Papst ein innovativer Lehrmeister

Madrider Erzbischof erläutert das Programm des Weltjugendtages im August

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WÜRZBURG, Dienstag, 19. April 2011(ZENIT.org/Tagespost). - Als Erzbischof von Santiago de Compostela hatte Kardinal Rouco Varela behinderte Jugendliche in den Weltjugendtag 1989 eingebunden. Auch der Papstbesuch in Madrid soll im August klare Akzente für das Recht auf Leben setzen.

In einem „Tagespost“-Gespräch erläuterte der Kardinal nun das Programm des Weltjugendtags: Es beinhalte alle zentralen Akte, wie man sie bei einem normalen Weltjugendtag in den letzten zehn Jahren erlebt habe.

„Bei der Eröffnungsmesse des Weltjugendtages steht das Gedächtnis an den Weltjugendtagspatron, den seligen Johannes Paul II., im Vordergrund. Wir feiern die Messe vom seligen Johannes Paul II. Dieser Akzent ist unüberbietbar. Durch dieses Gedächtnis wird er anwesend sein“, so der Madrider Erzbischof.

Zwei Veranstaltungen sind neu in der Geschichte der Weltjugendtage, zunächst die Begegnung des Heiligen Vaters mit jungen Schwestern im außerhalb der Hauptstadt gelegenen Kloster San Lorenzo del Escorial am 19. August. Benedikt XVI. wird im Königshof (Patio de los Reyes) zu den Ordensfrauen sprechen und trifft sich anschließend in der der Basilika des Escorial mit jungen Universitätsprofessoren. Bis zum 30. Mai können sich Hochschullehrer, die dem Anforderungsprofil entsprechen, um die Teilnahme an der Begegnung mit dem Heiligen Vater bewerben. Einzelheiten sind im Internet abrufbar unter www.madrid11.com/de/programm/601- encuentro-profesores.

„Kopfzerbrechen bereitet uns die Frage, was ein junger Hochschullehrer ist“, berichtet Kardinal Rouco Varela schmunzelnd. „Wir haben uns für eine Altersgrenze von bis zu 40 Jahren entschieden. Eingeladen werden Ordinarien, Assistenten und der akademische Mittelbau“. Dass der Papst in den Escorial gehe, „ist ein historisches Ereignis“, unterstreicht der Kardinal, der in München Kirchenrecht studiert hat. Der Escorial symbolisiere in der Geschichte des Katholizismus und des Spaniens des 16. Jahrhunderts „die katholische Erneuerung und steht auch für die Evangelisierung Amerikas. Das ist für mich eine sehr eindrucksvolle Geschichte und ich glaube, für den Papst auch. Er hat diesen Plan sehr gut aufgenommen und sich zu eigen gemacht.“

Am Abend des 19. August wird der Heilige Vater mit den Jugendlichen in der Madrider Innenstadt den Kreuzweg beten. „Der Kreuzweg wird auf typisch spanische Art und Weise gestaltet“, so Kardinal Rouco Varela: „Vierzehn große Skulpturen der spanischen Karwoche stellen die Stationen des Kreuzweges dar. Die meisten Plastiken stammen von berühmten Bildhauern der Renaissance, des spanischen Barock und des neunzehnten Jahrhunderts. Eine fünfzehnte Station nehmen wir noch hinzu: Nuestra Senora de la Soledad (Unsere Liebe Frau von der Einsamkeit, A.d.Ü.). von Sevilla. Die Sevillaner wollten auch bei der Darstellung des Kreuzweges vertreten sein. Und das passt gut zur Gesamtkonzeption des Kreuzweges.“ Der Heilige Vater werde den ganzen Kreuzweg mitmachen. Die Jugendlichen, so der Erzbischof, „bleiben beim Kreuzweg am Platz, während die Figuren zwischen Cibeles-Platz und Kolumbusplatz an der Menge vorbeiziehen. Begleitet werden die Kreuzwegstationen von Gruppen aus Diözesen der ganzen Welt, in denen Verfolgung und Armut herrschen.“

Die fünfzehn Stationen der spanischen Karwoche werden in der Nacht zum Donnerstag in traditionellen Prozessionen mit Musikkapellen und den jungen Mitgliedern der Bruderschaften an Ort und Stelle gebracht. „Für junge Leute, die nicht aus Spanien stammen, ist das etwas ganz Neues“ hebt Kardinal Rouco Varela hervor. Dem Heiligen Vater habe dieses Konzept sehr gut gefallen.

„Wir haben eine Schwesterngemeinschaft mit der Abfassung der Texte betraut, die sich intensiv mit dem Kreuz beschäftigt – die Hermanas de la Cruz (Schwestern vom Kreuz), einer junge Kongregation mit vielen Berufungen. Sie haben einen wunderbaren Text geschrieben und ihre Erfahrungen ausgedrückt“,  freut sich der Erzbischof.

Am 19. August feiert der Papst vormittags mit Seminaristen aus der ganzen Welt eine große Messe in der Almudena-Kathedrale. „Wir gehen davon aus, dass nicht alle Platz haben werden im Dom. Deshalb wird der Platz vor dem Dom so hergerichtet, dass alle, die innen keinen Platz finden, die Messfeier draußen vor den Bildschirmen verfolgen können“, erklärt Kardinal Rouco Varela.

Abends wird die Vigil auf dem Gelände des Militärflughafens Cuatro Vientos stattfinden.

Vorher besucht der Heilige Vater die Stiftung „Instituto San José“ und begegnet dort behinderten Jugendlichen aus aller Welt. Als eigenen Programmpunkt gab es eine Begegnung des Papstes mit behinderten Jugendlichen im Rahmen eines Weltjugendtags zuletzt 1989 in Santiago de Compostela. Damals traf sich Johannes Paul II. mit ihnen in einer Kirche.

Benedikts Besuch in der Stiftung „Instituto San José“, in der Brüder aus dem Orden des heiligen Johannes von Gott wirken, wird auf das nahegelegene Gelände von Cuatro Vientos übertragen. Der Erzbischof wörtlich: „Die dort versammelten Jugendlichen können das Treffen auf den Bildschirmen verfolgen. Man kann also sagen: Die Anbetungsvigil beginnt mit dieser Begegnung des Papstes mit den Behinderten.“

Sowohl das Erzbistum Madrid als auch das Weltjugendtagsbüro legen Kardinal Rouco zufolge „großen Wert auf die Beteiligung behinderter Jugendlicher an allen großen Veranstaltungen. Sowohl auf dem Cibeles-Platz wie auch auf dem Fluggelände Cuatro Vientos haben sie besondere Plätze in der Nähe des Heiligen Vaters. Wir bemühen uns darum, dass sie auch angemessen untergebracht werden. Geplant ist eine ,Behindertenstadt‘, ein Vorort von Madrid in der Nähe der Universität CEU“.

Die Jugendlichen verbringen die Stunden nach der Vigil auf dem Geländes des Militärflughafens. Dort besteht die gesamte Nacht hindurch in Zelten Gelegenheit zur eucharistischen Anbetung.

Am Sonntagmorgen feiert der Heilige Vater die Abschlussmesse des Weltjugendtags. Am späten Nachmittag steht eine Begegnung mit den freiwilligen Helfern auf dem Messegelände IFEMA auf dem Programm. Der Rückflug des Papstes nach Rom ist für den Abend vorgesehen.

Aktuelle Informationen zum XXVI.Weltjugendtag sind auf der deutschsprachigen Homepage des Weltjugendtagsbüros abrufbar:

www.madrid11.com/de

[© Die Tagespost vom 19.04.2011]