Papst: Einheit der Christen ist ein Geschenk, das erbittet werden muss

Heute beginnt die Gebetswoche für die Einheit der Christen

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VATIKANSTADT, 18. Januar 2012 (ZENIT.org). - „Wir werden alle verwandelt werden durch den Sieg Jesu Christi, unseres Herrn“ (1 Kor 15, 51-58) sei das Leitwort der diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen. Daran erinnerte Papst Benedikt XVI. in seiner heutigen Katechese während der Generalaudienz. Der Nachdruck liege auf der Umwandlung. Glaube verwandle, und Umwandlung allein könne Einheit wirken. Zudem sei die erstrebte Einheit nicht etwas, das man selber erwirken könne.

„Die Gebetswoche will uns zu Bewusstsein bringen, dass die Einheit, nach der wir streben, nicht von uns selber erwirkt werden kann, dass sie ein Geschenk ist, das wir empfangen, und um das wir immer wieder bitten müssen.“

Der Sieg Christi sei nicht durch Gewalt oder Macht errungen worden, sondern durch sein demütiges Dienen, seine Hingabe, sein Leiden und Auferstehen: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte sein und der Diener von allen (Mk 9,35)“.

Der Ostermorgen sei der Sieg der Liebe über den Tod. Wenn man sich in dieser Richtung umwandeln ließe, erhalte man Anteil an diesem Sieg. Nur in dieser Umwandlung sei Einheit möglich. Einheit bedeute nicht Nettigkeit oder einfach Zusammenarbeit, sondern sei geprägt von der Umwandlung durch immerwährende Bekehrung.

„Einheit erfordert Umwandlung, das heißt, von uns her gesehen Umkehr, Bekehrung, eine immerwährende Bekehrung, sowohl persönlich wie auch gemeinschaftlich…Glauben an Jesus Christus, der einer von uns geworden ist, bedeutet, dass wir ihm ähnlich werden können und dann eins werden. In das neue Leben in Christus eintreten, das ist der Sieg Christi, das ist unsere Verwandlung und das schafft Einheit“, so der Papst.

Die deutschsprachigen Pilger rief er dazu auf, darum zu beten, „dass das gemeinsame Zeugnis, die Solidarität und die Zusammenarbeit wachse und wir dann wirklich dem Tag entgegengehen dürfen, an dem wir miteinander den von den Aposteln überlieferten Glauben bekennen können.“

Am 25. Januar wird Papst Benedikt die Gebetswoche in der Basilika St. Paul vor den Mauern mit der Zelebration der zweiten Vesper zum Fest der Bekehrung des Paulus beschließen. Zu dieser Vesper hat der Heilige Stuhl, neben den Klerikern und Gläubigen der Diözese Rom, die Repräsentanten aller in Rom vertretenen christlichen Gemeinschaften eingeladen. [jb]

[Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung der Katechese:]


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Liebe Brüder und Schwestern!
Heute beginnt die Gebetswoche für die Einheit der Christen, in der jedes Jahr Christen aller Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften um die Gabe bitten, für die der Herr während des Letzten Abendmahls gebetet hat, wo er sagte: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,21). Die Gebetswoche will uns zu Bewusstsein bringen, dass die Einheit, nach der wir streben, nicht von uns selber erwirkt werden kann, dass sie ein Geschenk ist, das wir empfangen und um das wir immer wieder bitten müssen. In diesem Jahr lautet das Leitwort der Gebetswoche: „Wir werden alle verwandelt werden durch den Sieg Jesu Christi, unseres Herrn“ (vgl. 1 Kor 15,51–58), und der Nachdruck liegt auf „Verwandlung“: Glaube verwandelt und Verwandlung allein kann Einheit wirken. Christus zeigt seinen Weg des Sieges, der anders ist als der Sieg der Welt. Er ist nicht durch Macht und Gewalt errungen. Es ist ein Sieg, der unter dem Zeichen steht: Wer der Erste sein will, soll der Letzte sein und der Diener von allen (vgl. Mk 9,35). Für uns ist Christus selbst mit seinem demütigen Dienen, seiner Hingabe und seinem Leiden und Auferstehen der wirkliche Ausdruck des Sieges. Am Ostermorgen leuchtet der Sieg der Liebe über den Tod auf. Und wir erhalten daran Anteil, wenn wir uns von ihm in dieser Richtung umwandeln lassen. Einheit erfordert demnach Umwandlung, das heißt von uns her gesehen Umkehr, Bekehrung - eine immerwährende Bekehrung, sowohl persönlich wie gemeinschaftlich. Sie ist nicht einfach Nettigkeit und Zusammenarbeit, sondern benötigt den tiefen Glauben an Gott, der uns aus uns selbst herausreißt und ihm ähnlich macht. Sie bedeutet Glauben an Jesus Christus, der einer von uns geworden ist, damit wir ihm ähnlich werden können und dann eins werden. In das neue Leben in Christus eintreten, das ist der Sieg Christi, das ist unsere Verwandlung, und das schafft Einheit.


[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Von Herzen grüße ich alle deutschsprachigen Pilger, heute besonders eine Delegation von österreichischen Pfarrgemeinderatsmitgliedern in Begleitung von Bischof Alois Schwarz sowie eine Delegation der Mainzer Ranzengarde. Herzlich Willkommen! Beten wir in dieser Woche um die Einheit aller Christen, damit das gemeinsame Zeugnis, die Solidarität und die Zusammenarbeit wachse und wir dann wirklich dem Tag entgegengehen dürfen, an dem wir miteinander den von den Aposteln überlieferten Glauben bekennen und die Sakramente der Umgestaltung in Christus feiern dürfen. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.