Papst betont Würde und spezielle Berufung kinderloser Ehen

Mensch dürfe nicht Schöpfer spielen: Absage an künstliche Befruchtung

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Von Luca Marcolivio

VATIKANSTADT, 26. Februar 2012 (ZENIT.org). – Der Kampf gegen die prokreative Unfruchtbarkeit sei ein hehres Ziel, das die Wissenschaft im Interesse von Wahrheit und Menschenwürde verfolgen müsse. Dies betonte in der Audienz am vergangenen Samstag Papst Benedikt XVI. gegenüber den Teilnehmern der 18. Generalversammlung der Päpstlichen Akademie für das Leben, die vom 23. bis 25. Februar zum Thema: Diagnose und Therapie der Unfruchtbarkeit stattgefunden hatte.

Der Papst richtete zunächst seine Gruß- und Dankesworte an den Vorsitzenden der Päpstlichen Akademie für das Leben, Msgr. Ignacio Carrasco de Paula, und unterstrich die Aufgabenstellung des Kongresses, die aus seiner Sicht „das Vertrauen widerspiegelt, das die Kirche immer in die Fähigkeiten der menschlichen Vernunft und in eine genau durchgeführte wissenschaftliche Forschung unter steter Berücksichtigung moralischer Aspekte gesetzt hat.“

Der Heilige Vater erwähnte, dass während des Workshops das Thema der Unfruchtbarkeit bei Paaren mit besonderem Augenmerk auf die „moralische Dimension“ behandelt wurde sowie in Hinblick auf die Mittel „zur korrekten Erhebung einer Diagnose und einer Therapie, um die Ursachen der Unfruchtbarkeit zu bekämpfen“.

Dieser Ansatz, soder Papst, gehe nicht nur vom Wunsch aus, einem Paar ein Kind zu ermöglichen, sondern geschehe auch mit dem Ziel „dem Ehepaar seine Fruchtbarkeit zurück zu geben und seine Würde, nämlich für die eigene Wahl der Fortpflanzung verantwortlich zu sein, wiederherzustellen, um durch die Zeugung eines neuen menschlichen Wesens Gottes Gehilfen zu sein.“

Die Erforschung von Diagnostik und Therapie stellten folglich den „vorbildlichsten“ Ansatz in Bezug auf das Problem der Unfruchtbarkeit dar sowie „die respektvollste Art und Weise gegenüber der gesamten Menschlichkeit der Betroffenen.“

„In der Tat ist die Verbindung von Mann und Frau in der Gemeinschaft der Liebe und des Lebens, sprich der Ehe, der einzig würdige ‚Ort‘, um neues menschliches Leben zu zeugen, das immer ein Geschenk ist“, fuhr Benedikt XVI. fort.

Der Papst ermutigte die Kongressteilnehmer, ihre „intellektuelle Aufrichtigkeit“ in ihrer Forschungsarbeit beizubehalten – Kennzeichen einer Wissenschaft, die stets auf der „Suche nach der Wahrheit“ sei im Dienste des „wahren Wohls des Menschen“ stehe, und die zudem die Gefahr vermeide, sich auf eine „rein funktionale Tätigkeit“ zu beschränken.

Der Mensch sei daher kein „Produkt“ der Fortpflanzung, sondern „Ausdruck der Liebe der Eheleute, und zwar nicht nur in ihrer biologischen, sondern auch in ihrer geistlichen Verbindung.“

Stehe ein Ehepaar dem Problem der Unfruchtbarkeit gegenüber, müsse es von der Wissenschaft „eine Antwort erhalten, die ihre Würde als Menschen und als Ehegatten gänzlich achtet."

Der Heilige Vater erinnerte an seine Rede anlässlich des zehnten Jahrestages der Veröffentlichung der Enzyklika Fides et ratio, und warnte dann vor einem „Szientifizismus“ und einer „Logik des Profits“, die heutzutage die Praxis der menschlichen Fortpflanzung und der Behandlung von Unfruchtbarkeit zu beherrschen scheinen.

Die Kirche ermutige Ehepaare immer, ihre Unfruchtbarkeitsprobleme zu überwinden, doch wenn sich diese bestätigten, sei „ihre eheliche Berufung dennoch nicht eingedämmt“, bekräftigte Benedikt XVI.

Auch wenn die Verbindung kinderlos bleibe, bestehe in der Tat „die Berufung zur Liebe“ unzerstörbar als ein „Geschenk seiner selbst" fort. Wo also die Wissenschaft keine Antwort auf die Probleme der ehelichen Unfruchtbarkeit finden könne, „kommt die Licht spendende Antwort von Christus.“

Dem aktuellen von der Päpstlichen Akademie für das Leben organisierten Kongress gebühre daher das Verdienst, das medizinisch-wissenschaftliche Feld zu erleuchten, wo „die Dimension der Wahrheit getrübt ist.“

Benedikt XVI. forderte die Kongressteilnehmer dazu aufg, sich die Lehren aus „Deus caritas est zu Eigen zu machen, worin der Papst daran erinnert, dass „die Vernunft immer wieder gereinigt werden muss, denn ihre ethische Erblindung durch das Obsiegen des Interesses und der Macht, die die Vernunft blenden, ist eine nie ganz zu bannende Gefahr“(Nr. 28).

Es sei kein Zufall, bekräftigte der Papst, dass die Entwicklung der „modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse“ ihren Ursprung im christlichen Europa des Mittelalters habe, dessen Philosophie den entschiedenen Standpunkt vertrete, dass „Wahrheit und Verständlichkeit der Wirklichkeit im Lichte der höchsten Wahrheit Gottes existieren“.

„Gebt niemals der Versuchung nach, das Wohl der Menschen zu behandeln, indem ihr es auf ein rein technisches Problem reduziert“, so die letzte Ermahnung des Papstes.

„Die Gleichgültigkeit des Gewissens gegenüber dem Wahren und Guten stellt eine gefährliche Bedrohung für den echten wissenschaftlichen Fortschritt dar", schloss Benedikt XVI., auf die Aufforderung des Zweiten Vatikanischen Konzils verweisend: „Glücklich sind die, die im Besitz der Wahrheit weiterhin nach ihr suchen, um sie zu erneuern, zu vertiefen, sie anderen zu schenken.“ (Botschaft an die Menschen des Denkens und der Wissenschaft, 8. Dezember 1965: AAS 58 [1966], 12).

[Übersetzung des italienischen Originals von Sabrina Toto]