Papst Franziskus auf dem Weg nach Daejeon

Feier der Heiligen Messe und Gebet des Angelus Domini im World-Cup-Stadion

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 417 klicks

Papst Franziskus fuhr nach der Ankunft in Daejeon gegen 10.15 Uhr im offenen weißen Mobil der jubelnden Menge vor dem World Cup Stadion entgegen. Er begrüßte und segnete stehend aus dem Wagen heraus die winkenden und den Papst unter Rufen begrüßenden Gläubigen, die ihm mit kleinen Fähnchen in den koreanischen und den vatikanischen Landesfarben zuwinkten. Der Papst hielt mehrfach mit dem Wagen an, um einige Gläubige, darunter Jugendliche und Kinder, persönlich zu begrüßen. Das Papstmobil fuhr durch die freudige Menschenmenge bis zum Eingangstor des Stadions, wo bereits weitere winkende Gläubige hinter den Absperrungen auf den Heiligen Vater warteten. Der Papst wurde von den zu Fuß laufenden Sicherheitsbeamten umgeben schließlich in das vollbesetzte Stadium hineingefahren.

Die Tribünen waren bis auf den letzten Platz belegt. Beim Einfahren des Papstmobils brach im ganzen Stadium ein lauter Jubel aus. Die Menschen stimmten Sprechchöre „Viva il Papa“ an und schwenkten weiße Taschentücher in der Luft. Der Papst fuhr mit dem Wagen das gesamte Stadion ab. Vor dem Beginn der Messfeier winkten die Gläubigen in die Fernsehkameras und ließen sich in der heiteren Stimmung nicht die Gelegenheit zu kleinen Scherzen nehmen. Nahezu alle Gläubigen trugen Schirmkappen aus Papier, die vorn mit der Aufschrift „Viva il Papa. Francesco“ bedruckt waren. Die Frauen trugen sehr häufig ein weißes Spitzenvelum, um ihr Haupt zu bedecken, teilweise in Kombination mit der Papierkopfbedeckung.

Die Messe begann in koreanischer Sprache in dem eigens auf dem Rasengrün im Stadion errichteten Altarraum.

Die Predigt von Papst Franziskus in italienischer Sprache stand unter dem Zeichen des heutigen Festtags Mariä Himmelfahrt. In seiner Predigt mahnte er vor den Verlockungen des Materialismus und erinnerte an die Verantwortung eines jeden einzelnen für die Gesellschaft. Vor allem die Notleidenden, Armen und Schutzlosen bedürften der Unterstützung und Hilfe für ein würdevolles Leben.

Die Übersetzung der Predigt in die koreanische Sprache erfolgte absatzweise im Anschluss an die Worte des Heiligen Vaters. Der Heilige Vater verlas den Text und fügte keine weiteren Kommentare hinzu.

Die Predigt begann er mit den Worten: „Das ‚große Zeichen‘, das uns in der heutigen ersten Lesung vor Augen geführt wird – eine Frau, mit der Sonne bekleidet und mit Sternen gekrönt (vgl. Offb 12,1) – lädt uns ein, Maria zu betrachten, wie sie in Herrlichkeit neben ihrem göttlichen Sohn thront. Es lädt uns auch ein, die Zukunft zu erkennen, die der auferstandene Herr gerade jetzt vor uns auftut. Die Koreaner feiern dieses Fest traditionell im Licht ihrer historischen Erfahrung, indem sie in der Geschichte ihrer Nation und im Leben ihres Volkes die liebevolle Fürsprache der Jungfrau Maria sehen.

In der zweiten Lesung von heute hörten wir, wie der heilige Paulus uns sagt, dass Christus der neue Adam ist, dessen Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters das Reich der Sünde und der Knechtschaft umgestürzt und das Reich des Lebens und der Freiheit errichtet hat (vgl.1 Kor 15,24-25). Wahre Freiheit finden wir, wenn wir den Willen des Vaters liebevoll annehmen. Von Maria, die von Gnade erfüllt ist, lernen wir, dass christliche Freiheit mehr ist als die Befreiung von der Sünde. Es ist die Freiheit zu einer neuen, geistlichen Weise, die irdischen Wirklichkeiten zu sehen. Es ist die Freiheit, Gott und unsere Brüder und Schwestern mit reinem Herzen zu lieben und ein Leben in freudiger Hoffnung auf das Kommen des Reiches Christi zu leben.“ 

Papst Franziskus bat Maria, die Himmelskönigin, um Hilfe, „die Welt im Einklang mit Gottes Plan zu verwandeln, und die Kirche in diesem Land zu befähigen, immer vollkommener Sauerteig seines Reiches inmitten der koreanischen Gesellschaft zu sein“. Er hoffe, dass „die Christen dieser Nation eine großherzige Kraft für die geistige Erneuerung in allen Gesellschaftsschichten“ seien. Der Papst mahnte: „Mögen sie die Verlockung eines Materialismus, der echte geistige und kulturelle Werte erstickt, und den Geist des uneingeschränkten Wettbewerbs, der Egoismus und Unfrieden erzeugt, bekämpfen. Mögen sie auch unmenschliche Wirtschaftsmodelle, die neue Formen von Armut schaffen und Arbeiter an den Rand drängen, sowie die Kultur des Todes verwerfen, die das Bild Gottes, des Gottes des Lebens, entstellt und die Würde jedes Menschen – ob Mann, Frau oder Kind – verletzt.“

Die Katholiken in Korea seien aufgefordert, dieses Erbe „an die kommenden Generationen weiterzugeben. Das erfordert von jedem eine erneute Umkehr zum Wort Gottes und eine leidenschaftliche Sorge für die Armen, die Notleidenden und die Schutzlosen in unserer Gesellschaft.“

Maria sei „unsere Mutter der Hoffnung“. Sie zeige uns, „dass unsere Hoffnung verlässlich ist“. Die Hoffnung sei „das Gegenmittel gegen den Geist der Hoffnungslosigkeit, der wie ein Krebs zu wuchern scheint in Gesellschaften, die äußerlich wohlhabend sind, aber oft innere Traurigkeit und Leere erfahren.“ Papst Franziskus sprach in diesem Zusammenhang seine Sorge für die vielen Jugendlichen aus, die ihrer Hoffnung beraubt wurden.

Die Gemeinschaft der Gläubigen sei aufgefordert, „diese Freiheit im Dienst für unsere Brüder und Schwestern sinnvoll zu nutzen und zu leben und zu arbeiten als Träger der Hoffnung, die ihre Erfüllung in jenem ewigen Reich finden wird, wo herrschen bedeutet zu dienen. Amen.“

Nach der Predigt folgten die Fürbitten einiger Gläubiger in koreanischer Sprache. Die Messfeier wurde musikalisch durch Orgelmusik und einen Chor begleitet, dessen Mitglieder teilweise mit traditionellen Gewändern bekleidet waren. Während der Eucharistiefeier sang die Sopranistin Sumi Jo in Begleitung des Chores und Orchesters.

Im Anschluss daran richtete der Bischof von Daejeon, Msgr. Lazzaro You Heung-sik, einige Grußworte in koreanischer Sprache an Papst Franziskus. Zu Beginn seiner Ansprache erinnerte er an die beiden Besuche von Papst Johannes Paul II. vor 30 und vor 25 Jahren in Südkorea. Die Heiligsprechung des Papstes am 27. April dieses Jahres sei bis heute in ihren Herzen gegenwärtig.

Danach ging der Bischof auf die Entwicklung der katholischen Kirche in Korea ein. Sie habe sich von einer nehmenden zu einer teilenden und gebenden Kirche entwickelt. Der Besuch von Papst Franziskus sei „wie ein großes Geschenk – fast wie in Wunder – von Maria und den koreanischen Märtyrern“.

Der Besuch erfolge, so Bischof Lazzaro You Heung-sik, in einer Zeit, in der die Kirche immer noch unter den Spaltungen und Spannungen leide und wegen des Fährunglücks der Sewol trauere. Der Bischof zeigte sich überzeugt: „Ich bin sicher, dass der Besuch Ihrer Heiligkeit in diesem so delikaten und schwierigen Moment eine kostbare Gelegenheit sein wird, um vom Wort Zeugnis abzulegen: ‚Erhebe dich und erleuchte die Welt‘“.

Es sei eine besondere Ehre für ihre Diözese, so der Bischof, heute am Fest Mariä Himmelfahrt die Heilige Messe gemeinsam mit dem Heiligen Vater feiern zu dürfen. Dieses große Geschenk sei ihnen vor allem durch die Vermittlung der koreanischen Märtyrer zuteil geworden. Sie seien stolz auf ihre Märtyrer, die das kostbare Geschenk des Glaubens als kostbarstes Geschenk erhalten hätten. „Sie lebten ihn mit Liebe, ohne das Opfer zu fürchten, und in der Nachfolge Jesu legten sie Zeugnis vom Glauben mit ihrem Leben ab.“

Bischof Lazzaro You Heung-sik bat anschließend alle Gläubigen, gemeinsam dafür zu beten, dass „der Gekreuzigte uns zu Männern und Frauen“ mache, die das „Licht der Welt und das Salz der Erde“ sind (Mt.5,13-14). „Beten wir, dass der Gekreuzigte und Auferstandene unser Leben verändere, uns helfe, die Fehler zu korrigieren, die Wunden unserer Brüder und Schwestern zu heilen und Zeugen der leuchtenden Hoffnung zu sein. Heiliger Vater, mögen Sie uns segnen und uns Kraft und Mut geben.“

Der Bischof schloss seine Begrüßung mit den Worten, dass die katholische Gemeinde in Korea, dem Aufruf des Papstes, für ihn zu beten, nachgekommen sei.

„Wir beteten den Rosenkranz für Sie 15 Millionen mal. Wir feierten die Heilige Messe nach Ihren Vorstellungen mehr als 2 Millionen mal, wir beteten ein spezielles Gebet für den Papst 3.289.179 mal. Wir versprechen, fortzufahren für Sie unablässig zu beten. Wir wollen uns dafür einsetzen, für die Kirche und für Sie zu leben. Heiliger Vater: Sie können auf uns zählen!“

Papst Franziskus erhob sich nach der Ansprache unter dem Beifall der Gläubigen im Stadion, um den Bischof persönlich mit einer Umarmung zu begrüßen.

Danach folgte der Angelus Domini. Papst Franziskus sprach im Angelus Domini in englischer Sprache den Angehörigen der Opfer des Fährunglücks seinen Trost und sein Mitgefühl aus. Die Gläubigen sollten sich der Madonna zuwenden und sich ihr anvertrauen, mit „unseren Freuden, unseren Schmerzen und unseren Hoffnungen“. Er sprach den Angehörigen und Opfern der nationalen Katastrophe sein Mitgefühl aus und betete, dass der Herr die Verstorbenen in Frieden bei sich aufnehme, die Hinterbliebenen tröste und ihnen beistehe. Ganz Korea sei im Schmerz vereint. Es möge weiterhin zusammenarbeiten, solidarisch zum Wohl der Gemeinschaft. Die Jungfrau Maria möge barmherzig den Leidenden, Kranken, Armen und Arbeitslosen beistehen. Die Jugendlichen, die aus ganz Asien angereist seien, mögen sich ihrem Schutz anvertrauen und freudige Boten des Friedens in der Welt sein.

Nach der Messfeier begibt sich der Papst in das Priesterseminar, wo er vom Rektor der Universität empfangen wird. Danach folgt ein gemeinsames Mittagessen mit dem Bischof von Daejeon und 20 Jugendlichen aus verschiedenen Ländern Asiens, die am Sechsten Jugendtag Asiens teilnehmen. Am Nachmittag wird Papst Franziskus mit dem Hubschrauber zum Heiligtum von Solmoe fliegen.