Papst Franziskus: Eine Nachfolge Christi außerhalb der Kirche ist absurd

Papst Franziskus empfing Generaloberinnen in Audienz

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 755 klicks

Am gestrigen Vormittag empfing der Heilige Vater Franziskus die Teilnehmer der Vollversammlung der Internationalen Union der Generaloberinnen, dem Dachverband katholischer Frauenorden (UISG), in der Aula Pauls VI. in Audienz. Während seiner Ansprache vor den 800 Ordensschwestern aus 75 Ländern, Teilnehmer der Generalversammlung der UISG, die gestern in Rom zu Ende gegangen ist, sprach der Papst über das Ordensleben. Anwesend war auch Kardinal João Braz de Aviz, der am 4. Januar 2011 zum Präfekten der Ordenskongregation, der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens, ernannt worden war.

Papst Franziskus hob zunächst die Christus-Zentriertheit des Ordenslebens hervor. „Ihr seid berufen im gottgeweihten Leben, eure Existenz auf Christus und das Evangelium zu zentrierten, auf den Willen Gottes und Euer Leben ganz nach den Worten des hl. Paulus zu gestalten: ‚Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir‘ (Gal 2,20).“ Diese Christus-Zentriertheit sei ein „Exodus“ vom eigenen Ich weg auf das Ziel der Anbetung Gottes und des Dienstes am Nächsten. Anbeten und Dienen seien nicht voneinander trennbar und bildeten die Grundlage des Ordenslebens. Diese zwei Aspekte gründeten sich auf die drei zentralen Gelübde des Ordenslebens: Gehorsam, Armut und Keuschheit. Gehorsam sei das Hören auf de Willen Gottes. Die Armut sei der Unterricht in Nächstenliebe und die Freude an den wesentlichen Dingen des Lebens, die durch eine gewisse Nüchternheit erreicht werde. Die Keuschheit „erweitert die Freiheit der Hingabe an Gott an die Nächsten mit der Zärtlichkeit, der Barmherzigkeit und der Nähe Christi.“

An zweiter Stelle kritisierte der Papst den „Karrierismus“. Man dürfe nicht vergessen, dass die wahre Macht im Dienst liege, wie Christus mit seiner am Kreuz erfüllten Mission bewiesen habe. Der Schaden sei unvorstellbar, den diejenigen der Kirche zufügten, die das Volk Gottes „ausnutzten“, dem sie eigentlich dienen sollten, um ihre eigenen Ambitionen und Interessen zu verfolgen. „Ihr wisst, dass die Autorität, die ihr ausüben solltet, darin besteht, zu begleiten, zu verstehen, zu helfen und zu lieben: alle Menschen zu umarmen. Halten wir unseren Blick auf Christus am Kreuz gerichtet, von ihm her strömt die Autorität der Kirche, in seiner vollkommenen Hingabe seiner selbst an die Menschen.“

Drittens ging der Papst auf die „Kirchlichkeit“ als grundlegende Dimension des geweihten Lebens ein, der „Dimension, die das Leben in der Tiefe begründet.“ Die Ordensberufung sei ein grundlegendes Charisma auf dem Weg der Kirche; niemand sei Gott geweiht, der nicht auch mit der Kirche „fühle“. Dieses Fühlen sei durch die Taufe geboren und drücke sich im kindlichen Gehorsam zum kirchlichen Lehramt aus, in der Einheit mit der Mission der Hirten der Kirche und dem Nachfolger Petri, dem Papst, der das sichtbare Zeichen der Einheit der Kirche sei. „Es ist eine absurde Dichotomie zu denken, mit Christus ohne die Kirche zu leben, Jesus außerhalb der Kirche folgen zu können, ohne die Liebe der Kirche und dem kirchlichen Geist.“

Der Papst bat die Ordensfrauen schließlich, ihre Mutterschaft mit Liebe und Zärtlichkeit zu leben: „Der Mittelpunkt der Lehre Christi im Evangelium ist der Dienst der Liebe in und mit der Mutter Kirche.“

Der Heilige Vater schloss mit dem Aufruf an die Versammelten, zur lebendigen Ikone Marias und der Mutter Kirche zu werden:

„Liebe Schwestern, seid euch meines Gebetes sicher, aber betet auch für mich. Grüßte eure Gemeinschaften von mir, vor allem die kranken Schwestern und die jungen Novizen. Euch allen möchte ich eine Ermutigung aussprechen, das Evangelium Christi mit Freude zu bezeugen. Seid freudig, denn es ist schön, Christus zu folgen, und werdet zur lebendigen Ikone Marias und unserer hierarchischen Mutter Kirche!“