Papst Franziskus trifft die Bischöfe Koreas

Hüter des Gedächtnisses und Hüter der Hoffnung

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 441 klicks

Um 17.30 Uhr Ortszeit – 10:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit – hat Papst Franziskus am heutigen ersten Tag seiner insgesamt fünftägigen Südkoreareise die Bischöfe Koreas getroffen. Bei seiner Ankunft begrüßte ihn der Präsident der koreanischen Bischofskonferenz und Bischof von Cheju, Msgr. Peter Kang U-il gemeinsam mit zwei koreanischen Kardinälen, dem emeritierten Erzbischof von Seoul, Kardinal Nicholas Cheong Jinsuk, sowie dem Erzbischof von Seoul und Päpstlichen Verwalter von P’yong-yang, Kardinal Andrew Yeom Soo-jung. Im Sitz der koreanischen Bischofskonferenz wurde er von einigen Priestern, Gläubigen und älteren Missionaren der Gesellschaft für die Mission im Ausland der USA Maryknoll erwartet. Nach den Begrüßungsworten des Präsidenten der Bischofskonferenz wandte sich Papst Franziskus an die Anwesenden – als „Bruder im Bischofsamt“ – um mit ihnen über zwei zentrale Aspekte nachzudenken: Was es bedeutet „Hüter des Gedächtnisses und Hüter der Hoffnung zu sein“.

Der erste Aspekt bedeute, so Papst Franziskus, das Werk der Ahnen und der Märtyrer nicht zu vergessen und sich ihres Erbes bewusst zu sein. Der Papst sagte, die Geschichte der Kirche in Korea habe mit „einer direkten Begegnung mit dem Wort Gottes begonnen“. Die Kirche Koreas schaue auf die Botschaft des Evangeliums in ihrer Reinheit „wie in einen Spiegel, um ihr innerstes Wesen zu finden.“ Der Papst hob lobend die Arbeit der Kirche hervor und sagte, Korea sei von einem Missionsland zu einem Land der Missionare geworden, die Weltkirche profitiere von den Priestern und Ordensleuten, die aus Korea stammen. Jedoch bedeute „Hüter des Gedächtnisses“ zu sein mehr als die Vergangenheit zu bewahren; man müsse sie nutzen, um daraus die Voraussetzungen zu entnehmen, um die Zukunft gestalten zu können. Man müsse einsehen, dass das Wachstum von Gott komme, aber nur durch Arbeit entstehe. Er sagte: „Unsere Erinnerung an die Märtyrer und die vergangenen Generationen der Christen muss eine realistische, nicht eine idealisierende oder 'triumphalistische' sein. In die Vergangenheit zu schauen, ohne auf Gottes Ruf zur Umkehr in der Gegenwart zu hören, wird uns nicht voranbringen; es wird uns stattdessen nur zurückhalten und sogar unseren geistlichen Fortschritt blockieren.“

Dann ging Papst Franziskus auf den Aspekt des „Hüter der Hoffnung“ ein und betonte, dass es darum gehe, die „Hoffnung einer Welt zu verkünden, die bei all ihrem materiellen Wohlstand etwas sucht, das mehr ist, etwas Größeres, etwas Echtes und Erfüllendes“. Er erinnerte die Bischöfe an ihre Pflicht, den Priestern immer nah zu sein, und bat sie ihnen seine Grüße und seinen Dank zu überbringen.

Der Papst fuhr fort, es sei eine Herausforderung, eine missionarische Kirche zu sein, die in die Welt hinausgehe, an die „Peripherien der heutigen Gesellschaft“. Besondere Zuwendung müsse den Kindern und älteren Menschen zukommen, so der Papst. Er sagte: „In diesem Zusammenhang möchte ich euch bitten, euch in besonderer Weise um die Erziehung der Kinder zu kümmern, indem ihr die unverzichtbare Aufgabe nicht nur der Universitäten, sondern auch katholischer Schulen auf allen Stufen unterstützt, angefangen von den Grundschulen, wo Geist und Herz der Kinder in der Liebe zum Herrn und seiner Kirche, im Guten, Wahren und Schönen geformt werden und wo Kinder lernen, gute Christen und rechtschaffene Bürger zu sein.“ Er mahnte, die Arbeit in der Kirche nicht auf eine institutionelle Dimension zu reduzieren und nicht mehr den individuellen Menschen zu sehen. Papst Franziskus unterstrich, dass das Ideal einer „Kirche der Armen und für die Armen“ die Basis der ersten christlichen Gemeinden Koreas gewesen sei. Die Kirche müsse für Liebe stehen und damit für junge Menschen einen Zufluchtsort darstellen.

Papst Franziskus ermahnte die Bischöfe, sich nicht von der sie umgebenden Welt beeinflussen zu lassen, sondern den Kriterien Jesu zu folgen, wobei ihnen das Evangelium zur Anleitung dienen solle. Er bat die Bischöfe und ihre Priester eindringlich, den Versuchungen weltlicher Kriterien zu widerstehen. Indem er einen Passus aus „Evangelii gaudium“ zitierte sagte er: „Mögen wir vor jener geistlichen und pastoralen Verweltlichung bewahrt werden, die den Heiligen Geist unterdrückt, Umkehr durch Selbstgefälligkeit ersetzt und dabei jeden missionarischen Eifer zerstreut!“

Abschließend betonte Papst Franziskus, dass er mit seinen Gedanken über die Rolle der Bischöfe diese ermutigen wolle, „die Gläubigen in Korea in Einheit, Heiligkeit und Eifer aufzubauen.“ Mit dem Satz: „Gedächtnis und Hoffnung inspirieren uns und führen uns in die Zukunft“ versicherte er ihnen sein Gebet und bat sie, auf die Kraft Gottes zu vertrauen. Dann erteilte er allen den Apostolischen Segen.