Papst Franziskus: Die Politik muss den Menschen zum Anhaltspunkt haben

Brief des Heiligen Vaters an den britischen Premierminister anläßlich des G8-Gipfels in Nordirland

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 515 klicks

„Damit das Thema seinen vollen und tiefen Sinn erfüllt, muss sicher gestellt sein, dass jede nationale und internationale politische wie wirtschaftliche Tätigkeit auf den Menschen ausgerichtet ist. Diese Tätigkeiten müssen auf der einen Seite den maximalen Ausdruck der individuellen und kollektiven Freiheit und Kreativität ermöglichen und auf der anderen Seite mit einer besonderen Aufmerksamkeit auf die Armen verantwortliches Handeln im Sinne der Solidarität vorantreiben und garantieren“, so der Beginn des Briefes des Pontifex.

Papst Franziskus unterstreicht im Weiteren die Prioritäten, die für den Gipfel gesetzt wurden, den internationalen Handel, den Fiskus und die Transparenz von Regierung und der Wirtschaft sowie die sozialen Themen wie eine Lebensmittelsicherung für alle. Basis für alle Aktivitäten, wie auch Bestrebungen gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder in Kriegsgebieten, sei die Sicherung des internationalen Friedens. Diesbezüglich appellierte er an die G8-Staaten, sich für einen sofortigen Waffenstillstand in Syrien und im gesamten Nahen Osten einzusetzen.

In Bezug auf die Legalität zur Sicherung von wirtschaftlicher Entwicklung – ein weiteres Thema des Gipfels – verwies der Papst auf die Worte seines Vorgängers Benedikts XVI., dass Ethik und Wirtschaft zusammen gesehen werden müssten. Die Ethik müsse integraler Bestandteil aller ökonomischen Initiativen sein.

„Das Ziel der Wirtschaft und der Politik ist der Dienst am Menschen, angefangen bei den Ärmsten und Schwächsten, wo immer sie sich auch befinden mögen, selbst diejenigen im Mutterschoß. Jede wirtschaftliche oder politische Theorie oder Aktion muss darauf ausgerichtet sein, jedem Erdenbewohner in Freiheit ein menschenwürdiges Leben zuzusichern, das es ihm ermöglicht, eine Familie zu ernähren, Kinder zu erziehen, Gott zu preisen und die eigenen menschlichen Fähigkeit auszubauen. Das ist das Wichtigste. Ohne diese Sicht der Dinge hat keine wirtschaftliche Tätigkeit Sinn.“

Im Folgenden führt Papst Franziskus aus, die Herausforderungen, die die heutige Wirtschaft und Politik zu bewältigen habe, erforderten mutige Veränderungen und Verhaltensweisen, die dem Menschen und der Politik so wie Wirtschaft ihren Platz zuwiesen. Geld und andere Mittel von Politik und Wirtschaft müssten dienen und nicht regieren, so der Pontifex.

Papst Franziskus endete mit den Worten: „Ich wollte mit Ihnen, Herr Premierminister, diese Gedanken teilen, in der Hoffnung, das zu unterstreichen, was unausgesprochen für alle politischen Instanzen gilt und zuweilen vergessen wird: die Bedeutung des Menschen, jedes einzelnen Mannes und jeder einzelnen Frau, in den Mittelpunkt jeder nationalen und internationalen politischen wie wirtschaftlichen Aktivität zu stellen, denn der Mensch ist die ehrlichste und tiefgründigste Quelle der Politik und Wirtschaft und steht über ihnen.“