Papst führt in dei Gebetsschule des hl. Antonius von Padua ein

Gebet ist eine Liebesbeziehung

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ROM, 10. Februar 2010 (ZENIT.org).-Der "beliebteste Volksheiligen in der ganzen katholischen Kirche, der nicht nur in Padua verehrt wird, wo eine herrliche Basilika errichtet worden ist, in der seine sterblichen Überreste verwahrt werden, sondern auf der ganzen Welt" stand heute im Mittelpunkt der Katechese von Benedikt XVI. während der lwöchentlichen Generalaudienz.

Antonius war es, der "vom Gebet als einer Liebesbeziehung" sprach, "die den Menschen dazu drängt, sanft mit dem Herrn in ein Gespräch zu treten, und so eine unaussprechliche Freude schafft, welche die betende Seele voller Süße umfasst", so der Papst.

"Antonius ruft uns in Erinnerung, dass das Gebet einer Atomsphäre der Stille bedarf, die nicht dem Abstand vom äußerlichen Lärm gleichkommt, sondern innere Erfahrung ist, die darauf abzielt, die von den Sorgen der Seele hervorgerufenen Zerstreuungen abzustreifen, die Stille der Seele selbst zu schaffen".

"Nach der Lehre dieses berühmten franziskanischen Kirchenlehrers ist das Gebet in vier unverzichtbare Haltungen eingeteilt, die im Latein des Antonius als obsecratio, oratio, postulatio und gratiarum actio bestimmt werden. Wir könnten sie so übersetzen: Vertrauensvoll das Herz Gott öffnen, voll Zuneigung mit ihm ins Gespräch treten, ihm unsere Anliegen vortragen, ihn loben und ihm danken.

In dieser Lehre des heiligen Antonius über das Gebet nehmen wir eines der spezifischen Merkmale der franziskanischen Theologie wahr, deren Initiator er gewesen ist, das heißt die der göttlichen Liebe zugewiesene Rolle, die in die Sphäre der Gefühlswelt, des Willens, des Herzens eintritt und auch die Quelle ist, der eine geistliche Erkenntnis entspringt, die jede Erkenntnis übertrift.

Antonius schreibt weiter: 'Die Liebe ist die Seele des Glaubens, sie macht ihn lebendig; ohne die Liebe stirbt der Glaube' (Sermones Dominicales et Festivi II).

Nur eine betende Seele kann im geistlichen Leben Fortschritte machen: das ist der bevorzugte Gegenstand der Predigt des heiligen Antonius".

 

Wir veröffentlichen den Wortlaut der heutigen Katechese:

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Antonius von Padua (* 15. August 1195 in Lissabon; † 13. Juni 1231 in Arcella bei Padua)

Liebe Brüder und Schwestern!

Nachdem ich vor zwei Wochen die Gestalt des heiligen Franziskus von Assisi vorgestellt habe, möchte ich heute Vormittag über einen anderen Heiligen sprechen, der zur ersten Generation der Minderbrüder gehört: den heiligen Antonius von Padua oder von Lissabon, wie er auch in Bezug auf seine Geburtsstadt genannt wird. Es handelt sich um einen der beliebtesten Volksheiligen in der ganzen katholischen Kirche, der nicht nur in Padua verehrt wird, wo eine herrliche Basilika errichtet worden ist, in der seine sterblichen Überreste verwahrt werden, sondern auf der ganzen Welt. Die Gläubigen lieben die Bilder und Statuen, die ihn mit der Lilie, dem Symbol seiner Reinheit, oder mit dem Jesuskind in den Armen darstellen, um einer wunderbaren Erscheinung zu gedenken, die von einigen literarischen Quellen erwähnt wird.

Antonius hat mit seinen herausragenden Begabungen der Intelligenz, des Gleichgewichts, des apostolischen Tatendranges und vor allem des mystischen Eifers in bedeutender Weise zur Entwicklung der franziskanischen Spiritualität beigetragen.

Er wurde in Lissabon um das Jahr 1195 in einer adeligen Familie geboren und auf den Namen Fernando getauft. Er trat bei den Chorherren ein, die der Mönchsregel des heiligen Augustinus folgten, dies zuerst im Kloster von St. Vinzenz in Lissabon und später im Kloster vom Heiligen Kreuz in Coimbra, einem bedeutenden Kulturzentrum Portugals. Er widmete sich mit Interesse und Sorgfalt dem Studium der Bibel und der Kirchenväter und erwarb so jenes theologische Wissen, das er in seiner Lehr- und Predigttätigkeit fruchten ließ.

In Coimbra trug sich die Episode zu, die seinem Leben eine entscheidende Wende gab: Dort wurden 1220 die Reliquien der ersten fünf Franziskaner-Missionare ausgestellt, die sich nach Marokko begeben hatten, wo ihnen das Martyrium zuteil wurde. Ihre Geschichte ließ im jungen Fernando den Wunsch entstehen, sie nachzuahmen und auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit voranzuschreiten: So bat er, die Augustiner Chorherren verlassen zu dürfen und ein Minderbruder zu werden. Seiner Bitte wurde stattgegeben, und nachdem er den Namen Antonius angenommen hatte, brach auch er nach Marokko auf; die göttliche Vorsehung jedoch hatte anderes im Sinn.

Infolge einer Krankheit war er gezwungen, nach Italien zurückzukehren, und nahm 1221 am berühmten „Mattenkapitel“ in Assisi teil, wo er auch dem heiligen Franziskus begegnete. Darauf lebte er für einige Zeit in völliger Abgeschiedenheit in einem Konvent bei Forlì in Norditalien, wo ihn der Herr zu einer anderen Aufgabe berief.

Während er unter gänzlich zufälligen Umständen dazu eingeladen worden war, anlässlich einer Priesterweihe zu predigen, zeigte er, mit einem derartigen Wissen und einer derartigen Beredsamkeit begabt zu sein, dass ihn die Oberen für die Predigttätigkeit bestimmten. So nahm er in Italien und Frankreich eine solch intensive und wirksame apostolische Tätigkeit auf, dass er nicht wenige Menschen, die von der Kirche abgefallen waren, dazu brachte, ihren Schritt zu überdenken.

Er war auch einer der ersten Theologielehrer der Minderbrüder, wenn nicht gar der erste. Er begann seine Lehre in Bologna mit dem Segen des Franziskus, der die Tugenden des Antonius erkannt und ihm einen kurzen Brief übersandt hatte, der mit diesen Worten anhob: „Es gefällt mir, dass du den Brüdern die heilige Theologie vorträgst“. Antonius schaffte die Grundlagen der franziskanischen Theologie, die von weiteren berühmten Denkern gepflegt werden und ihren Höhepunkt mit dem heiligen Bonaventura von Bagnoreggio und dem seligen Duns Scotus erreichen sollte.

Nachdem er Provinzoberer der Minderbrüder Norditaliens geworden war, setzte er seinen Dienst der Predigt fort, indem er diesen mit den Aufgaben der Leitung abwechselte. Nach Beendigung seines Amtes als Provinzial zog er sich in die Nähe von Padua zurück, wohin er sich bereits andere Male begeben hatte. Nach gerade einem Jahr starb er am 13. Juni 1231 vor den Toren der Stadt. Padua, das ihn zu Lebzeiten voll Zuneigung und Verehrung aufgenommen hatte, erwies ihm für immer Achtung und Verehrung. Papst Gregor IX. selbst, der ihn, nachdem er ihn predigen gehört hatte, als „Schatztruhe der Heiligen Schrift“ bezeichnet hatte, sprach ihn 1232 nur ein Jahr nach seinem Tod heilig, dies auch infolge der Wunder, die durch seine Fürsprache geschehen waren.

Im letzten Abschnitt seines Lebens legte Antonius zwei Zyklen von „Predigten“ schriftlich nieder, welche die Titel „Sonntagspredigten“ und „Predigten über die Heiligen“ tragen und für die Prediger und Lehrer der theologischen Studien des Franziskanerordens bestimmt waren. In ihnen kommentiert er die von der Liturgie vorgelegten Texte der Heiligen Schrift und benutzt hierzu die patristisch-mittelalterliche Auslegung der vier Schriftsinne: des wörtlichen oder geschichtlichen, des allegorischen oder christologischen, des tropologischen oder moralischen und des anagogischen Sinns, der auf das ewige Leben ausrichtet. Es handelt sich um theologisch-homiletische Texte, welche die lebendige Predigt erklingen lassen, in der Antonius einen regelrechten Weg christlichen Lebens vorschlägt.

So groß ist der Reichtum der in den „Predigten“ enthaltenen geistlichen Lehren, dass der ehrwürdige Diener Gottes Papst Pius XII. im Jahr 1946 Antonius zum Kirchenlehrer erklärte und ihm den Titel „Doctor Evangelicus“ zuwies, da aus diesen Schriften die Frische und die Schönheit des Evangeliums zutage treten; noch heute können wir sie mit großem geistlichen Gewinn lesen.

In ihnen spricht er vom Gebet als einer Liebesbeziehung, die den Menschen dazu drängt, sanft mit dem Herrn in ein Gespräch zu treten, und so eine unaussprechliche Freude schafft, welche die betende Seele voller Süße umfasst.

Antonius ruft uns in Erinnerung, dass das Gebet einer Atomsphäre der Stille bedarf, die nicht dem Abstand vom äußerlichen Lärm gleichkommt, sondern innere Erfahrung ist, die darauf abzielt, die von den Sorgen der Seele hervorgerufenen Zerstreuungen abzustreifen, die Stille der Seele selbst zu schaffen. Nach der Lehre dieses berühmten franziskanischen Kirchenlehrers ist das Gebet in vier unverzichtbare Haltungen eingeteilt, die im Latein des Antonius als obsecratio, oratio, postulatio und gratiarum actio bestimmt werden. Wir könnten sie so übersetzen: Vertrauensvoll das Herz Gott öffnen, voll Zuneigung mit ihm ins Gespräch treten, ihm unsere Anliegen vortragen, ihn loben und ihm danken.

In dieser Lehre des heiligen Antonius über das Gebet nehmen wir eines der spezifischen Merkmale der franziskanischen Theologie wahr, deren Initiator er gewesen ist, das heißt die der göttlichen Liebe zugewiesene Rolle, die in die Sphäre der Gefühlswelt, des Willens, des Herzens eintritt und auch die Quelle ist, der eine geistliche Erkenntnis entspringt, die jede Erkenntnis übersteigt.

Antonius schreibt weiter: „Die Liebe ist die Seele des Glaubens, sie macht ihn lebendig; ohne die Liebe stirbt der Glaube“ (Sermones Dominicales et Festivi II).

Nur eine betende Seele kann im geistlichen Leben Fortschritte machen: Das ist der bevorzugte Gegenstand der Predigt des heiligen Antonius.

Er kennt die Mängel der menschlichen Natur gut, unsere Tendenz, der Sünde zu verfallen, so dass er stets dazu ermahnt, die Neigung zu Habsucht, Stolz, Unreinheit zu bekämpfen und dagegen die Tugenden der Armut und der Großherzigkeit, der Demut und des Gehorsams, der Keuschheit und der Reinheit zu üben. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wuchs im Zusammenhang der Neuerstehung der Städte und des Aufblühens des Handels die Zahl der Menschen, die gegenüber den Bedürfnissen der Armen empfindsam waren.

Aus diesem Grund forderte Antonius die Gläubigen mehrmals dazu auf, an den wahren Reichtum zu denken, den Reichtum des Herzens, der gut und barmherzig macht und so Schätze für das Himmelreich ansammeln lässt. „O ihr Reichen – so mahnt er – macht euch die Armen... zu Freunden, nehmt sie in euren Häusern auf: Sie, die Armen, werden es dann sein, die euch in den ewigen Wohnstätten aufnehmen werden, wo die Schönheit des Friedens herrscht, das Vertrauen der Sicherheit und die üppige Ruhe er ewigen Sättigung“ (Sermones Dominicales et Festivi II).

Liebe Freunde, ist dies vielleicht nicht eine sehr wichtige und auch heute aktuelle Lehre, da die Finanzkrise und die schwerwiegenden wirtschaftlichen Ungleichgewichte nicht wenige Menschen verarmen lassen und Zustände des Elends schaffen? In meiner Enzyklika „Caritas in veritate“ rufe ich in Erinnerung: „Die Wirtschaft braucht für ihr korrektes Funktionieren die Ethik; nicht irgendeine Ethik, sondern eine menschenfreundliche Ethik“ (Nr. 45).

In der Schule des Franziskus stellt Antonius immer Christus in den Mittelpunkt des Lebens und des Denkens, des Handelns und der Predigt. Dies ist ein weiterer typischer Zug der franziskanischen Theologie: die Christozentrik. Gern betrachtet sie die Geheimnisse der Menschheit des Herrn, des Menschen Jesu – und lädt dazu ein, sie zu betrachten –, besonders dass Geheimnis der Geburt, die in ihm Gefühle der Liebe und der Dankbarkeit gegenüber der göttlichen Güte erwecken.

Auch der Blick auf den Gekreuzigten inspiriert in ihm Gedanken des Dankes an Gott und der Hochschätzung der Würde der menschlichen Person, so dass alle, Gläubige und Nichtgläubige, in ihm einen Sinn finden können, der das Leben bereichert. Antonius schreibt: „Christus, der dein Leben ist, hängt da vor dir, auf dass du auf das Kreuz wie in einen Spiegel schaust. Dort wirst du erkennen können, wie tödlich seine Wunden waren, die keine Arznei hätte heilen können, wenn nicht jene des Blutes des Gottessohnes. Wenn du genau hinschaust, so wirst du dir bewusst werden können, wie groß deine Menschenwürde und dein Wert sind... An keinem anderen Ort kann sich der Mensch besser bewusst werden, wie viel er wert ist, als an jenem, an dem er sich im Spiegel des Kreuzes betrachtet“ (Sermones Dominicales et Festivi III).

Wenn wir über diese Worte nachdenken, können wir besser die Wichtigkeit des Bildes des Gekreuzigten für unsere Kultur verstehen, für unseren aus dem christlichen Glauben entstandenen Humanismus; denn Gott macht uns so wichtig, dass wir ihm seines Leidens wert sind.

Liebe Freunde, der von den Gläubigen so sehr verehrte Antonius von Padua möge für die ganze Kirche und vor allem für jene Fürsprache halten, die sich der Predigt widmen. Indem sie sich durch sein Vorbild inspirieren lassen, sollen sie dafür Sorge tragen, feste und gesunde Lehre, aufrichtige und inbrünstige Frömmigkeit und Entschlossenheit in der Kommunikation miteinander zu vereinen.

In diesem Priesterjahr wollen wir beten, dass die Priester und Diakone sorgfältig diesen Dienst der Verkündigung und der Aktualisierung des Wortes Gottes vor den Gläubigen verrichten, vor allem in den Sonntagspredigten. Sie sollen eine wirksame Darbietung der ewigen Schönheit Christi sein, wie Antonius ans Herz legte: „Wenn du Jesus predigst, löst er die harten Herzen; wenn du ihn anrufst, versüßt er die bitteren Versuchungen; wenn du an ihn denkst, erleuchtet er dir das Herz; wenn du ihn liest, sättigt er den Geist“ (Sermones Dominicales et Festivi III).

[Für die deutsche Zusammenfassung der Katechese bediente sich der Heilige Vater des folgenden Manuskriptes:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Der heilige Antonius von Padua ist zweifelsohne einer der beliebtesten Volksheiligen der Kirche. Antonius gehörte noch zur ersten Generation der Franziskaner und hat entscheidend an der Entwicklung der franziskanischen Spiritualität und Theologie mitgewirkt. Ursprünglich stammte Fernando – so hieß Antonius mit Taufnamen – aus Lissabon und wurde zunächst Augustiner-Chorherr. Unter dem Eindruck der Überführung der sterblichen Überreste der ersten franziskanischen Märtyrer aus Marokko trat er in den Franziskanerorden ein und erhielt den Namen Antonius. 1221 nahm er am Generalkapitel der Franziskaner in Assisi teil und begegnete dort auch dem heiligen Franziskus. Später wurde man eher zufällig auf seine große Predigtgabe aufmerksam wurde. So wurde Antonius nach Oberitalien und Südfrankreich gesandt, wo er viele Irrgläubige zur Umkehr und Rückkehr in die Kirche bewegen konnte. Als erster theologischer Lehrer seines Ordens legte er in solider Kenntnis der Heiligen Schrift und der Kirchenväter, vornehmlich des heiligen Augustinus, die Grundlagen für die spätere franziskanische Theologie. Antonius starb am 13. Juni 1231 bei Padua und wurde ein Jahr später heiliggesprochen. Seine beiden Predigtsammlungen zeugen von seiner tiefen und lebendigen Verkündigung, aus denen die Frische und Schönheit des Evangeliums spricht. So erhielt Antonius 1946 als Kirchenlehrer den Titel „doctor evangelicus". Besonderen Wert legte der Heilige auf das Gebet, das unabdingbar ist für den Fortschritt im geistlichen Leben, auf die göttliche Liebe, die erst ein tieferes Erkennen möglich macht, und auf die Nächstenliebe, die die Seele des Glaubens ist. Dabei steht im Mittelpunkt seiner Verkündigung stets Christus. Die Betrachtung der Geheimnisse der Menschheit Jesu, vor allem seiner Geburt und seines Todes am Kreuz, weckt in uns die Liebe und die Dankbarkeit gegenüber Gott.

[Die deutschsprachigen Pilger begrüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Mit Freude grüße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache. Der heilige Antonius helfe uns, in der Liebe zu Christus und zum Nächsten zu wachsen. Bitten wir ihn in diesem Priesterjahr um seine Fürsprache, dass es den Priestern und Diakonen heute gelingt, die Botschaft Christi freudig zu verkünden und die Herzen der Menschen für den Herrn zu öffnen. Gerne begleite ich euch alle mit meinem Segen.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2010 – Libreria Editrice Vaticana]