Papst Franziskus gibt seine Stimme den afrikanischen Albinos

Christiano Gentilini schreibt 4000 Mails und bekommt Antwort vom Heiligen Vater

Rom, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 257 klicks

Cristiano Gentili ist 40 Jahre alt und kommt aus Grosseto. Er ist Schriftsteller und internationaler Funktionär für die südlichen Länder der Welt. Seit Jahren widmet er seine Kräfte der weltweiten Bekanntmachung des Dramas der afrikanischen Albinos. Es handelt sich um Afrikaner, die statt schwarz, weiß geboren werden. Aus diesem Grund werden sie verfolgt, verstümmelt und umgebracht, da man daran glaubt, dass ihre Gliedmaße, die Hände und die Genitalien Reichtum und Fruchtbarkeit bringen. Eine Art ewiger Holocaust, der seine Ursprünge in der Mentalität der Afrikaner hat und in einem Delirium des Rassismus und Aberglaubens mündet.

Nach Reisen und Reportagen in den afrikanischen Regionen schreibt Gentilini einen Roman über das Thema, „Weiße Schatten“, um die Tragödie, die von den Medien des Westens totgeschwiegen wird, anzuprangern. Und nicht nur das: In der Zeit von Juli bis August beginnt er, Emails und Briefe zu schreiben, um die öffentliche Meinung für das Thema zu sensibilisieren. Er schreibt an Politiker, Persönlichkeiten aus der Kultur, Journalisten, Ansager, Verlage, Kritiker, Leser, 4000 insgesamt. 3999 bleiben unbeantwortet. Nur einer der Adressaten ist so tief betroffen, dass er sich sofort mit dem Schriftsteller in Verbindung setzt: Papst Franziskus.

Auf der Liste der Emails stand auch diejenige Bergoglios. Der Mann aus Grosseto hatte sich an ihn gewandt, um ein wenig Zuspruch in der allgemeinen Gleichgültigkeit zu bekommen. Nie hätte er gedacht, dass der Pontifex, von der Geschichte und dem Drama betroffen, ihn kontaktiert hätte, um zu erfahren, was genau mit den Menschen auf dem schwarzen Kontinent passiert.

Im Oktober – wie die Zeitung „Il Tirreno“ berichtet – bekommt der Schriftsteller einen Anruf von Msgr. Karcher, dem päpstlichen Zeremonienmeister, der ihm sagt: „Guten Tag, wir suchen sie vom Vatikan aus. Der Heilige Vater hat ihren Brief gelesen und ist betroffen geblieben. Er kennt das Drama der Albinos, segnet das, was sie tun und ist an ihrer Arbeit interessiert.“

Wie alle, die diese Form der Aufmerksamkeit vom Nachfolger Petri erhalten, denkt auch Cristiano, es handle sich um einen Scherz. Am nächsten Tag erhält er jedoch einen weiteren Anruf von einer unbekannten Nummer. Diesmal handelt es sich um eine andere Person, die dem Papst nahesteht, und die ihm mitteilt – wie der Schriftsteller berichtet –, er sei eingeladen, auf dem internationalen Symposium zur Entwicklung in Afrika, am 29. November in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, einem der wichtigsten kulturellen Zentren der Welt und Entwicklungsort vieler Nobelpreisträger, als Redner vorzutragen.

Gentilini, der in diesen Tagen im Kosovo als Beobachter sein sollte, befreit sich von jeglicher Verpflichtung, auch weil der Heilige Stuhl ihm mitteilt, der Papst wolle seine Bekanntschaft machen, und ihn für drei Tage nach Santa Marta einlädt. Die Begegnung findet am 27. November statt: Der Schriftsteller kommt in der Domus vaticana, dem Wohnort des Bischofs von Rom an, und abends in der Mensa begegnet er ihm zu ersten Mal. Jedoch gelingt es ihm erst am nächsten Tag, während des Abendessens, mit ihm zu reden. Nachdem die anfängliche Verlegenheit überwunden ist, dankt er Bergoglio und schenkt ihm einen kleinen heiligen Franziskus, ein Armband aus Albanien und den Roman „Weiße Schatten“, den der Papst durchzublättern beginnt.

Nach dem Symposium in der Akademie der Wissenschaften kehrt er nach Santa Marta zurück, wo er die Möglichkeit zu einem privaten Moment mit dem Heiligen Vater bekommt. „Ich habe das immer gemacht, weil ich wirklich daran glaube“, erklärt Cristiano Franziskus, „und ich habe nie einen Befürworter gefunden, der in der Lage gewesen wäre, wirklich zu verstehen, was ich für diese Menschen machen wollte.“

Der Papst hört zu und fragt nach, als ihm der Mann sein jüngstes Projekt erläutert: Eine Applikation auf Ombrabianca.com die erlaubt, mit dem Lesen kurzer Sätze aus dem Roman das erste „soziale Hörbuch“ zu erschaffen. Der Erlös geht an die Projekte für die afrikanischen Albinos. Gentili nimmt all seinen Mut zusammen und sagt zum Papst: „Ich bitte Sie, mir ein Geschenk für diese Menschen zu machen…“ Ohne die Frage zu Ende zu sprechen, antwortet der Pontifex mit einem einfachen „Ja“ und umarmt ihn. Also nimmt der Schriftsteller ein kleines Aufnahmegerät zur Hand und wählt eine wichtige Seite aus, die letzte, auf der eine symbolische Figur erscheint, Pater Francis, der nach dem Untergang der afrikanischen Kirche für die Wiedergeburt der christlichen Werte steht. „Gott ist in jedem menschlichen Wesen. Wenn man einen Menschen verletzt, beschimpft man Gott.“, so der Priester in dem Buch. Und der Heilige Vater liest diese Sätze, während Cristiano ihn aufnimmt.

Nach vielen Opfern, ist der 40jährige Grosseter gleich doppelt belohnt worden; sei es, weil er das Oberhaupt der Weltkirche getroffen hat; sei es, weil er seine Stimme bekommen hat, um Personen die Hoffnung wiederzugeben, die jeden Tag in dem Terror leben, den nächsten nicht zu erleben.