Papst Franziskus wird Reformen durchführen, doch vor allem erweckt er die Leidenschaft zu neuem Leben (Teil 1)

Interview mit Kardinal Francesco Monteresi, emeritierter Erzpriester von Sankt Paul vor den Mauern

Vatikanstadt, (ZENIT.org) H. Sergio Mora | 1094 klicks

Am vergangenen Sonntag nahm Papst Franziskus mit St. Paul vor den Mauern die dritte der vier Papstbasiliken in Besitz. Zu diesem Anlass bat ZENIT Kardinal Francesco Monteresi, den emeritierten Erzpriester der Basilika, im Rahmen eines Interviews um Erläuterungen zur Geschichte, zu den Mönchen, zum Grab des hl. Paul sowie zur Zeremonie der Inthronisation des Heiligen Vaters und den von ihm erweckten Glaubenseifer.

In Bezug auf die Reform der Kurie betonte Kardinal Monterisi, dass diese für den Papst eine Erleichterung bei der Erfüllung seines „Petrusdienstes“ bedeuten könne, vor allem dabei bei der Verkündigung Christi und dessen Botschaft bis an die Grenzen der Welt.

Der Kardinal zeigte sich überzeugt davon, dass der Papst weiterhin an der Darstellung Gottes als den Menschen liebenden Vaters festhalten werde, der Barmherzigkeit und Vergebung erfahren lässt und für all seine Kinder seine Arme ausbreitet, festhalten werde.

Eminenz, Sie waren bis vor wenigen Monaten Erzpriester der Basilika St. Paul vor den Mauern …

Kard. Monterisi: Ja, das ist richtig. Bis im November des vergangenen Jahres war ich Erzpriester. Derzeit übernimmt Kardinal James Michael Harvey diese Funktion.

Was können Sie von dieser Basilika berichten, von der Papst Franziskus soeben Besitz ergriffen hat?

Kard. Monterisi: Den Aufzeichnungen von Historikern zufolge hat sich im siebten Jahrhundert eine Benediktinergemeinschaft in der Basilika anzusiedeln begonnen, die seit dieser Zeit fortbesteht, wobei der Abt die Verantwortung sowohl der Abtei als auch für die Basilika innehat. Gegenwärtig besteht eine sehr schöne, aus etwa 24 Mönchen aus verschiedenen Ländern zusammengesetzte Gemeinschaft. Darunter befinden sich auch einige Studenten und Novizen. Im Jahre 2005 wurde im Zuge der von Benedikt XVI. eingeleiteten Reformen ebenso wie in den anderen „päpstlichen Basiliken“ ein Kardinalerzpriester eingesetzt.

Erzählen Sie uns von den vor kurzem geleisteten wichtigen Arbeiten.

Kard. Monterisi: Als Andrea di Montezemolo, der erste Erzpriester, eingesetzt wurde, erachtete er es als zweckmäßig, auf dem Areal rechts neben der Basilika ein Gebäude für konkrete Notwendigkeiten errichten zu lassen, das vor allem dem Empfang der Pilger dienen sollte. So wurde ein Ort der Erholung, und ein Verkaufsstelle für Souvenirs, religiöse Gegenstände, etc. geschaffen. Ein Teil des Gebäudes ist jedoch für die Aufgaben der Wärter der Basilika vorgesehen.

Neben der Basilika entstand außerdem ein weiteres wichtiges Gebäude. Vor wenigen Monaten wurden die Bauarbeiten an einer weiteren Abteilung des Kinderkrankenhauses „Bambino Gesù“ abgeschlossen. Zum Zeichen der Unterstützung der Kleinsten durch die Kirche wurde die Abteilung bereits in Betrieb genommen.

Haben auch archäologische Ausgrabungen stattgefunden?

Kard. Monterisi: Ja, in der Tat. Da zu Beginn der Bauarbeiten am ersten Gebäude archäologische Überreste zum Vorschein kamen, wurden die Arbeiten über ein Jahr lang unterbrochen. Währenddessen nahm die archäologische Abteilung der Vatikanischen Museen eine Identifizierung der ausgegrabenen Fragmente vor. Es wurden die Überreste eines Klosters gefunden; mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um ein Frauenkloster. Man wusste damals von der Existenz von Ordensfrauen in der Basilika, die gleichsam als „Hüterinnen“ des Grabes des Völkerapostels fungierten. Tatsächlich ist in der Abtei ein Grabstein vorhanden, der Gregor dem Großen zugeschrieben wird. Dieser bestätigt die Existenz der Ordensfrauengemeinschaft in St. Paul zu jener Zeit.

Zu welchen weiteren Ergebnissen haben die Ausgrabungen geführt?

Kard. Monterisi: Wie erwähnt, fand die Ankunft der ersten Mönche um das Jahr 700 statt. Mit der Zeit konsolidierte sich die der Cassinensischen Kongregation angeschlossene Benediktinerabtei. Die Ausgrabungen brachten ein Kloster zum Vorschein, das im Jahre 800 nach Christus den Höhepunkt seiner Entwicklung erlebt hatte. Um St. Paul vor den Mauern etwas aus seiner Einsamkeit zu befreien, ließ Johannes VIII. in der Nähe der Basilika ein Dorf erbauen, das „Giovannipoli“ genannt wurde und im Laufe der Zeit ebenso verschwand.

Warum zählt St. Paul zu den vier päpstlichen Basiliken und nicht beispielsweise Santa Croce in Gerusalemme?

Kard. Monterisi: Diese Entscheidung wurde von den Päpsten getroffen. St. Paul ist seit jeher eine „päpstliche Basilika”. Kaiser Konstantin ließ sie für den Papst errichten. Daher zählt sie ebenso wie Sankt Peter im Vatikan, Santa Maria Maggiore und San Giovanni im Lateran zu den „konstantinischen“ Basiliken. Neben der zuletzt erwähnten wurde auf einem Grundstück im Besitz Konstantins auch die Residenz des Papstes errichtet.

[Der zweite Teil des Interviews erscheint am 23. April 2013]