Papst fordert Frieden als oberstes Ziel eines jeden

Erste offizielle Ansprache des Heiligen Vaters in Korea

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 301 klicks

Um 15.45 Uhr Ortszeit (8.45 Uhr MESZ) wurde Papst Franziskus in den Gärten des „Blue House“, dem Präsidentenpalast von Seoul, von der Präsidentin des Landes, Park Geun-hye, in Südkorea offiziell willkommen geheißen. Nach den militärischen Ehren und den Hymnen der jeweiligen Länder begleitete die Präsidentin ihn in den Ehrensalon des Palastes, wo er mit der Präsidentin, zwei koreanischen Ministern, Kardinalsstaatssekretär Pietro Parolin und dem Päpstlichen Nuntius, Msgr. Osvaldo Padilla, ein privates Gespräch führte. Am Ende der Begegnung tauschte man Gastgeschenke aus.

Im Anschluss an das Treffen begegnete Papst Franziskus Vertretern der Regierung und des öffentlichen Lebens und einigen Mitgliedern des Diplomatischen Corps. Nach der Ansprache der Präsidentin wandte sich Papst Franziskus an die Anwesenden und dankte ihnen für ihre Gastfreundschaft, durch die er sich „sofort zu Hause“ gefühlt habe.

In seiner Ansprache ging der Papst zunächst auf die Schönheit Südkoreas ein, das „Land der Morgenstille“. Er verglich diese Morgenstille mit der „unverminderten Hoffnung auf Gerechtigkeit, Frieden und Einheit“, die über aller Gewalt, Verfolgung und Krieg, die das Land heimgesucht haben, stehe. Strebe man diese drei Dinge an, die dem koreanischen Volk und der Welt dienen würden, könne man den Mut nicht verlieren, so der Papst.

Er fuhr fort, der Anlass seines Besuches, der Sechste Asiatische Jugendtag, und die Seligsprechung von 124 koreanischen Märtyrern würden einander ergänzen. Das koreanische Volk ehre die Ahnen und gebe ihnen einen Platz in der Gesellschaft, ebenso wie die Katholiken dies mit den Menschen machen, die für den Glauben das Martyrium erlitten und ihr Leben für die Wahrheit hingegeben haben. Er sagte: „Sie lehren uns, wie man ganz für Gott und für das gegenseitige Wohl leben kann.“ Ein weises Volk schätze aber auch die Jugend, so der Papst weiter. Der Anlass des Jugendtages sei eine „wertvolle Gelegenheit“, auf die Hoffnungen und Sorgen der Jugend zu hören. Auch seien alle dazu aufgefordert darüber nachzudenken, wie gut Werte vermittelt werden und welche Art von Welt man für die nachfolgenden Generationen vorbereite. Man müsse der Jugend das Geschenk des Friedens machen.

Der Aufruf nach Frieden war der Kernpunkt der Ansprache des Papstes. Nachdem er den Anwesenden seine Anerkennung über die unternommenen Bemühungen um Versöhnung und Stabilität bekundet hatte, sagte er: „Koreas Streben nach Frieden ist uns ein Herzensanliegen, denn es wirkt sich auf die Stabilität der gesamten Region und in der Tat auf unsere ganze kriegsmüde Welt aus.“ Er betonte, dass das Streben nach Frieden das oberste Ziel eines jeden sein müsse. Es sei eine Herausforderung, mit der Kultur der Versöhnung und der Solidarität gegen Misstrauen und Hass anzugehen. Papst Franziskus sagte: „Denn die Diplomatie als die Kunst des Möglichen beruht auf der festen und beharrlichen Überzeugung, dass Friede eher durch ruhiges Zuhören und durch Dialog erlangt werden kann als durch gegenseitige Schuldzuweisungen, unfruchtbare Kritik und Zurschaustellung von Macht.“

Papst Franziskus sagte, Friede bedeute nicht nur „das Nicht-Vorhandensein von Krieg“, sondern sei auch ein Werk der Gerechtigkeit, die als Tugend Disziplin erfordere. Dabei seien Vergebung, Toleranz und Zusammenarbeit entscheidend: „Sie verlangt die Bereitschaft, Ziele auszumachen und zu erreichen, die beiderseitig von Vorteil sind, und so die Grundlagen für gegenseitige Achtung, Verständigung und Versöhnung zu schaffen. Möge jeder von uns diese Tage dem Frieden widmen, dem Gebet für den Frieden und der Vertiefung unserer Entschlossenheit, ihn zu erreichen.“

Er appellierte an die Verantwortlichen, eine bessere Welt für die Kinder der Gesellschaft zu schaffen, die sich „letztlich an menschlichen und nicht an rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientieren muss“. Dabei müsse auf jede Stimme der Gesellschaft gehört werden, insbesondere auf die jener Menschen, die sonst keine Stimme haben, um ihnen in ihrer Entwicklung beizustehen. Der Papst sagte: „Es ist meine Hoffnung, dass die koreanische Demokratie weiter gestärkt wird und dass diese Nation beweist, auch in der Globalisierung der Solidarität führend zu sein, die heute so notwendig ist: einer Solidarität, die auf die ganzheitliche Entwicklung eines jeden Gliedes der Menschheitsfamilie achtet.“

Abschließend nahm Papst Franziskus die Worte von Johannes Paul II. auf, die dieser bei seinem Besuch vor 25 Jahren in Korea gesagt hatte, in denen er seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht hatte, dass „die Zukunft Koreas von der Gegenwart vieler weiser, tugendhafter und tief spiritueller Männer und Frauen in seinem Volk abhängen wird“. Er betonte, die katholische Gemeinschaft Koreas wolle am Leben der Nation teilnehmen und zur Erziehung der Jugend und zur „Entwicklung eines Geistes der Solidarität mit den Armen und Benachteiligten und zur Heranbildung neuer Generationen von Bürgern, die bereit sind, die von ihren Vorfahren ererbte und aus ihrem Glauben hervorgegangene Weisheit und Sichtweise in die großen politischen und sozialen Fragen einzubringen, die der Nation begegnen“ einen Beitrag leisten.