Papst Franziskus: sich aller Götzen entäußern

Verkünden, Bezeugen, Anbeten nach Vorbild des hl. Paulus

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 575 klicks

Am gestrigen Sonntagabend hat Papst Franziskus als dritte der vier päpstlichen Basiliken nach dem Petersdom und der Lateranbasilika die päpstliche Basilika St. Paul vor den Mauern, „in Besitz“ genommen. Die Wahlordnung der Päpste sieht die „Inbesitznahme“ aller vier päpstlichen Basiliken in den Wochen unmittelbar nach der Wahl vor. In seiner Predigt während der hl. Messe am dritten Sonntag in der Osterzeit rief Franziskus dazu auf, wie der hl. Paulus, an dessen Grab man sich hier befinde, das Verkünden, das Bezeugen und das Anbeten des Herrn in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen.

Weder Geißelung, Schmähungen noch Kerkerhaft hätten Petrus und die Apostel davon abhalten können, mutig das Evangelium Jesu zu verkünden. Dieser Mut müsse auch heute aufgebracht werden. Verkündigung bestehe zunächst aus dem Wort Gottes, das man in seine Umgebung hineintragen müsse. Jeder solle sich die Frage stellen, ob er dazu fähig sei.

Der zweite Aspekt der glaubwürdigen Verkündigung sei das Zeugnis durch das eigene Leben. Die Verkündigung des Petrus und der Apostel bestehe nicht nur aus Worten, sondern die Treue zu Christus gehe ihr Leben selbst an; es werde verändert, erhalte eine neue Richtung, und gerade mit ihrem Leben zeugten sie für den Glauben und die Verkündigung Christi.

Diese Mahnung ginge vor allem die Hirten der Kirche an, die auch zum Blutzeugnis bereit sein müssten: „Man kann die Herde Gottes nicht weiden, wenn man nicht akzeptiert, vom Willen Gottes auch dahin geführt zu werden, wohin man nicht will, wenn man nicht bereit ist, Christus mit der Hingabe des eigenen Selbst ohne Einschränkungen und ohne Berechnungen zu bezeugen, manchmal auch um den Preis des eigenen Lebens“, so der Papst.

Ebenso wichtig seien aber auch die „Heiligen des Alltags“, die kleinen, demütigen und verborgenen Zeugnisse derer, die in Einfachheit den Glauben in den Beziehungen in der Familie, bei der Arbeit und in den Freundschaften lebten, die „verborgenen“ Heiligen: zu dieser Art „Mittelstand der Heiligkeit“ sei jeder aufgerufen. Eine mangelnde Übereinstimmung der Gläubigen und der Hirten zwischen dem, was sie sagen, und dem, was sie tun, zwischen dem Wort und der Lebensweise untergrabe die Glaubwürdigkeit der Kirche, betonte Franziskus.

Der dritte Aspekt, die Anbetung, bestehe darin, sich der vielen kleinen und großen Götzen zu entäußern, die man habe, zu denen man Zuflucht nehme und in denen man seine Sicherheit suche. Dies könnten Ehrgeiz sein, Freude am Erfolg, sich selbst ins Zentrum zu setzen, die Neigung, sich gegen andere durchzusetzen, die Anmaßung, der einzige Herr seines Lebens zu sein, irgendeine Sünde, an der man hänge, und vieles andere.

Der Papst rief dazu auf, sich ehrlich die Frage zu beantworte, ob man wirklich dem Herrn den ihm zukommenden Raum gebe und ihn damit anbete: „Was bedeutet denn, Gott anzubeten? Es bedeutet zu lernen, wie wir bei ihm verweilen und innehalten können, um mit ihm zu sprechen und dabei zu spüren, dass seine Gegenwart die wahrste, beste und wichtigste aller ist. Anbeten bedeutet, uns unserer Götzen zu entäußern, auch der verborgensten, und den Herrn als Mitte, als den Leitweg unseres Lebens zu wählen.“

Den Herrn anbeten bedeute zu glauben, dass er allein wirklich das Leben lenke. Den Herrn anbeten bedeute, von ihm die Überzeugung zu gewinnen, dass er der einzige Gott, der Gott des eigenen Lebens, der eigenen Geschichte sei.

Es sei ein großes Geschenk Gottes, dass er uns als seine Jünger gewählt habe, schloss der Papst. Er verlange aber von uns, dass wir ihn als den Auferstandenen durch Wort und durch Zeugnis verkündeten.

„Die selige Jungfrau Maria und der Apostel Paulus mögen uns auf diesem Weg helfen und für uns Fürbitte einlegen“, so Franziskus am Ende seiner Predigt.