Papst fordert liturgische Erneuerung und tiefere Bindung der Priester an Christus

Die geheimnisvolle Gegenwart des Auferstandenen neu wahrnehmen

| 1066 klicks

Von Jan Bentz

ROM, 18. Juni 2012 (ZENIT.org). – Die zentrale Bedeutung eines rechten liturgischen Verständnisses hat Papst Benedikt XVI. in seiner Videobotschaft zum Ende des 50. Internationalen Eucharistischen Kongresses betont.

Die Liturgie müsse einfach, würdig, mit Freude und mit Ehrfurcht gefeiert werden. Zugleich müsse sie zur Reue über die eigenen Sünden und zur Vergebung gegenüber den Mitmenschen einladen. Die Eucharistie sei das Gedächtnis des Kreuzesopfers Christi. Jesus habe im neuen und ewigen Bund seinen Leib und sein Blut hingegeben zur Vergebung der Sünden und für die Verwandlung der Welt.

So der Heilige Vater gestern in Dublin nach dem großen Gottesdienst im Croke Park Stadion mit rund 80.000 Gläubigen, zelebriert von Kurienkardinal Marc Ouellet, dem kanadischen Präfekten der Bischofskongregation und Delegat des Papstes.

Das Zweite Vatikanische Konzil habe mit einer Erneuerung der äußeren Formen das Ziel verfolgt, leichter den Weg in die „innere Höhe des Geheimnisses“ zu weisen und die Menschen tiefer in die persönliche Begegnung mit dem anwesenden Herrn und so mit dem lebendigen Gott zu führen. Leider habe es viele Missverständnisse und Missbräuche im liturgischen Bereich gegeben, die diesem Geist widersprächen. Nicht selten sei man bei der äußeren Formen im Äußeren stehen geblieben und habe „aktive Beteiligung" mit äußerer Aktivität verwechselt.

„So bleibt auf dem Weg wirklicher liturgischer Erneuerung noch viel zu tun", betonte der Papst.

Die Eucharistie sei der Gottesdienst der gesamten Kirche, sie enthalte einen Aufruf, das heilige Volk Gottes zu sein, aber auch eine Berufung zu individueller Heiligkeit.

Daraufhin ging der Heilige Vater nochmals auf die Missbrauchsfälle in Irland ein, die die Glaubwürdigkeit der Botschaft der Kirche erschüttert hätten und ihre Ursache mit in einem „Gewohnheitschristentum“ hätten, genau was das Zweite Vatikanische Konzil überwinden wollte.

Er erinnerte die Iren daran, dass sie Erben einer Kirche seien, die „eine mächtige Kraft für das Gute in der Welt gewesen ist und vielen, vielen anderen eine tiefe und anhaltende Liebe zu Christus und seiner heiligen Mutter vermittelt hat.“ Irland sei über Jahrhunderte hinweg zutiefst von der Messe geprägt worden, und durch ihre Kraft und Gnade hätten Generationen von Mönchen, Märtyrern und Missionaren ihren Glauben in der Heimat heldenhaft gelebt.

Die Verfehlungen von Priestern und Gottgeweihten gegenüber den ihnen Anvertrauten habe seine Ursache sicher auch darin, dass ihr Christsein nicht mehr von der freudigen Berührung mit Jesus Christus erfüllt war, sondern „nur ein System von Gewohnheiten“.

„Diese Art von Christentum zu überwinden und den Glauben wieder als tiefe persönliche Freundschaft mit der Güte Jesu Christi zu leben, ist der eigentliche Auftrag des Konzils“, so der Papst. Ein Eucharistischer Kongress solle auch diesem Auftrag dienen.

„Wir wollen hier dem auferstandenen Herrn begegnen. Wir bitten ihn, dass er uns in der Tiefe anrührt. Er, der an Ostern die Jünger angehaucht und ihnen so seinen Geist mitgeteilt hat, möge auch uns seinen Atem, die Kraft des Heiligen Geistes schenken und uns so helfen, wirklich Zeugen seiner Liebe, Zeugen der Wahrheit zu werden. Seine Wahrheit ist die Liebe. Die Liebe Christi ist die Wahrheit“, unterstrich der Heilige Vater und kündigte zum Schluss den nächsten Eucharistischen Kongress an, der 2016 in Cebu auf den Philippinen ausgerichtet werden wird.

Der Papst grüßte an dieser Stelle die Philippiner mit folgenden Worten: „Dem Volk der Philippinen sende ich herzliche Grüße und versichere sie meiner Nähe im Gebet während der Vorbereitungszeit für diese große kirchliche Versammlung.“

Der einwöchige 50. Internationale Eucharistische Kongress in Dublin unter dem Motto „Die Eucharistie: Gemeinschaft mit Christus und miteinander" inspiriert vom Dokument „Lumen Gentium" des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die Gemeinschaft aller Gläubigen mit Christus in der Eucharistiefeier betont hatte, zählte rund 100.000 Besucher.

In der vergangenen Woche hatten nach Angaben der Veranstalter täglich ungefähr 20.000 Menschen an den 160 Symposien, Workshops, Vorträgen und Konzerten teilgenommen, auf denen über 200 Geistliche, Experten und Gläubige zu Wort kamen.

Die Deutsche Bischofskonferenz vertrat der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann.

Der gewöhnlich alle vier Jahre stattfindende Weltkongress ist neben den Weltjugendtagen und den Weltfamilientreffen die größte internationale Veranstaltung der katholischen Kirche.