Sterndeuter haben das Licht des Herrn erkannt und im Kind von Bethlehem den Erlöser der Welt gefunden. Gott schenkt auch uns heute seine rettende Nähe. Seine Gegenwart erleuchte unser Leben und helfe uns, seine Liebe zu den Menschen zu bringen. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Festtag.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]