Papst Franziskus empfängt die jüdische Gemeinde Roms

Der Antisemitismus müsse aus den Herzen aller verbannt werden

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 487 klicks

Am vergangenen Freitag empfing Papst Franziskus Vertreter der jüdischen Gemeinde mit ihrem Rabbi Riccardo Di Segni in einer Privataudienz im Vatikan. Papst Franziskus erinnerte an den gemeinsamen Dialog zwischen Juden und Katholiken, der in den letzten zehn Jahren in Rom und in der Welt stattgefunden habe. Er rief dazu auf, sich auf der Ebene einer wirklichen und konkreten Kultur der Begegnung zu treffen, außerhalb eines theologischen Vergleichs. Papst Franziskus sagte, der Antisemitismus sei ein Gift, das aus allen eliminiert werden müsse, vor allem aus denjenigen, die sich Christen nennen würden. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an den Jahrestag, den 16. Oktober, der letzten Säuberungsaktion vor 70 Jahren im Ghetto Roms.

„Dies ist ein Anlass, um immer wachsam uns aufmerksam zu sein, bis unter keinem Vorwand mehr Formen der Intoleranz und des Antisemitismus in Rom und in der Welt Überhand gewinnen können. Ich habe dies schon einige Male gesagt, und ich möchte es wiederholen. Es ist ein Widerspruch, wenn ein Christ Antisemit ist: Die Wurzeln beider sind jüdisch. Ein Christ kann nicht antisemitisch sein! Der Antisemitismus möge aus den Herzen aller verbannt werden, jedem Mann und jeder Frau!“

Im Anschluss an diese Worte, ging der Pontifex auf die Geschichte der Beziehung zwischen Katholiken und Juden in Rom ein, um so die Gegenwart und die Zukunft zu beschreiben. Seit 2000 Jahren hätten es nicht an Missverständnissen und Ungerechtigkeiten gefehlt, und doch, so sagte er:

„Es handelt sich jedoch um eine Geschichte, die mit der Hilfe Gottes, die seit vielen Jahren die freundschaftlichen und brüderlichen Beziehungen kennenlernt. Zu dieser Veränderung der Mentalität hat von katholischer Seite das 2. Vatikanische Konzil beigetragen, aber auch durch eine nicht weniger bedeutende Unterstützung von beiden Seiten weiser und großzügiger Männer, die in der Lage sind, den Ruf des Herrn zu erkennen und den neuen Wegen der Begegnung und des Dialogs zu folgen.“

Papst Franziskus vergaß nicht, die Tragödie des zweiten Weltkriegs zu erwähnen, der den Juden und Katholiken Roms den Wert einer soliden Freundschaft gelehrt habe, was die Aufnahme des Papstes, des Klerus und vieler Christen gezeigt habe, die ihre Türen und Häuser geöffnet hätten, um die Verfolgten zu retten, ohne viele Fragen über ihren Glauben zu stellen. 

„Sie hatten den Mut, das zu tun, was in diesem Moment das Richtige war: den Bruder in Gefahr zu schützen. Ich möchte diesen Aspekt unterstreichen, denn wenn es stimmt, dass es wichtig ist, von beiden Seiten einen theologischen Gedankenaustausch zu fördern, so ist es auch wichtig, dass es einen lebenden Dialog gibt, den der alltäglichen Erfahrung, der nicht weniger wichtig ist. Im Gegenteil, ohne eine wirkliche und konkrete Kultur der Begegnung, die authentische Beziehungen schafft, ohne Vorurteile und Verdächtigungen, würde ein intellektuelles Bemühen wenig nutzen.“

Papst Franziskus nannte dies den „Weg der Freundschaft“, an dem er gerne als Bischof von Rom teilnehmen möchte.

„Ich hoffe, hier in Rom an dieser Nähe und Freundschaft teilnehmen zu können, so wie ich die Gnade erhalten habe, denn es war eine Gnade, dies mit der jüdische Gemeinde von Buenos Aires zu tun. Unter den vielen Dingen die uns verbinden, sind es die zehn Worte des Dekalogs, die das solide Fundament und die Lebensquelle für unsere Gesellschaft bilden, einer Gesellschaft, die von einem extremen Pluralismus desorientiert ist und von einem Relativismus geprägt wird, der dazu führt, keine sicheren und soliden Orientierungspunkte mehr zu haben.“

Rabbi Di Segni zeigte sich von der Disponibilität des Papstes tief beeindruckt und sagte, die jüdische Gemeinde Roms habe ihn eingeladen, sie besuchen zu kommen. Er sagte in einem Interview zu Radio VaticanaVatikan, die Atmosphäre sei sehr herzlich und offen gewesen, und es seien vielerlei Themen angesprochen worden.