Papst Franziskus und Hans Urs von Balthasar

Die Frau in der Kirche im Gedankengut des Schweizer Theologen und dessen Widerhall in der Lehre der Kirche

Rom, (ZENIT.org) | 873 klicks

So einfach die Sprache von Papst Franziskus ist, so tiefgründig ist sie: selten nennt er bibliographische Hinweise – manchmal nur ein kurzer Verweis –, aber wenn er ihnen Aufmerksamkeit schenkt, bezieht er sich präzise auf die entsprechenden Texte. So äußerte er sich auf der Rückreise vom 28.Weltjugendtag in Rio de Janeiro nach Rom gegenüber den Journalisten im Flugzeug: „Eine Kirche ohne Frauen ist wie das apostolische Kolleg ohne Maria. Die Rolle der Frau ist die Ikone der Jungfrau, der Madonna. Und die Madonna ist wichtiger als die Apostel. Die Kirche ist weiblich, weil sie Braut und Mutter ist. Man muss noch weiter gehen, man kann eine Kirche nicht verstehen ohne aktive Frauen […] Erinnern wir uns immer daran, dass Maria wichtiger ist als die Apostel, und so ist die Frau in der Kirche wichtiger als die Bischöfe und die Priester.“ Solche Worte rufen in Erinnerung das Gedankengut von Hans Urs von Balthasar und seine Annahme im Lehramt von Johannes Paul II. und im Katechismus der katholischen Kirche.

In seinem Buch „Neue Klarstellungen“ schrieb H.U. von Balthasar: „Das Marienelement in der Kirche beansprucht nicht alles für sich. Maria ist die ‚Königin der Apostel‘, ohne apostolische Befugnisse zu beanspruchen. Sie hat anderes und mehr.“

In seiner Ansprache an die Kardinäle und Prälaten der römischen Kurie sagte Johannes Paul II. am 22. Dezember 1987: „Dieses marianische Profil ist charakterisierend für die Kirche und ist mit dem apostolischen und petrinischen Profil eng verbunden. […] Die marianische Dimension der Kirche geht der petrinischen voran, ist gleichzeitig mit ihr verbunden und komplementär. Die unbefleckte Maria steht vor allen, auch vor Petrus und den Aposteln: nicht nur weil Petrus und die Apostel aus der Masse der sündigen Menschen stammen und ein Teil der Kirche ‚sancta ex peccatoribus‘ sind, sondern auch, weil ihr dreifacher ‚Munus‘ auf nichts anderes abzielt, als die Kirche zu bilden und das Ideal der Heiligkeit, das bereits in Maria vorgeformt und vorweggenommen ist. Wie hat ein zeitgenössischer Theologe gesagt, ‚Maria ist die Königin der Apostel, ohne apostolische Befugnisse zu beanspruchen. Sie hat anderes und mehr.‘ (H.U. von Balthasar, Neue Klarstellungen).“

Weiter, im Nr. 27 seines Apostolischen Schreibens über die Würde und Berufung der Frau, „Mulieris dignitatem“, erläuterte Papst Johannes Paul II.: „In der Hierarchie der Heiligkeit ist es die Frau, Maria von Nazareth, die die Figur der Kirche darstellt. Und sie steht allen auf dem Weg zur Heiligkeit voran; in ihrer Person hat die Kirche bereits ihre Perfektion erlangt, in der sie unberührt und unbefleckt existiert. (vgl. Ephf 5,27). In diesem Sinn kann man sagen, dass die Kirche gleichzeitig ‚marianisch‘ und ‚apostolisch-petrinisch‘ ist.“

Letztlich liest man im Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 773: „Die Gemeinschaft der Menschen mit Gott durch ‚die Liebe, die niemals aufhört‘ (1 Kor 13,8) ist das Ziel, das all das bestimmt, was in der Kirche an diese vergängliche Welt gebundenes sakramentales Mittel ist. Ihre hierarchische Struktur ‚ist ganz für die Heiligkeit der Glieder Christi bestimmt. Die Heiligkeit wird aber an dem tiefen Geheimnis gemessen, in dem die Braut mit der Hingabe der Liebe die Hingabe des Bräutigams erwidert‘ (MD 27). Als die Braut ‚ohne Flecken und Falten‘ (Eph 5,27) geht Maria uns allen auf dem Weg der Heiligkeit, die das Mysterium der Kirche ausmacht, voran. In diesem Sinne geht die marianische Dimension der Kirche der Petrusdimension voraus.“