Papst Franziskus trifft Mitglieder von römischen Priesterseminaren

Antworten auf Fragen

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 386 klicks

Am Montag empfing Papst Franziskus im Vatikan Lehrer und Studenten der römischen Priesterseminare. Bei dem Treffen stand er den Anwesenden Rede und Antwort auf alle Fragen und sah von einer vorbereiteten Ansprache ab. Nur gegenüber einigen anwesenden Priesteramtsanwärtern aus der Ukraine sagte er folgende Worte:

„Ich bin euch sehr nahe in diesem Moment des Leidens – wirklich sehr, sehr nahe, auch im Gebet. So viele Christen leiden, in einigen Teilen der Welt werden sie auch verfolgt; ich bin euch nahe!“

In der Antwort auf eine der ersten Fragen bezüglich der Priesterausbildung äußerte sich Papst Franziskus ablehnend gegenüber einem Akademismus, der häufig vorkomme. So würden die jungen Männer von den Bischöfen nach Rom geschickt, um als Pfarrer in ihr Bistum zurückzukehren und nicht, um in Rom einen akademischen Weg einzuschlagen. Er sagte:

„Es gibt vier Pfeiler bei der Priesterausbildung: den geistlichen, den akademischen, den gemeinschaftlichen und den apostolischen. Es ist normal, dass man hier in Rom besonderen Wert auf die intellektuelle Ausbildung legt, dazu seid ihr ja hierher geschickt worden; aber dabei darf man nicht die anderen drei Pfeiler vernachlässigen, und alle vier Bereiche hängen miteinander zusammen. Ich kann es nicht nachvollziehen, wenn ein Priester zum Studium nach Rom kommt und kein Gemeinschaftsleben hat – das geht nicht! Oder kein geistliches Leben, keine tägliche Messe, kein Gebet... oder das apostolische Leben.“

Papst Franziskus sagte, eine eingleisige akademische Ausbildung, ein „akademischer Purismus“, sei nicht gut für die jungen Männer.

„Der Herr hat euch zu Priestern berufen – das ist das Wesentliche. Wenn man nur den akademischen Teil beachtet, dann rutscht man schnell in Ideologien ab, und das macht krank. Es lässt auch das eigene Kirchenbild verrutschen. Um die Kirche zu verstehen, braucht man nicht nur Studium, sondern auch Gebet, Gemeinschaftsleben und apostolisches Leben. Wenn wir in die Ideologie abrutschen, dann haben wir ein ideologisches Kirchenbild – und das ist eine Krankheit.“

Im Anschluss daran gab Papst Franziskus den jungen Priesteranwärtern einige Ratschläge. So sei zunächst der gemeinsame Alltag im Priesterseminar sehr wichtig. Dabei solle man sich vor Gerede hüten und offen miteinander umgehen. Diskutiere man, so solle man sich dabei an der Suche nach der Wahrheit und der Einheit orientieren. Das Gebet spiele dabei eine besondere Rolle, da es ein wichtiges Mittel der Gewissensbefragung, des „Verstehens in Frieden“ sei. So solle man beispielsweise für einen Menschen, den man nicht möge, beten und am Ende eines jeden Tages ein Gebet an die Gottesmutter Maria richten.

„Wachsam sein bedeutet nicht, in den Foltersaal zu gehen, nein, nein! Es bedeutet, das Herz anzusehen. Wir müssen Herren unseres Herzens sein. Was fühlt mein Herz, was sucht es? Was hat mich heute glücklich gemacht und was nicht? Beendet den Tag nicht ohne dies. Das ist Wachsamkeit. Auch über die Bedrücktheit und den Enthusiasmus wachen. Das ist keine sterile Innenschau, nein, nein, nein! Das bedeutet, den Zustand meines Herzens und mein Leben zu kennen, die Weise, wie ich den Weg des Herrn gehe. Das Herz zu betrachten war die Weisheit der ersten christlichen Mönche.“

Bezüglich der Frage eines der Seminaristen nach einem angemessenen Führungsstil in der Kirche sagte Papst Franziskus, besonders wichtig sei, es ein „großer Kommunikator“ zu sein, und nannte als Beispiel Kardinal Luis Antonio Tagle von Manila. Dann äußerte er sich ausführlich darüber, was man unter einer guten Führung in der Kirche verstehe:

„Beim Führen in der Kirche gibt es nur einen Weg: den Dienst. Es gibt keinen anderen. Wenn du viele Qualitäten hast, zum Beispiel die Kommunikation, aber kein Diener bist, fällt dein Führungsstil in sich zusammen, es bringt nichts, er ist nicht in der Lage, die Menschen zusammenzubringen.“

Dabei müsse man den Willen der anderen erfüllen, und das bedeute „Nähe, Demut, Armut und Opfer“, die Kultur der Begegnung müsse gepflegt werden und man solle immer an die Randgebiete der Gesellschaft gehen. In diesem Zusammenhang warnte er vor geldsüchtigen Priestern, die Geschäfte machen, und vor eitlen Priestern.

Zu einer Frage bezüglich der Evangelisierung betonte Papst Franziskus, nichts sei so wichtig, wie aus sich herauszugehen.

„Die Evangelisierung beinhaltet das Aus-sich-selbst-Hinausgehen, die Dimension des Transzendenten: Das Transzendente in der Verehrung Gottes, in der Kontemplation und dem Hinausgehen zu den Brüdern, zu den Leuten. Hinausgehen aus etwas, Hinausgehen! Das ist für mich der Kern der Evangelisierung! Und Hinausgehen bedeutet ankommen, also Nähe. Wenn du nicht aus dir selbst hinausgehst, wirst du nie Nähe haben, oder? Ohne Nähe kann man nicht evangelisieren. Das Problem der langweiligen Predigten ist, dass es keine Nähe gibt. Gerade an der Predigt kann man die Nähe eines Hirten zu seinem Volk ablesen. Im Bereich der Predigt müssen wir, um gut zu evangelisieren, ziemlich vorangehen, da sind wir hinterher. Das ist ein Aspekt der Umkehr, die die Kirche heute braucht: Die Predigten besser machen, damit das Volk versteht.“

Dafür seien kurze und „starke“ Predigten von Nöten, die nicht länger als acht bis zehn Minuten dauern dürfen, da eine Predigt keine „Schule“ und keine „Konferenz“ sei: Die Predigt sei eine besondere Form der Verkündung, die eine besondere geistliche Charakteristik habe.