Papst Franziskus: Wird ein Name Programm?

Gesten der Demut, Vertrauen in Muttergottes

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1174 klicks

Ganz im Zeichen seines Amtes als Bischof von Rom hielt der neu gewählte Papst Franziskus seine erste kurze Ansprache von der Benediktionsloggia des Petersdoms; kein Wort davon, dass er jetzt der Papst ist. Aufgabe des Konklaves sei es gewesen, einen Bischof von Rom zu wählen. „Es scheint, meine Mitbrüder, die Kardinäle, sind fast bis ans Ende der Welt gegangen, um ihn zu holen“, scherzt er.

Auch sein Vorgänger Benedikt XVI. ist heute für ihn nur ein „emeritierter Bischof“, für den er gemeinsam mit den versammelten Gläubigen ein Vaterunser und ein Ave Maria betet.

Nur als Bischof von Rom bezeichnet er sich und bittet die Gläubigen, für ihren Bischof zu beten. Dieses Gebet, für das er um Stille bittet, nimmt er in tiefer Verbeugung entgegen. Und als Bischof von Rom will er auch als erste Handlung seine Diözese und die Stadt Rom der Muttergottes anvertrauen; so kündigt er seinen für heute geplanten Besuch bei der Patronin der Stadt, der „Salus Populi Romani“ (Heil des römischen Volkes) in der Basilika Santa Maria Maggiore, an.

„Und jetzt beginnen wir diesen Weg -Bischof und Volk-, den Weg der Kirche von Rom, so der neu gewählte Papst. „Beten wir für die ganze Welt, damit ein großes Miteinander herrsche“, bittet er. Den apostolischen Segen „Urbi et Orbi“ erteilt er dann „allen Männern und Frauen guten Willens.“

Den Vorsitz der Liebe gegenüber allen Kirchen zu führen, zeichne die Kirche von Rom aus: so der erste Papst mit dem Namen Franziskus in der Kirchengeschichte. Umgänglich und gütig erscheint er, locker im Ton, aber durchaus eigenwillig. Er trägt weder Rochett (weißes Chorhemd) noch rote Mozetta (Schulterüberwurf), wie es zu diesem Anlass vorgesehen ist.

Ist der Name des „poverello“, des Gründers der Minderbrüder von Buß-und Wanderpredigern Franz von Assisi, der auf jeglichen irischen Besitz verzichtet hatte, Programm für dieses Pontifikat? Wird er die notwendige Entweltlichung der Kirche vorantreiben, die Benedikt XVI. immer wieder, besonders für Deutschland, angemahnt hatte?

Der Sohn eines Eisenbahnarbeiters mit einer Familie von fünf Kindern wurde erst mit 33 Jahren zum Priester geweiht. Als typischer Jesuit (1958 in den Orden eingetreten) ist der neue Pontifex vielseitig gebildet. Er ist Chemie-Ingenieur, hat Literatur und Psychologie in Buenos Aires unterrichtet und zwei Bücher über Spiritualität geschrieben: „Meditationen für Gottgeweihte“ und „Gedanken der Hoffnung“.

Sein Lizentiat in Philosophie erwarb er 1960 am Colegio Máximo San José in San Miguel. Seine theologischen Studien schloss er 1967 ab, die Priesterweihe empfing er dann 1969. Zusätzlich arbeitete er im Jahr 1986 in Deutschland an der Jesuitenhochschule St. Georgen in Frankfurt/M an einer Promotion.

In Buenos Aires wohnte er in einer schlichten Wohnung gegenüber seiner Kathedrale, bereitete seine Mahlzeiten oft selber zu und verzichtete auf seine Dienstlimousine zu Gunsten des „el micro“, argentinischer volkstümlicher Ausdruck für den Bus.

Klar und unmissverständlich sind seine Äußerungen zu brennenden gesellschaftlichen Fragen des Lebensschutzes, zur Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe und zur Familie.

Der Vorkämpfer für soziale Gerechtigkeit sprach sich gegen die Globalisierung aus und geißelte öffentlich die „dämonische Wirkung des Geldimperialismus“.

Während des Kreuzzugs von Damiette an der Nil-Mündung predigte der hl. Franz von Assisi im Lager des muslimischen Heeres vor dem Sultan Al-Kamil. Bei dieser Begebenheit soll er drei Ziele verfolgt haben: Erstens, den Sultan zum Christentum zu bekehren, zweitens, wenn nötig, als Märtyrer zu sterben und drittens, Frieden zu schaffen.

Sind diese Ziele durch Papst Franziskus nun auch das Programm für die Kirche im dritten Jahrtausend?