Papst Franziskus bringt die von Benedikt XVI. begonnene Enzyklika zum Abschluss

Ankündigung des Heiligen Vaters im Rahmen der gestrigen Audienz mit den Mitgliedern des Generalsekretariates der Bischofssynode

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 802 klicks

Gestern Vormittag empfing der Heilige Vater Franziskus im Konsistorien-Saal des Apostolischen Palastes des Vatikans die Mitglieder des 13. Ordentlichen Rates des Generalsekretariates der Bischofssynode in Audienz. Das Thema der Sitzung lautete folgendermaßen: „La nuova evangelizzazione per la trasmissione della fede” (Die Neuevangelisierung zur Weitergabe des Glaubens). Nach einer Begrüßung durch den Generalsekretär der Bischofssynode,Msgr. Nikola Eterović, leitete der Papst den Dialog mit den Bischöfen des Rates durch das Verlesen seiner vorbereiteten Rede ein.

Papst Franziskus kündigte zunächst an, dass er die von seinem Vorgänger, dem emeritierten Papst Benedikt XVI., begonnene Enzyklika zu Ende führen werde. Anschließend erläuterte er seine Absicht, die postsynodale Exhortation im „breitesten Rahmen“, der „allgemeinen Evangelisierung“, in Anlehnung an die gesamte Synode zur Neuevangelisierung vom Oktober 2012, zu bearbeiten.

Ferner schilderte der Papst vor dem in diesen Tagen versammelten Ordentlichen Rat seinen Standpunkt bezüglich der Themen der nächsten Ordentlichen Generalversammlung des Sekretariates der Bischofssynode. Die vorrangigen Themen seien Menschenwürde, Familie, Technologie und anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Veröffentlichung von „Gaudium et Spes“ im Jahre 2015 auch die Beziehung zwischen Kirche und Welt.

Erwähnung fand auch die Frage der Ökologie, insbesondere der „Humanökologie“, und auf anthropologischer Ebene, die Problematik „Laientum wird zu Laizismus“, d.h., Säkularisierung. Abschließend betrachtete der Heilige Vater das Thema der Synodalität und deren Beziehung mit dem Petrusamt und die damit verbundenen hohen Erwartungen.

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Liebe Mitbrüder im Bischofsamt!

Ich grüße euch sehr herzlich und danke in besonderer Weise dem Generalsekretär Msgr. Nikola Eterović für die mir gewidmeten Worte. Durch euch gelangt mein Gruß zu den eurer pastoralen Sorge anvertrauten Sonderkirchen. Meine Dankbarkeit gilt eurer Unterstützung des Bischofs von Rom in dessen Amt als Präsident der Bischofssynode bei der Ausarbeitung und Umsetzung der Ergebnisse der 13. Ordentlichen Generalversammlung. Es handelt sich dabei um einen kostbaren Dienst an der Weltkirche, der auch wegen langer Reisen Bereitschaft, Einsatz und Opfer erfordert. Ich danke jedem von euch aufrichtig dafür!

Ich möchte auf die Bedeutung des für diese Versammlung gewählten Themas hinweisen: „La nuova evangelizzazione per la trasmissione della fede“ (Die Neuevangelisierung für die Weitergabe des Glaubens). Zwischen diesen beiden Elementen besteht eine enge Verbindung: Die Weitergabe des christlichen Glaubens ist das Ziel der Neuevangelisierung und des gesamten Evangelisierungswerkes der Kirche, das vor allem aus diesem Grund existiert. Der Begriff „Neuevangelisierung“ wirft außerdem Licht auf das immer klarer hervortretende Bewusstsein, dass auch in den Ländern der alten christlichen Tradition eine Erneuerung der Verkündigung des Evangeliums notwendig wird, sodass eine wahrhaft verwandelnde und nicht oberflächliche und durch Routine gekennzeichnete Begegnung mit Christus möglich wird. Dies hat Folgen für das pastorale Wirken. Der Diener Gottes Paul VI. bemerkte dazu Folgendes: „Die gesellschaftlichen Bedingungen verpflichten uns zu einem Überdenken der Methoden, zum Versuch, alle Mittel der Weitergabe der christlichen Botschaft an den modernen Menschen zu untersuchen, denn in ihr allein liegt die Antwort auf seine Fragen und die Kraft für seinen Einsatz für die menschliche Solidarität („Ansprache and das Heilige Kardinalskollegium vom 22. Juni 1973“; eigene Übersetzung). Der Papst selbst bezeichnete das Bemühen um die Verkündigung des Evangeliums im Apostolischen Schreiben „Evangelii nuntiandi“, einem Text großen Reichtums, als einen „Dienst, der nicht nur der Gemeinschaft der Christen, sondern der ganzen Menschheit erwiesen wird“ (Nr. 1). Ich möchte die gesamte kirchliche Gemeinschaft dazu ermutigen, Evangelisierer zu sein, keine Angst davor zu haben, aus sich selbst „hinauszugehen“ um zu verkündigen und vor allem auf die barmherzige Gegenwart des uns führenden Gottes zu vertrauen. Die Techniken sind gewiss wichtig, aber selbst die perfektesten könnten seine unaufdringliche, doch wirkungsvolles Handlung, die der Hauptakteur der Neuevangelisierung ist, nicht ersetzen: die des Heiligen Geistes (vgl. ibid., 75). Es es nötig, sich von ihm führen zu lassen, selbst wenn er uns auf neue Wege führt; es ist nötig, sich von ihm verwandeln zu lassen, sodass unser Wort bei unsere Verkündigung stets von Einfachheit des Lebens, Sinn für das Gebet und Nächstenliebe gegenüber allen, besonders gegenüber den Armen und Schwachen, Gehorsam und Demut, den Zeichen der Heiligkeit, begleitet sei (ibid., 76). Nur so wird es wahrhaft fruchtbar sein.

Ein Gedanke sei auch der Bischofssynode gewidmet. Sicherlich stelle sie eine der Früchte des 2. Vatikanischen Konzils dar. Gott sei Dank konnten in den vergangenen 50 Jahren die Vorzüge dieser stets im Dienst der Mission und der Einheit der Kirche zum Zeichen der Kollegialität stehenden Einrichtung zur Geltung kommen. Dies kann ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrung im Rahmen der Teilnahme an verschiedenen Synodenversammlungen bezeugen. Offen für die Gnade des Heiligen Geistes, der Seele der Kirche, vertrauen wir darauf, dass die Bischofssynode weitere Entwicklungen zu einer noch intensiveren Förderung des Dialoges und der Zusammenarbeit zwischen den Bischöfen und ihnen und dem Bischof von Rom erfahren wird. Liebe Mitbrüder, das Ziel eures Zusammentreffens in Rom in diesen Tagen ist es, mir bei der Wahl des Themas der nächsten Ordentlichen Generalversammlung behilflich zu sein. Ich danke euch für eure von den mit dem Generalsekretariat in Korrespondenz stehenden Einrichtungen übermittelten Vorschläge: die Synode der Orientalischen Katholischen Kirchen sui iuris, die Bischofskonferenzen, die Dikasterien der Römischen Kurie, der Vorsitz der Vereinigung der Generaloberen. Ich bin mir sicher, dass diese Arbeit dank der vom Gebet begleiteten Erkenntnis reiche Frucht für die gesamte Kirche hervorbringen wird, die den Männern und Frauen unserer Zeit im Vertrauen auf dem Herrn mit neuem Mut Jesus Christus verkündigen möchte. Er ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) für alle.

Euren kirchlichen Dienst der mütterlichen Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, dem Stern der Neuevangelisierung, anvertrauend, erteile ich euch, euren Mitarbeitern und euren Sonderkirchen den Apostolischen Segen.