Papst erwartet sich neue Initiativen für die ärmsten Länder

Kardinal Sodano gibt Interview zum G8-Gipfel

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Rom, 19. Juli 2001 (ZENIT.org).-Kurz vor dem Beginn des G8-Gipfels in Genua gab Kardinalstaatssekretär Sodano ein Interview für den katholischen Fernsehsender "Telepace" hinsichtlich des Globalisierungsprozesses.



Auf die Frage, was sich der Heilige Vater vom G8-Gipfel erwarte, sagte Sodano: "Die Erwartungen des Heiligen Vaters sind sehr konkret, und zwar dass neue Initiativen ins Leben gerufen werden für die armen Länder, insbesondere in den Bereichen Armut, Gesundheit und Umwelt. Man darf nicht dem Irrtum erliegen, dass ein kurzes Treffen der Staatschefs die Welt verändern würde. Der G8 ist keine Palingenese. In der Geschichte der Völker gibt es das Gesetz der Gradualität, das Wesentliche ist, ein angemessenes Leben zu suchen und auf diesem Grundstock aufzubauen".

Hinsichtlich des Schuldenerlasses sagte der Kardinal: "Der Schuldenerlass ist sicherlich eine Art, den armen Ländern entgegenzukommen und es gab diesbezüglich auch schon Initiativen. Italien hat zum Beispiel Zambia und Guinea die Schulden erlassen, wobei die italienische Bischofskonferenz mit der Regierung zusammenarbeitete. Ein Fonds wurde eingerichtet für Entwicklungsprogramme in afrikanischen Ländern. Schulden werden zwar erlassen, aber die Länder werden verpflichtet, Geld für Schulen und Krankenhäuser zu investieren, was auch zum Wohl des Landes gereicht, welches die Schulden erlässt, da es sich an die Solidarität gewöhnt, während die Schuldnerländer lernen, sich gegenseitig zu helfen".

Hinsichtlich der Globalisierung sagte er: "in sich ist sie, wie der Fortschritt des Menschen weder gut noch schlecht, es kommt darauf an, wie man sie nutzt, und das ist heute die große Herausforderung der Freiheit, denn die Freiheit ist eine Gabe Gottes, die der Mensch im guten und im schlechten Sinne benutzen kann".

"Die Christen erschrecken nicht vor der Globalisierung, denn darin entdecken sie auch die ursprüngliche Berufung des Menschen zur einzigen Menschenfamilie gemäß dem Heilsplan des Schöpfers. Das Christentum selbst ist eine globalisierende Religion. Auf dieser als Weltendorf bezeichneten Erde versucht der Christ den Sauerteig des Evangeliums Christi einzubringen. Von innen heraus versucht die Kirche, den geistigen Ton der Menschheit zu erheben mit den ihr eigenen Mitteln. Mit dieser Haltung schaut der Christ nach Genua und betet für die Staatschefs, dass Gott sie erleuchte. Das lehrt der heilige Paulus auch im Brief an Timotheus "Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben. (1 Tim 2). Der Christ will auch mit allen zum Wohle der Menschheit zusammenarbeiten. In Genua sind frei von den Nationen erwählte Politiker zugegen, Persönlichkeiten, die Länder mit großer Kultur repräsentieren, und ich hoffe, kein Wehrmutstropfen wird das Treffen beeinträchtigen. Begegnung, gegenseitiges Kennenlernen und Dialog gehören zu unserer Zivilisation".

Zum Schluss sagte er: "Auf dem Berg, der Genua beherrscht befindet sich das große Marienheiligtum Unserer lieben Frau vom Schutz. Als Kind war ich öfters dort und stellte mich selbst unter ihren Schutzmantel. Eine kleine Schutzmantelmadonnakapelle gibt es auch in den Vatikanischen Gärten, die sozusagen über den Nachfolger Petri wacht und die ein Genueserpapst, nämlich Benedikt XV. errichten ließ. Als Gläubige vertrauen wir ihr den Gipfel an, auf dass sie die Mutter des Guten Rates sei".

Am Donnerstag gab Kardinalstaatssekretär Sodano dann noch ein kurzes Interview im staatlichen Fernsehen RAI, in dem er drei konkrete Erwartungen ausssprach: Einen Fonds für Krankheiten, die die dritte Welt plagen, allen voran AIDS.

Zweitens mahnte er an, dass die entwickelten Staaten tatsächlich 0,7 Prozent ihres Sozialprodukts der Entwicklungshilfe widmen sollten, wie sie sich wiederholt verpflichtet hätten. Schließlich forderte er wiederum Fortschritte bei der Entschuldung.

In Genua hat am Donnerstag unter großer Beteiligung die erste Veranstaltung des Anti-G8-Treffens staatgefunden, ein Solidaritätsmarsch mit Flüchtlingen auf der ganzen Welt, der friedlich, fröhlich und ohne Zwischenfälle verlief.