Papst Franziskus spricht vor Seminaristen

Seid keine Bürokraten

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 938 klicks

Gestern empfing Papst Franziskus die Studenten, Seminaristen, Priester und Bischöfe der Päpstlichen Universität „Leoniano di Agnani“ der Region Latium im Vatikan. Die Seminaristen waren zu Fuß zu ihm gepilgert. Er sagte zu den Anwesenden, bei Priestern dürfe es keine Mittelmäßigkeit geben. Nachdem er ihnen gedankt hatte, betonte er, die Ausbildung der Priester basiere auf vier wichtigen Pfeilern: starkem geistlichen Leben, ernsthaftem intellektuellen Leben, gemeinschaftlichem Leben und apostolischem Leben. Diese Punkte seien nicht als eine Aneinanderreihung zu verstehen, sondern als Interaktion anzusehen. Bezüglich des Berufes des Priesters sagte er:

„Ihr lieben Seminaristen, bereitet euch nicht auf einen Beruf vor, auf eine Funktion in einer Firma, seid kein Teil eines bürokratischen Körpers. Wir haben viele Priester auf halber Strecke. Es schmerzt, dass sie es nicht geschafft haben: Viele wirken wie Funktionäre einer Firma, es bekommt eine bürokratische Dimension und das tut der Kirche nicht gut! Passt auf, dass ihr nicht so werdet! Werdet Hirten, wie Jesus. Um wie er zu sein, müsst ihr Teil seiner Herde sein und diese nähren. “

Papst Franziskus unterstrich, dass es heutzutage nicht einfach sei, ein guter Priester zu sein. Er sagte:

„Ein guter Priester zu sein, mit Jesus als Vorbild, ist keine einfache Sache. Jesus ist viel zu groß und wir sind viel zu klein… Ja, es ist wahr, er ist viel zu groß für uns! Aber es ist nicht unser Werk! Es ist das Werk des Heiligen Geistes und unserer Mitarbeit. Wir bieten uns an, als formbare Tonerde, und Gott ist der Töpfer, der uns mit Wasser und Feuer bearbeitet – mit dem Wort und dem Geist.“

Papst Franziskus sagte zu den Seminaristen, dass sie das Volk auf dem Weg Gottes nur dann führen können, wenn sie Jesus in sich tragen. Dabei sei es entscheidend, das Volk nicht auf dem eigenen Weg zu führen, sondern absichtslos zu handeln. Als Beispiel nannte er die Apostel Jakob und Johannes, die hohe Ämter angestrebt hätten, doch der Herr habe ihnen den richtigen Weg gewiesen. So appellierte er an die Priesteranwärter, jeden Tag mit Jesus zu sprechen und zu beichten, das Evangelium täglich zu beten, um dies dann zu leben und zu predigen. Papst Franziskus forderte die Anwesenden auf, sich aufrichtig die Frage zu stellen, ob sie auf dem richtigen Weg seien. Indem er Ezechiel (Ez 34, 1-6) zitierte, sagte er, den schlechten Priestern, die sich selbst nähren würden und nicht die Herde, drohe Ärger. Er sagte:

„Wenn ihr euch – das sage ich jetzt nur aus Liebe und nicht als Angriff – nicht sicher seid dieser Straße zu folgen, mit dieser Einstellung, mit dieser Erfahrung, dann wäre es besser, sofort den Mut zu haben und einen anderen Weg einzuschlagen. Es gibt verschiedene Wege in der Kirche, ein Zeuge Jesu zu sein, und viele Straßen führen zur Heiligkeit. Aber als Priester gibt es keinen Platz für die Mittelmäßigkeit, diese würde nur dazu führen, dass das heilige Volk ausgenützt wird.“