Papst: Gemeinsam Gott in der Welt bezeugen

Audienz mit Vertretern der Kirchen, kirchlichen Gemeinschaften und anderen Religionen

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 904 klicks

Am heutigen Vormittag empfing Papst Franziskus in der „Sala Clementina“ im Apostolischen Palast die Delegaten der Kirchen, kirchlichen Gemeinschaften und internationalen ökumenischen Körperschaften sowie auch Repräsentanten der Juden und der nicht-christlichen Religionen, die zu seiner offiziellen Amtseinführung als Bischof von Rom und Nachfolger Petri nach Rom gekommen waren.

Im Laufe des Treffens richtete Seine Heiligkeit Bartholomäus I, ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, ein Grußwort an den neugewählten Papst. Danach richtete sich Papst Franziskus in einer  Ansprache an die Anwesenden und drückte seine Freude über das Treffen besonders auch gegenüber den Vertretern der Ostkirchen aus.

Er bedankte sich für ihre Anwesenheit während seiner Einführungsmesse und rief den Delegaten das von Benedikt XVI. ausgerufene Jahr des Glaubens in Erinnerung. Besonders im Licht des 50. Jahrestags der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils werde in Erinnerung gerufen, dass es der Weg jedes Einzelnen sei, umzukehren und Christus gleich zu werden, der für die Erlösung der Welt gestorben und auferstanden sei. Sein Tod und seine Auferstehung seien die frohe Botschaft, die von den Christen in der Welt von heute verkündet werden müsse, dies sei das Herz der Botschaft des Konzils.

Er bat alle, sich in das vereinte Gebet und den Aufruf Christi während des letzten Abendmahls einzufühlen, als er sprach: „Ut unum sint“.

„Bitten wir den barmherzigen Vater, in Fülle den Glauben zu leben, den wir als Geschenk am Tag unserer Taufe empfangen haben, damit wir freudig, mutig und frei Zeugnis von Christus geben können“, ermutigte der Papst. Sein eigenster Wunsch sei es, auf dem Weg des ökumenischen Dialogs weiterzugehen, den sein Vorgänger begonnen habe, betonte er und dankte dem Rat zur Förderung der Einheit der Christen für seine Arbeit und Initiativen.Die christlichen Gemeinschaften bat er um ein spezielles Gebet für ihn persönlich, damit er ein Hirte nach dem Herzen Christi werde.

Danach sprach er direkt zu den jüdischen Vertretern und zitierte „Nostra Aetate“ mit seiner Anerkennung der von Gott gewollten „Auserwählung“ des jüdischen Volkes. Er versprach ein Fortschreiten im brüderlichen Dialog mit den Juden und drückte seinen Wunsch nach konkreten Früchten aus.

Von den Muslimen und Angehörigen der anderen nicht-christlichen Religionen, die den „einen, lebendigen und barmherzigen Gott anbeten“, wünschte er, dass sie mit der Kirche zusammen am Wohl der Gesellschaft mitarbeiteten.

„Die katholische Kirche ist sich der Bedeutung der Freundschaft zwischen den verschiedenen religiösen Traditionen sehr bewusst.“ Gleichzeitig sei sie sich über die Verantwortung im Klaren, die die Religion für die Gesellschaft habe.Die Religion könne in der Welt den Durst nach dem Absoluten stillen, das gleichzeitig die Grundlage für die Würde des Menschen bilde. Gewalt hingegen keime überall dort auf, wo die Religion und Gott vom menschlichen Horizont verschwänden.

„Wir müssen in unserer Gesellschaft die Offenheit des menschlichen Herzens für das Absolute bezeugen“, so der Papst.

„In diesem Zeugnis fühlen wir uns allen Menschen nahe, welcher religiösen Tradition sie auch abstammen mögen, die auf der Suche nach der Wahrheit, der Güte und der Schönheit sind, die Wahrheit, Güte und Schönheit Gottes, die unsere stärksten Alliierten im Kampf für die menschliche Würde sind und Grundlage eines friedlichen Zusammenlebens zwischen den Völkern und der Bewahrung der Schöpfung.“

Papst Franziskus dankte allen für ihre Anwesenheit mit einem „herzlichen und brüderlichen Gruß“.