Papst Franziskus feiert hl. Messe in der Kirche Sankt Anna

Gott hört nie auf, die erbetene Vergebung zu gewähren

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 896 klicks

Am gestrigen Vormittag, dem fünften Fastensonntag oder Passionssonntag, hat Papst Franziskus seine erste öffentliche Heilige Messe in der kleinen Pfarrkirche Sankt Anna im Vatikan zelebriert. Anwesend waren vor allem Angestellte des Vatikanstaates und Bewohner des Viertels sowie sein Generalvikar und Erzpriester des Petersdoms, Angelo Kardinal Comastri und P. Bruno Silvestrini OSA.

Der Heilige Vater predigte in seiner Auslegung des Evangeliums in einer freien Ansprache über die Barmherzigkeit Gottes im Umgang mit der Ehebrecherin und die Selbstgerechtigkeit derer, die sie verurteilen wollten.

Zunächst hob er hervor, Jesus sei im Gebet mit dem Vater allein, dann folge ihm das Volk, das ihn mit der Frau schließlich wieder allein lasse.  Es sei eine fruchtbare Einsamkeit, die vom Kontakt mit dem Vater durchwirkt sei, von dessen Barmherzigkeit, die die Kirche auch heute als Botschaft in die Welt tragen müsse.

Das Volk, das Jesus nach seiner Rückkehr vom Berg zuhörte, sei zwiespältig: „Es gab das Volk, das ihm folgte und seinen Lehren zuhörte. Es gab aber auch andere, die nichts hörten, die nicht hören konnten.“

Auch wir glauben, dieses Volk zu sein, das zum einen zuhören will, zum anderen aber leichtfertig ist im Verurteilen der anderen, so Franziskus.

„Die Botschaft Christi ist Barmherzigkeit“. Er selber habe gesagt, nicht für die Gerechten gekommen zu sein, sondern für die Sünder. „Denken wir daran, uns im Gebet nicht so zu verhalten wie der Pharisäer im Tempel, sondern unser Herz auf die Barmherzigkeit Gottes auszurichten und zu erkennen, dass wir uns selber nicht retten können.“

Es sei nicht einfach, sich der Barmherzigkeit Gottes anzuvertrauen, denn sie sei eine unvorstellbare Weite. „Aber wir müssen es tun! Kehren wir zum Herrn zurück. Der Herr ermüdet nicht zu vergeben: nie! Es sind wir, die ermüden, ihm um Vergebung zu bitten. Bitten wir um diese Gnade.“ Er werde einen umarmen, er werde sagen: „Auch ich verurteile dich nicht; geh, und sündige fortan nicht mehr.“

Zum Abschluss der Heiligen Messe richteten P. Bruno Silvestrini OSA und der Generalvikar des Papstes im Vatikanstaat, Kardinal Angelo Comastri, Grußworte an Papst Franziskus. Nach diesem Gruß wandte sich der Papst nochmals an die anwesende Gemeinde, wobei er betonte, die argentinischen Priester sowie der Weihbischof seien heute Mitglieder der Pfarrgemeinde. Der Heilige Vater gab seiner Freude über das Kommen eines Priester aus Uruguay Ausdruck, der seit langem mit Drogenabhängigen zusammenarbeitet und eine Schule für die Straßenkinder eröffnet hat. „Ich bitte Dich, Gonzalo, komm und grüße die Menschen; ihr aber, betet für ihn! Er arbeitet in Uruguay und ist Gründer des ‚Liceo Jubilar Juan Pablo II.‘ Ich weiß nicht, wie Du heute hier hin gekommen bist, aber sei mir gegrüßt! Betet für ihn!“

Nach Verlassen der Kirche nahm Papst Franziskus sich Zeit, die Menschen zu begrüßen und vielen die Hand zu schütteln.