Papst Franziskus feiert erste Messe in der Sixtinischen Kapelle

Kirche ist keine Wohltätigkeitsorganisation

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1247 klicks

Am 2. Tag seines Pontifikats hat Papst Franziskus gestern um 17.00 Uhr in der Sixtinischen Kapelle traditionell mit den Kardinälen des Konklave die hl. Messe „Pro Ecclesia“ gefeiert.

In seiner kurzen Ansprache, die bei diesem Anlass gewöhnlich die Grundlinien des bevorstehenden Pontifikats aufzeichnen soll, ging er auf die Begriffe „Gehen“, „Aufbauen“ und „Bekennen“ aus den Lesungen ein und betonte, ein Weg ohne Christus im Mittelpunkt verkörpere die Weltlichkeit des Bösen.

Immer in der Gegenwart des Herrn zu gehen, niemals stehen zu bleiben und dabei rechtschaffen zu leben, wie Gott es von Abraham verlangt habe, sei die Aufgabe.

Eine weitere Bewegung des Lebens heiße, die Kirche als Braut Christi auf dem Eckstein, der der Herr selbst sei, aufzubauen. Wenn man nicht auf Steinen aufbaue, baue man auf Sand.

Ohne Christus zu kennen, sei also keine dieser Bewegungen möglich. Dann bleibe man dabei stehen, eine wohltätige Organisation zu sein, und bekenne die Weltlichkeit des Bösen:

„Wenn man Jesus Christus nicht bekennt, bekennt man die Weltlichkeit des Teufels, die Weltlichkeit des Bösen“, so Franziskus und zitierte Léon Bloy: „Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel.“

Es gebe auch Bewegungen, die nach hinten zögen. Dies sei die Vorstellung, ohne das Kreuz gehen zu wollen. Ohne das Kreuz gehen zu wollen, bedeute aber, kein Jünger des Herrn zu sein.

Weder Gehen noch Aufbauen oder Bekennen seien ohne das Kreuz möglich.

Dann sei man „weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn.“

Der einzige Ruhm, den man bekennen müsse, sei Christus der Gekreuzigte. Nur in diesem Bekenntnis, auf dem Blut des Herrn aufzubauen, werde die Kirche voranschreiten, schloss der Papst und bat um Gnade und Mut, mit der Fürsprache Marias diesen Weg zu gehen.

[Wir dokumentieren die Predigt im Wortlaut in der offiziellen deutschen Übersetzung:]

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Diese drei Lesungen haben meines Erachtens etwas gemeinsam: das Moment der Bewegung. In der ersten Lesung ist es die Bewegung auf dem Weg, in der zweiten Lesung ist es die Bewegung beim Aufbau der Kirche und im Evangelium die Bewegung im Bekenntnis. Gehen, aufbauen, bekennen.

Gehen: „Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn" (Jes 2,5). Es ist die erste Sache, die Gott zu Abraham sagte: Wandle in meiner Gegenwart und sei rechtschaffen (vgl. Gen 17,1). Gehen: Unser Leben ist ein Weg, und wenn wir anhalten, geht die Sache nicht. Immer gehen, in der Gegenwart des Herrn, im Licht des Herrn, und dabei versuchen, rechtschaffen zu leben, so, wie Gott es in seiner Verheißung von Abraham verlangte.

Aufbauen. Die Kirche aufbauen. Die Lesung spricht von Steinen: Steine haben Festigkeit; aber es geht um lebendige Steine, um vom Heiligen Geist getränkte Steine (vgl. 1 Petr 2,1-10). Die Kirche, die Braut Christi, auf jenen Eckstein aufbauen, welcher der Herr selbst ist. Eine weitere Bewegung unseres Lebens also: aufbauen.

Drittens: bekennen. Wir können gehen, wie weit wir wollen, wir können vieles aufbauen, aber wenn wir nicht Jesus Christus bekennen, geht die Sache nicht. Wir werden eine wohltätige NGO (Nicht-Regierungs-Organisation), aber nicht die Kirche, die Braut Christi. Wenn man nicht geht, bleibt man da stehen. Wenn man nicht auf Stein aufbaut, was passiert dann? Es geschieht das, was den Kindern am Strand passiert, wenn sie Sandburgen bauen: Alles fällt zusammen, es hat keine Festigkeit. Wenn man Jesus Christus nicht bekennt, da kommt mir das Wort von Léon Bloy in den Sinn: „Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel." Wenn man Jesus Christus nicht bekennt, bekennt man die Weltlichkeit des Teufels, die Weltlichkeit des Bösen.

Gehen, aufbauen/errichten, bekennen. Aber die Sache ist nicht so einfach, denn beim Gehen, beim Aufbauen, beim Bekennen gibt es zuweilen Erschütterungen, Bewegungen, die nicht eigentlich zur Bewegung des Gehens gehören – es sind Bewegungen, die nach hinten ziehen.

Das Evangelium fährt mit einer besonderen Situation fort. Derselbe Petrus, der Jesus Christus bekannt hat, sagt zu ihm: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Ich folge dir, aber sprich mir nicht vom Kreuz. Das tut nichts zur Sache. Ich folge dir mit anderen Möglichkeiten, ohne das Kreuz. – Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir ohne das Kreuz aufbauen und Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn.

Ich möchte, dass nach diesen Tagen der Gnade wir alle den Mut haben, wirklich den Mut, in der Gegenwart des Herrn zu gehen mit dem Kreuz des Herrn; die Kirche aufzubauen auf dem Blut des Herrn, das er am Kreuz vergossen hat; und den einzigen Ruhm zu bekennen: Christus den Gekreuzigten. Und so wird die Kirche voranschreiten.

Ich wünsche uns allen, dass der Heilige Geist auf die Fürbitte der Mutter Gottes, unserer Mutter, uns diese Gnade schenke: gehen, aufbauen, Jesus Christus den Gekreuzigten bekennen. Amen.

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