Papst Benedikts Rezept für die Neuevangelisierung

"Der Dialog der Kirche mit unserer heutigen Kultur ist für die Kirche selbst, aber auch für die Welt lebensnotwendig"

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CASTEL GANDOLFO, 16. September 2005 (ZENIT.org).- Im Rahmen einer Audienz für die Bischöfe aus dem Nordosten Mexikos sagte Benedikt XVI. am Donnerstag, dass der Dialog der Kirche mit der postmodernen Kultur für die Evangelisierung "lebensnotwendig" ist.



"Weil wir eine missionarische Kirche sind, ergeht an jeden von uns der Ruf, die Anforderungen der postmodernen Kultur hinsichtlich der Neuevangelisierung des Kontinents zu verstehen", erklärte der Heilige Vater anlässlich des "Ad-limina"-Besuchs der Bischöfe aus Monterrey, Morelia und San Luis Potosí (Mexiko). In der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo 30 km südlich von Rom betonte der 264. Nachfolger des Apostels Petrus, dass "der Dialog der Kirche mit unserer heutigen Kultur für die Kirche selbst, aber auch für die Welt lebensnotwendig" sei. Aus diesem Grund bestehe eine der vorrangigen Aufgaben darin, "den Glauben der Katholiken auf verantwortungsvolle Weise zu formen und zu vertiefen, damit sie voller Freude und mit großer Kühnheit inmitten der Welt leben können".

Katechese und gelebtes Vorbild

Die "Grundlage für eine immer tiefere Erfahrung und bessere Kenntnis Jesu Christi" sei die "Katechese, die mit der Lehre der Religion und der Sittlichkeit einhergeht". Damit eine solche Hinführung zur persönlichen Beziehung mit Jesus gelinge, bedürfe es allerdings des "lebendigen Zeugnisses derjenigen, die Christus begegnet sind". Dies sei von ganz entscheidender Bedeutung, hob Papst Benedikt XVI. hervor. Solche Menschen könnten in den anderen die Sehnsucht wecken, dem Herrn "zu folgen und ihm aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele zu dienen".

Leben aus dem Gebet

Die Evangelisierung der Kultur "in unserer heutigen Zeit, in der man ständig in Bewegung ist, oft in den Aktivismus verfällt und leicht Gefahr läuft, die Dinge einfach nur deshalb zu tut, um sie zu tun", könne nur dann funktionieren, wenn man seine Zeit Gott widme und aus diesem Gebet heraus lebe.

"All das schließt die Notwendigkeit mit ein, unser Denken, unsere Haltungen und unser Verhalten zu korrigieren, unseren Horizont zu erweitern und uns voller Begeisterung einzusetzen, um auf die großen Fragen der heutigen Menschheit zu antworten."

Persönliche Betreuung und Stärkung der Gemeinschaft

Mit einer vertieften Glaubensunterweisung und der Evangelisierung der Kultur werde es auch möglich, der Ausbreitung der verschiedenen Sekten entgegenzuwirken, sagte der Papst den mexikanischen Bischöfen. "Die Aktivität der Sekten und der neuen religiösen Gruppierungen in Amerika darf uns nicht egal sein. Vielmehr sollte sie eure Teilkirchen dazu anspornen, die Gläubigen auf persönlichere Weise zu betreuen, die Gemeinschaftsstrukturen zu verstärken und eine gereinigte Volksreligiosität anzubieten, um auf diese Weise den Glauben aller Katholiken lebendiger werden zu lassen."