Papst Franziskus trifft Priester und Ordensleute in Getsemani-Kirche

Die Kirche ist euch dankbar

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 297 klicks

Am frühen Nachmittag traf Papst Franziskus in der Getsemani-Kirche am Ölberg Priester, Ordensleute und Seminaristen, nachdem er mit der Franziskanergemeinschaft im Heiligen Land ein gemeinsames Mittagessen eingenommen hatte. Er dankte den Anwesenden für ihr Wirken im Heiligen Land und bestärkte sie in ihrer Nachfolge Christi. Papst Franziskus ging in seiner Predigt auf den besonderen Ort des Gebetes ein, den der Angst Jesu. Er betonte, Getsemani sei durch das Annehmen des liebenden Willens des Vaters geheiligt.

„Beinahe scheuen wir uns, den Gefühlen nachzuspüren, die Jesus in jener Stunde empfunden hat; gleichsam auf Zehenspitzen treten wir in jenen inneren Ort ein, wo das Drama der Welt entschieden wurde. In jener Stunde hat Jesus das Bedürfnis gespürt zu beten und seine Jünger, seine Freunde, die ihm gefolgt waren und seine Sendung ganz von nahem geteilt hatten, bei sich zu haben. Doch hier in Getsemani wird die Nachfolge schwieriger und unsicherer; Zweifel, Müdigkeit und Schrecken nehmen überhand. In der sich überstürzenden Abfolge der Passion Jesu nehmen die Jünger unterschiedliche Haltungen gegenüber dem Meister ein: Nähe, Entfernung, Unsicherheit.“

Papst Franziskus appellierte an die Anwesenden, die Treue zu Jesus zu bewahren, und ermutigte die Bischöfe, Priester, gottgeweihte Personen und Seminaristen zur Gewissensforschung. In diesem Zusammenhang stellte er ihnen einige Fragen.

„Wer bin ich vor dem leidenden Herrn? Gehöre ich zu denen, die von Jesus aufgefordert sind, mit ihm zu wachen, und stattdessen einschlafen; die anstatt zu beten, versuchen zu entrinnen, indem sie die Augen vor der Realität verschließen? … Gibt es in mir etwa die Doppelzüngigkeit, die Falschheit dessen, der Jesus für dreißig Silberlinge verkauft hat; der Freund genannt worden war und ihn trotzdem verraten hat? … Oder befinde ich mich dank Gottes Gnade unter denen, die treu waren bis zum Ende, wie die Jungfrau Maria und der Apostel Johannes?“

Der Pontifex sagte, als alles verloren erschienen sei, sei nur die Liebe stärker als der Tod gewesen. So sei es die Liebe der Mutter Jesu und die des „Lieblingsjüngers“ gewesen, die sie am Kreuz habe bleiben lassen, um mit Jesus sein Schicksal zu teilen. Diesbezüglich sagte er:

„Die Freundschaft Jesu zu uns, seine Treue und seine Barmherzigkeit sind das unschätzbare Geschenk, das uns ermutigt, unseren Weg der Nachfolge vertrauensvoll fortzusetzen, auch wenn wir gefallen sind, Fehler gemacht und ihn verraten haben.“

Abschließend ging Papst Franziskus auf die Versuchungen des Lebens ein, die einen jeden treffen können, und ermahnte die Anwesenden, immer wachsam zu bleiben. Er sagte:

 „Wir spüren das Missverhältnis zwischen der Größe der Berufung und unserer Kleinheit, zwischen der Erhabenheit der Sendung und unserer menschlichen Hinfälligkeit. Doch in seiner großen Güte und unendlichen Barmherzigkeit nimmt uns der Herr immer bei der Hand, damit wir uns nicht von der Erschütterung überfluten lassen. … Ihr, liebe Brüder und Schwestern, seid berufen, dem Herrn in diesem gesegneten Land voll Freude nachzufolgen! Das ist ein Geschenk und eine Verantwortung. Eure Präsenz hier ist sehr wichtig; die ganze Kirche ist euch dankbar und unterstützt euch mit dem Gebet.“