Papst: Gebet im Alten Testament

„Sodom und Gomorra verschließen sich seiner erbarmenden Liebe“

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VATIKANSTADT, Mittwoch, 18. Mai 2011 (ZENIT.org). - Nach der „menschheitlichen Erscheinung" des Gebets ging Papst Benedikt, wie er ankündigte, während der Katechese der Generalaudienz heute zum „biblischen Zyklus" der Betrachtung über. Schon Abraham als Vater aller Glaubenden habe für die Rettung anderer und um Vergebung gebetet. Durch diese Macht der Vergebung könne Gott Ungerechte in Gerechte verwandeln. Im Gebet für die anderen werde der Heilswille Gottes zum Wunsch des Menschen. Der Herr wolle den einzelnen retten durch die Umwandlung von innen her, durch die Befreiung vom Bösen.

Wir veröffentlichen die offizielle deutsche Zusammenfassung im Wortlaut:

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Liebe Brüder und Schwestern!

In zwei Katechesen habe ich jetzt über das Gebet als menschheitliche Erscheinung gesprochen, die in allen Kulturen da ist. Heute nun möchte ich zu einem biblischen Zyklus übergehen und einige wichtige Texte aus dem Alten und Neuen Testament herausstellen, in denen uns das Gebet lebendig begegnet und von denen wir selber beten lernen können. Beginnen wir mit Abraham, dem Vater aller Glaubenden. Im Buch Genesis wird erzählt, wie Abraham im Gespräch mit Gott Fürbitte für Sodom und Gomorra vor dem gerechten Strafgericht einlegt. Er beschwört Gott: »Es sind doch vielleicht auch Gerechte in der Stadt. Du kannst doch als Weltenrichter nicht die Gerechten zugleich mit den Ungerechten zugrunde gehen lassen. Das tut der Weltenrichter nicht« (vgl. Gen 18,23-25). Aber darüber hinaus geht er weiter und bittet nicht bloß um die Rettung der Gerechten, sondern um Vergebung, durch die die anderen auch zu Gerechten werden. Es geht also um eine »höhere«, göttliche Gerechtigkeit: zum einen um die Gerechtigkeit, dass das Gerechte nicht mit Unrechtem verdammt wird, aber zum anderen um das Höhere, dass Gott durch die Macht der Vergebung Ungerechte in Gerechte verwandelt. Und Gott - Abraham weiß das - will ja nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt (vgl. Ez 18,23; 33,11).

Im Gebet für die Errettung des anderen wird der innere Heilswille Gottes, die Sehnsucht Gottes selbst, zum Wunsch eines Menschen. Abrahams Bitten gründet also in seinem Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, und umso geringer die Zahl der nötigen Gerechten angesetzt wird, desto größer und deutlicher erscheint die Barmherzigkeit des Herrn.

Der Herr ist bereit zu vergeben, doch Sodom und Gomorra verschließen sich seiner erbarmenden Liebe. Es gibt dort nicht einmal den kleinsten Keim an Gutem, aus dem Heilung erwachsen könnte. Rettung heißt ja nicht einfach, der Strafe zu entkommen, sondern vom Bösen befreit zu werden. Der Herr will den Menschen retten durch die innere Befreiung vom Bösen, durch eine Umwandlung von innen her. Später, bei Jeremia finden wir die Stelle, dass Gott durch den Propheten sagt: »Wenn ich einen Gerechten finde, verschone ich die Stadt« (vgl. Jer 5,1).

Aber es fehlt auch der eine Gerechte. Und so hat er selbst eingegriffen und ist selbst ein Mensch geworden, sodass immer der eine Gerechte da ist, von dem Verwandlung ausgehen kann. Von dieser Barmherzigkeit Gottes wollen wir uns anrühren, aber auch selbst verpflichten lassen, uns darum zu mühen mitzuhelfen, dass Gerechtigkeit in unseren Städten sei, weil nur so das Zusammenleben, der Friede, die Städte und der Staat erhalten werden können. Und wir wissen, dass wir uns dabei auf die Güte Gottes verlassen können, mit dem wir im Gebet in Verbindung treten, durch das wir sein Herz öffnen.

Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:

Ein herzliches Willkommen sage ich allen Pilgern und Gästen aus den Ländern deutscher Sprache. Das Beispiel des Abraham soll uns lehren, unser Herz der Barmherzigkeit Gottes zu öffnen, um das Heil der Menschen zu bitten und uns selbst um das Rechtsein zu mühen. Der auferstandene Herr schenke euch allen seine Gnade.