Papst Franziskus steht Rede und Antwort

Auf dem Rückflug Rio de Janeiro - Rom antwortete der Pontifex auf kritische Fragen

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 840 klicks

Während seines gestrigen Rückflugs vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro nach Rom beantwortete Papst Franziskus über knapp zwei Stunden die zum Teil kritischen Fragen der mitreisenden Journalisten zu strittigen Themen in der Kirche. Die angesprochenen Themen betrafen unter anderem das Frauenpriestertum, die Gerüchte um Homosexualität im Vatikan und die angestrebte Kurienreform. Der Papst wich keinem der angesprochenen Themen aus, und die Antworten fielen klar und deutlich aus.

So sagte Papst Franziskus bezüglich des Frauenpriestertums, dass es auch in Zukunft keine Priesterinnen in der katholischen Kirche geben werde. Diese Tür sei geschlossen; Johannes Paul II. habe diese Frage während seines Pontifikats in „definitiver Form“ entschieden. Jedoch sprach sich Papst Franziskus für eine stärkere Beteiligung der Frauen in der katholischen Kirche aus. Weder dürften Frauen auf die Rolle der Mutter reduziert werden, noch darauf, Direktorinnen der Caritas oder Katechetinnen zu werden. Der Pontifex schlug vor, einen Schritt weiterzugehen und eine „profunde Theologie der Frau“ zu entwickeln, die ihnen und ihrer Rolle in der katholischen Kirche gerecht werde. Zu einer möglichen Öffnung des Amtes des Diakons für Frauen nahm er keine Stellung.

Bezüglich der Vatikanbank IOR sagte der Heilige Vater, er wolle dieses Thema im nächsten Jahr in Angriff nehmen, da vorher noch einige Untersuchungen erfolgen müssten. Es gebe noch keine Klarheit darüber, welchen Ausgang diese nehmen würden. So seien verschiedene Meinungen in Umlauf. Einige seien für eine Schließung, andere für eine Bank, wieder andere für einen Hilfsfond. Das Wichtigste sei für ihn, so Papst Franziskus, eine aufrichtige und transparente Lösung.

Bezüglich der Gerüchte über eine Lobby von Homosexuellen im Vatikan sagte Papst Franziskus, er habe keine schriftlichen Beweise, die belegen würden, dass jemand im Vatikan homosexuell sei. Es handele sich um verbale Gerüchte, die nicht nachweisbar seien. So sei auch nicht eine Person mit einer homosexuellen Veranlagung das Problem, sondern die Bildung einer Lobby, denn, so der Pontifex, jede Form einer Seilschaft sei negativ und bringe Probleme mit sich. Er werde niemanden verurteilen, der homosexuell sei und Gott guten Willens suche: „Wer bin ich, ihn zu verurteilen.“ Unter Verweis auf den Katechismus der katholischen Kirche betonte er, dass die katholische Lehre die Diskriminierung von Homosexuellen verbiete und deren Integration fordere.

Papst Franziskus äußerte sich ebenfalls zu möglichen Veränderungen und Reformen innerhalb der Kurie. Es gebe Heilige innerhalb der Kurie, Bischöfe, Priester, Laien, Menschen, die arbeiteten, aber eben auch Personen, die weniger heilig seien und eine Menge „Lärm machten“. Denn, so Papst Franziskus, ein fallender Baum mache mehr Lärm als ein wachsender Wald. Auch wenn die Kurie im Vergleich zu früheren Zeiten an Qualität verloren habe, gebe es noch viele loyale Mitarbeiter.

Bezüglich seiner Wahl, in Santa Marta und nicht in der päpstlichen Wohnräumen zu leben, sagte er, dass alle von diesem Wunsch bereits vorzeitig in Kenntnis gesetzt worden seien. Er könne nicht alleine mit einer kleinen Gruppe Menschen zusammenleben; er bauche viele Menschen um sich, er brauche es, Menschen zu begegnen. Obgleich die päpstlichen Wohnräume einfach gehalten seien, müsse jeder so leben, wie der Herr es von ihm verlange. Eine generelle Einfachheit sei für alle unabdingbar, die dem Dienst in der Kirche unterstellt seien.

Ein weiteres Thema zwischen den Journalisten und Papst Franziskus auf dem Rückflug von Rio de Janeiro nach Rom war sein Verhältnis zu Benedikt XVI. und sein Selbstverständnis als Papst. Die Tatsache, dass Benedikt XVI. in unmittelbarer Nachbarschaft lebe, sei für ihn sehr angenehm und fruchtbringend. Habe er ein Problem oder Fragen, könne er seinen Vorgänger einfach anrufen und fragen. Das Verhältnis sei gleich dem zu einem Großvater, der als Weiser von der Familie verehrt und geliebt werde. Selbstverständlich sei es möglich, dass zwei Päpste im Vatikan leben, sagte er, und wiedersprach damit diesbezüglich kritischen Stimmen. So lade er Benedikt XVI. zu Terminen und Unternehmungen ein, wie beispielsweise unlängst zu einer Denkmalseinweihung in den Vatikanische Gärten.

Auch widersprach Papst Franziskus der weitverbreiteten Meinung, er werde eventuell auf den traditionellen Leitungsanspruch für die Weltkirche verzichten. Dies hatten einige Medien gemutmaßt, nachdem sich Papst Franziskus direkt nach seiner Wahl als Bischof von Rom vorgestellt hatte und seitdem häufig diese Selbstbezeichnung verwendet hatte. Zwar liege ihm viel daran, seine Eigenschaft als Bischof von Rom in den Vordergrund zu stellen, jedoch bedeute dies nicht, dass er sich nur als „primus inter pares“ (Erster und Gleichen) sehe. Bischof von Rom wäre als ein Titel zu verstehen, aus dem sich die anderen ergäben. Ein Verzicht auf den rechtlichen Sonderstatus unter den Bischöfen, den sogenannten Jurisdiktionsprimat stehe außer Frage.

Von seiner Reise zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro zog Papst Franziskus eine durch und durch positive Bilanz, die Reise habe ihm „geistlich gut getan“. Die Freude der Brasilianer, habe ansteckend gewirkt, obgleich er nun ziemlich müde sei, so der 76-Jährige. Bezüglich seines von vielen Seiten kritisierten mangelnden Sicherheitsdenkens angesichts seiner engen Kontakte mit den Menschenmassen sagte er, Sicherheit heiße, sich einem Volk anzuvertrauen. Es bestehe immer das Risiko eines möglichen Attentats, aber es gebe schließlich auch den Herrn. So habe es in Rio de Janeiro keinen einzigen Zwischenfall gegeben, und er sei den Menschen spontan und in einem offenen Auto begegnet. Während seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires habe er gelernt, „vor den Gläubigen, unter den Gläubigen und hinter den Gläubigen“ zu stehen. Auch als Papst werde er danach leben, denn wenn man akzeptiere, was der Herr von einem verlange, sei man glücklich.

Bezüglich möglicher Reisen in der Zukunft sagte Papst Franziskus, er wolle im kommenden Jahr 2014 ins Heilige Land reisen. Israel habe ihn bereits eingeladen, wo er in Jerusalem den orthodoxen Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., — in Anknüpfung an die historische Begegnung zwischen Paul VI. und dem Patriarchen Athenagoras vor 50 Jahren — treffen werde. Eine weitere Reise würde er gerne nach Asien antreten; Einladungen von den Regierungen der Philippinen und Sri Lankas lägen vor, allerdings sei noch nichts entschieden. Benedikt XVI. habe diese Reise nicht mehr antreten können.

Abschließend verkündete Papst Franziskus, er wolle Johannes Paul II voraussichtlich im April nächsten Jahres heiligsprechen. Der definitive Termin sei noch mit dem Präfekten der Kongregation für Heiligsprechungen, Kardinal Angelo Amato, abzuklären, zur Auswahl stehe der 27. April 2014. Diesen Tag hatte Johannes Paul II. als den sogenannten Barmherzigkeitssonntag eingeführt. Das ursprüngliche Datum, der 8. Dezember, sei wegen des unsicheren Wetters in dieser Jahreszeit verworfen worden.