Papst erinnert an Wiederkunft Christi und das Weltgericht

Talente für Christus wirksam werden lassen

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 738 klicks

„Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten“: Diesem Artikel des Glaubenbekenntnisses widmete Papst Franziskus seine Katechese während der heutigen Generalaudienz bei strahlend blauem Himmel auf dem Petersplatz mit über 100.000 Gläubigen. Heute waren neben den üblichen Pilgern aus allen Ländern der Erde besonders viele diözesane Pilgergruppen aus Italien zu ihrer Romwallfahrt angereist.

Die Wiederkunft Christi und das Gericht seien zwei Elemente, die in der heutigen Zeit oft aus dem Blickpunkt gerückt seien, erklärte der Papst:

„Diese beiden Pole der Geschichte werden leicht vergessen, und vor allem der Glaube in die Wiederkunft Christi und das Gericht, er ist oft nicht klar und wird in den Herzen der Gläubigen übergangen. Jesus selber hat während seines öffentlichen Auftretens immer wieder von der Wirklichkeit seines Wiederkommens gesprochen.“

Mit dem Weltgericht werde vor Augen geführt, dass Christus am Ende der Zeiten die Guten von den Bösen trennen werde. Das ewige Leben erlangten diejenigen, die den Mitmenschen und dadurch Christus Liebe erwiesen haben, indem sie der Gottesliebe in sich Raum gegeben hätten. Man müsse sich der Liebe Gottes öffnen, mit der er uns entgegenkomme. „Öffnen wir uns dieser Liebe“, so der Papst. Die Wirklichkeit des Gerichts solle keine Angst einflößen, sondern Ansporn sein, sich dieser Liebe zu öffnen und sie weiterzugeben, besonders an die Schwachen, an die Armen und Bedrängten.

Wenn man dies täte, werde der Herr einen am Ende des Lebens als guten und treuen Diener erkennen.

Das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen erinnere daran, wachsam zu bleiben. Zu den törichten sage der Herr, dass er sie „nicht kenne“. Das aufmerksame Warten sei eine Zeit der Gnade. Es beinhalte die Verpflichtung, mit brennenden Lampen, das heißt, mit dem Feuer der Liebe für ihn bereit zu sein.

„Wir kennen weder den Tag noch die Stunde der Wiederkunft Christi. Was Gott von uns erwartet, ist, bereit zu sein für die Begegnung mit Jesus. Das bedeutet, die Zeichen seiner Anwesenheit zu erkennen, den Glauben im Gebet und in den Sakramenten lebendig zu halten, um nicht einzuschlafen und Gott zu vergessen. Das Leben der eingeschlafenen Christen ist traurig, es ist kein glückliches Leben. Das Leben der Christen muss froh sein.“

Das zweite Gleichnis, das der Papst erläuterte, was das von den Talenten, die jeder Mensch erhalten habe, und die es zu entwickeln und zu pflegen gelte. Diese seien nicht für einen selbst bestimmt, sondern für alle und für Gott. Wer seine Gaben in sich selbst einschließe, sei kein Christ, erklärte der Papst.

Am Ende der Zeiten werde Christus Rechenschaft dafür verlangen, ob man versucht habe, die Gaben Gottes für ihn und seine Kirche und für die Mitmenschen fruchtbar werden zu lassen.

Die Erwartung der Wiederkunft des Herrn sei die Zeit des Handelns: „Wir sind in der Zeit des Handelns, in der Zeit, in der es gilt, die Gaben Gottes fruchten zu lassen, nicht für uns selbst, sondern für ihn, für die Kirche, für die anderen, in der Zeit, in der man immer versuchen muss, das Wohl der Welt wachsen zu lassen. Und besonders in dieser Zeit der heutigen Krise ist es wichtig, sich nicht in sich selbst zu verschließen und die eigenen Talente, den geistlichen, intellektuellen, materiellen Reichtum zu vergraben, sondern sich zu öffnen, solidarisch zu sein, aufmerksam gegenüber dem anderen.“

Besonders die anwesenden zahllosen Jugendlichen rief der Papst dazu auf, Christus zu bezeugen und keine Angst zu haben, auch große Dingen zu träumen. „Die Kirche braucht euch", versicherte Franziskus.

[Wir dokumentieren die Zusammenfassung der Katechese in der offiziellen deutschen Übersetzung:]

Liebe Brüder und Schwestern, in der heutigen Katechese möchte ich mit euch einen weiteren Artikel des Glaubensbekenntnisses besprechen: Jesus Christus „wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten." Es gibt eine gewisse Gefahr, besonders das Jüngste Gericht in unserem Glaubensleben außer Acht zu lassen. Und doch hat Jesus mehrfach in seinen Gleichnissen über diese Wirklichkeit gesprochen. Wir leben in einer Zeit des Wartens auf den wiederkommenden Herrn mit der Verpflichtung, mit brennenden Lampen, d.h. mit dem Feuer der Liebe für ihn bereit zu sein. Am Ende der Zeiten wird er von uns Rechenschaft verlangen, ob wir versucht haben, die Gaben Gottes fruchtbar werden zu lassen für uns, für ihn, für die Kirche, für die Mitmenschen. Im Gleichnis vom Weltgericht, das wir eben gehört haben, wird uns vor Augen geführt, wie Christus als Hirte am Ende der Zeiten die Guten von den Bösen trennt. Das ewige Leben erhalten jene, die den Mitmenschen – und in ihnen geheimnisvoll Christus – Liebe erwiesen haben, indem sie Gottes Liebe in sich Raum gaben. Aus uns selbst können wir nichts tun. Gott kommt uns mit seiner Gnade und Liebe immer zuvor. Öffnen wir uns dieser Liebe. Die Wirklichkeit des Jüngsten Gerichts soll uns nie verzagt oder ängstlich machen, sondern vielmehr anspornen, besser zu leben und zu Zeugen der Liebe Gottes zu werden, besonders für die Armen und Schwachen.]

[Für die Pilger aus dem deutschen Sprachraum wurde folgender Gruß verlesen:]

Einen herzlichen Gruß richte ich an alle Pilger deutscher Sprache, insbesondere an die Knabenkantorei Basel. Christus hat uns allen, ja wirklich jedem einzelnen, wertvolle Talente geschenkt und zählt darauf, dass wir mit ihnen arbeiten. Vor allem euch Jugendliche, die ihr so zahlreich anwesend seid, möchte ich ermutigen, eure Talente nicht zu vergraben, sondern zu überlegen, wie ihr am Aufbau des Reiches Christi mitwirken könnt. Die Kirche braucht euch. Gott segne euch alle.